12.04.2019 - 16:21 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Abriss vor dem "Hundertsten"

Bis zum Jahresende soll das Erbendorfer Kolpinghaus in der Pfarrgasse verkauft sein. Die Genehmigung der Bischöflichen Finanzkammer liegt vor. Doch das ist nicht alles, was die Pfarrei vor hat.

Bis Jahresende möchte die katholische Pfarrei das Kolpinghaus verkaufen.
von Jochen NeumannProfil

Ob das Kolpinghaus seinen 100. Geburtstag noch erleben wird, ist fraglich. Denn schon seit Jahren möchte sich die katholische Pfarrei von diesem Objekt aus Kostengründen trennen. Die Pfarrei nahm diesbezüglich auch Kontakt mit der Bischöflichen Finanzkammer in Regensburg auf. „Jetzt haben wir die Genehmigung zum Verkauf erhalten“, bestätigte Pfarrer Martin Besold.

„Wir hoffen, das Kolpinghaus bis Jahresende zu verkauft zu haben“, so Besold. „Interessenten gibt es bereits für das Objekt. Aber es wäre schön, wenn noch weitere da wären.“ Denn die Pfarrei legt beim Verkauf auch Wert darauf, welcher Folgenutzung das Gebäude oder Grundstück zugeführt werde.

Knapp 100 Jahre ist das Kolpinghaus, vormals „Volkshaus“ genannt, alt. Errichtet wurde es 1921 an der Stelle der vormals bestandenen Brauerei Herrmann, bekannter unter dem Namen „Mulzer“. Vorangetrieben wurde der Bau des Volkshauses vom damaligen Pfarrer Johann Nepomuk Heigl, der ein Jahr zuvor auf die Erbendorfer Pfarrstelle kam.

Nicht nur pfarrliches und gesellschaftliches Leben spielte sich in seinen Mauern ab. In den 1920-iger Jahren befand sich die Druckerei Scheurer in einem Teil des Gebäudes, später auch ein Obst- und Gemüsehandel. Ende der 1970-iger Jahre erfolgte unter Pfarrer Georg Bertelshofer eine Generalsanierung mit einhergehenden Umbaumaßnahmen. Seit dieser Zeit trägt das Gebäude die Bezeichnung Kolpinghaus.

Dass der Verkauf jetzt zügig abgewickelt werden soll, hat nach Pfarrer Besold noch einen anderen Grund. „Wir wollen an der Stelle des Schwesternhauses beim Pfarrhof einen Pfarrsaal errichten.“ Denn für die Gläubigen, die Gruppen und Vereinen der Pfarrei könne dann ein zentraler Treffpunkt im Kirchenumfeld geschaffen werden. Der Kirchenverwaltung kommt für diese Maßnahme das Geld aus dem Verkauf dann gerade recht. „Wir rechnen für das Pfarrzentrum mit Baukosten von rund einer Millionen Euro“, bestätigte der Kirchenpfleger. Voraussichtlicher Baubeginn im kommenden Jahr.

Einen konkreten Zeitplan für den Abriss hat Kirchenpfleger Alfons Meierhöfer. „In den Sommer- oder Herbstferien soll das Schwesternhaus abgebrochen werden“, sagte er. Etwas Besonderes hat er sich im Vorfeld für die Bevölkerung ausgedacht. „Wahrscheinlich an einem Samstag, der genaue Termin wird noch bekannt gegeben, kann jeder aus dem Schwesternhaus mitnehmen, was er möchte.“ Sozusagen die große Ausräumaktion für das 1958 errichtete Gebäude.

Arbeiten am Lorettoheim beginnen

Pfarrer Martin Besold merkte am Rande an, dass im Rahmen der Generalsanierung des Lorettoheims nach Ostern mit der Außenrenovierung begonnen werde. Denn auch dem über 200 Jahre alten Gebäude nagt der Zahn der Zeit. „Die entsprechende Genehmigung der Bischöflichen Finanzkammer liegt uns ebenfalls vor.“

Beim „Alten Benefizium“, wie es zukünftig heißen soll, werden Außenfassade, Fenster und das Dach erneuert. Sicherungsmaßnahmen wurden nach den Worten Meierhöfers bereits in den letzten Jahren vorgenommen, die rund 50 000 Euro kosteten. „Die Kosten für die beginnende Maßnahme werden bei über 400 000 Euro liegen“, so der Kirchenpfleger abschließend.

„Wir wollen unsere Pfarrei Fit für die Zukunft machen“, ist das Ziel von Pfarrer Besold und der Kirchenverwaltung mit Kirchenpfleger Alfons Meierhöfer. „Finanziell werden wir gefordert sein.“

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