19.11.2018 - 14:41 Uhr
EnsdorfOberpfalz

Sorgen und Nöte des Waldes

„Wie sieht der Wald der Zukunft aus?“ Dieser Frage gehen die Neuntklässler der Mittelschule Ensdorf. Sie treffen sich dazu mit Förster Werner Lang im Naturpark Hirschwald und erfahren viel Neues.

Förster Werner Lang mit den Neuntklässlern im Naturpark Hirschwald.
von Hubert SöllnerProfil

"2018 ist ein warmes und sehr trockenes Jahr gewesen", so Lang, "mit der Folge, dass die Bäume zu wenig Wasser bekamen und es Probleme beim Anpflanzen gab." Die Fichte, die ursprünglich aus dem Hochgebirge stammt, brauche ein kühleres Klima und als Flachwurzler Wasser. Bei einem solchen Klima wie heuer sei sie geschwächt und der Borkenkäfer könne sich sehr gut vermehren. „Dann hilft nur das schnelle Abholzen der befallenen Fichten.“ Welche Bäume sollte man dann bei der Aufforstung pflanzen? Welche trotzen dem Klimawandel?, stellte Förster Werner Lang als Frage in den Raum. Denn die Zahl der Nadeljahrgänge sei ein Kriterium für die Vitalität des Baumes – je mehr Jahrgänge, desto gesünder der Baum. Früher befanden sich bei der Fichte sieben bis zehn Jahrgänge der Nadeln am Baum, derzeit seien es nur drei bis vier. Bei der Kiefer hätten sie sich von vier bis fünf auf ein bis zwei reduziert. Eine Veränderung könne man somit klar ausmachen.

Laut Werner Lang sollte man möglichst viele Baumarten pflanzen. Keiner weiß, wie tolerant die einzelnen Baumarten gegenüber dem veränderten Klima sein werden. Bäume wachsen langsam – diejenigen, die unsere Nachfahren in 100 Jahren abholzen wollen, müssen wir jetzt pflanzen. Wir haben aber keine Zeit mehr jahrelang Versuche zu machen und neue Baumarten zu züchten. Zudem hängt es von politischen Entscheidungen ab, wie schnell sich das Klima verändern wird. Zukünftig, so gab sich Förster Lang überzeugt, würden wir mit neuen Schädlingen und Pilzen konfrontiert werden.

"Immer häufiger haben wir es mit dem Eichenprozessionsspinner zu tun, der aber forstwirtschaftlich nicht relevant ist", so der Experte. Ein Pilz mache seit mehreren Jahren den Eschen zu schaffen – sie verlieren ihre Blätter und sterben ab. Buchen und Eichen werden gerne zu selbst angeflogenen Bäumen gepflanzt. Was passt aber jetzt in den Wald?, wollten die Schüler wissen. Hierbei hilft der Förster, der einerseits das nötige Knowhow mitbringt, andrerseits mit technischen Hilfsmitteln ausgestattet ist. Karten mit verschiedenen Anwendungen zeigen zum Beispiel an, welcher Baum in 50 Jahren hier noch gut wachsen kann oder welche Baumart gefährdet sein wird. Dank GPS kann man jeden Waldabschnitt genau orten.

Früher war übrigens die Buche der häufigste Laubbaum im Hirschwald. Für die Eisenherstellung wurde sie genauso wie die Kiefer abgeholzt. Die Fichte kam daraufhin öfter zum Vorschein – aber der Baum der Zukunft wird sie wohl eher nicht sein.

Förster Werner Lang mit den Neuntklässlern im Naturpark Hirschwald.
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