19.07.2019 - 16:14 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Abschied vom "schönsten Beruf der Welt"

Der Rektor der Grund- und Mittelschule Erbendorf, Peter Preisinger, geht in Pension. Kaum zu glauben, denn der 64-jährige Waldsassener wird als einer der leidenschaftlichsten Pädagogen in der Schullandschaft geschätzt und geliebt.

Wenn Peter Preisinger die Schullandschaft am 31. Juli für immer verlässt, hinterlässt er in er eine große Lücke. Denn der Pädagoge erfreut sich großer Beliebtheit.
von Ulla Britta BaumerProfil

Der Abschied vom Schuldienst zum 31. Juli falle ihm sehr schwer, wie er betont. "Aber man soll gehen, wenn es am Schönsten ist." In seinem emotionalen Rückblick kommen keine schlechten Zeit vor - daran erinnere er sich nicht. "Ich bin relativ schnell in die Schulleitung gewechselt", erklärt Preisinger. Zwar habe er dann nicht mehr so viel Unterricht halten können. "Aber als Rektor konnte ich mitbestimmen." Weil er Musiker sei, habe er zum Beispiel eine Schulspielgruppe zu einer Musiktheater-Truppe ausgebaut. Als Konrektor an der Hauptschule Tirschenreuth hat Preisinger die Klasse F10 zum Erreichen der Mittleren Reife eingeführt.

Über Jahrzehnte hinweg hat Peter Preisinger große Veränderungen in der Schullandschaft miterlebt. So "schrumpfte" die Erbendorfer Grund- und Mittelschule als zweitgrößte im Landkreis von 560 auf aktuell 300 Schüler. Preisinger hat Partnerschaften mit tschechischen Schulen gegründet und eine Partnerschaft der Erbendorfer Schule mit dem Institut für Fachlehrerausbildung in Bayreuth angeleiert. "Jährlich hospitieren hier bis zu 50 Studenten", berichtet Preisinger stolz. Unter seiner Federführung wurden vor Ort die flexible Grundschule, die gebundenen Ganztagsklassen und die offene Ganztagsschule eingeführt. Für den erfahrenen Pädagogen sind diese Neuerungen die Zukunft der Bildungseinrichtungen.

Auf die Frage nach seinem Führungsstil bezeichnet sich Preisinger als strenger Lehrer und Schulleiter. Er habe seinen Schülern stets anständiges Benehmen, Pünktlichkeit, Disziplin und Ehrlichkeit abverlangt. Gleichzeitig aber sei es ihm wichtig, jedem Schüler Wertschätzung entgegenzubringen. Großes Glück habe er sein ganzes Berufsleben lang mit netten Kollegen gehabt. "Und netten Schülern", fügt er an. Auf dem Land seien die Schulen Traumwelten, zieht Preisinger den Vergleich mit Großstadtschulen. Über die Eltern sagt er, dass diese aufgeschlossener und aufmerksamer den Schulen gegenüber geworden seien. "Sucht euch Berufe, die euren Begabungen entsprechen und die euch Spaß machen. Geld ist nicht wichtig", gibt er seinen Schülern als Ratschlag mit. Seine Kollegen lässt er wissen, dass Lehrer "der schönste Beruf der Welt" sei. Für die Zukunft wünscht er sich die Gleichbehandlung von Lehrern an Grund- und Mittelschulen und Lehrern an weiterführenden Schulen.

In seiner neu gewonnenen Freizeit wolle er sich noch stärker beim Sportkegelclub Bavaria Fortuna Waldsassen einbringen, den er als Vorsitzender führt. Weiter engagieren wolle er sich als Mitglied des Kreisverbands der Europa-Union. Mit seiner Frau Andrea werde er viel unternehmen, etwa Radtouren nach Tschechien oder zu Freunden. Und er freue sich bereits darauf, nun seinen besten Freund in Spanien öfter besuchen zu können.

Preisingers Nachfolge an der Grund- und Mittelschule übernimmt Sabine Graser, die jetzige Rektorin der Mittelschule Ebnath.

Information:

Zur Person

Peter Preisinger, Jahrgang 1955, schlug nach dem Abitur am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth bei der Bundeswehr in Oberviechtach die Offizierslaufbahn ein. Nach dem Lehramtsstudium in Regensburg kam er 1980 als Lehramtsanwärter an die Hauptschule Waldsassen. Ab 1983 war Preisinger zwei Jahre an der Sondervolksschule Garmisch-Partenkirchen tätig, 1985 wurde er an die Hauptschule Waldsassen zurückversetzt. Nach fünf Jahren als Konrektor an der Hauptschule Tirschenreuth wechselte Preisinger im Jahr 2000 als Rektor an die Volksschule Waldershof. Dort rief er eine Schulpartnerschaft mit Marienbad ins Leben. 2008 übernahm er die Leitung der Grund- und Mittelschule Erbendorf. Hier gründete Preisinger ebenfalls eine Schulpartnerschaft mit Marienbad und auch mit Bezdruzice, baute die Trommlerprojektgruppe "Stomp" auf und ging Partnerschaften mit der Altenpflegeschule Erbendorf sowie dem Institut für Fachlehrerausbildung in Bayreuth ein. Preisinger war Leiter des Grundschulchors und führte den Frühsport in der Schule ein.

Als „Goldstücke“ bezeichnet Peter Preisinger seine Konrektorin Beate Koch (rechts) und seine Sekretärin Manuela Meyer-Dorn.
Peter Preisinger (Mitte) hat an seinen Schulen immer darauf geachtet, den Kindern und Jugendlichen auch die Musik näher zu bringen. Besonders stolz ist er auf sein jüngstes Musikprojekt. „Stomp“ sind junge Leute aus der Erbendorfer Mittelschule, die auf ungewöhnlichen „Instrumenten“ wie etwa Mülltonnen Heavy-Metal-Musik machen.

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