26.03.2020 - 15:57 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Alkohol gegen Corona: Brennerei Schraml beliefert Apotheken

Weil Desinfektionsmittel knapp ist, sind nun die Schnapsbrennereien gefragt. Sie beliefern seit kurzem Apotheken und Kliniken in der Region literweise mit Neutralalkohol. Involviert ist auch die Steinwald-Brennerei Schraml aus Erbendorf.

Anstatt Whisky, Gin oder Obstbrände stellt Gregor Schraml in seiner Steinwald-Brennerei in Erbendorf aktuell Neutralalkohol her. Damit können Apotheken und Kliniken selbst Desinfektionsmittel herstellen.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Apotheken und Kliniken gehen die Vorräte an Desinfektionsmitteln aus. Unterstützung bekommen sie deshalb von Schnapsbrennereien. Mit dem Alkohol können die Einrichtungen selbst Desinfektionsmittel herstellen. In großem Maße in die Aktion involviert ist die Schnapsbrennerei Schraml aus Erbendorf. Geschäftsführer Gregor Schraml und sein Team stellen derzeit die Produktion um. Anstelle von Obstbränden, Likören und Whiskey wird nun Neutralalkohol hergestellt. "Wir versuchen, das in Windeseile umzusetzen", sagt Gregor Schraml. Schon in den vergangenen Wochen erreichten den Geschäftsführer zahlreiche Anrufe von Apotheken aus der Region und schließlich auch eine Anfrage der Corona-Krisenstäbe der Landratsämter Neustadt/WN und Tirschenreuth.

Jetzt genau das Gegenteil machen

"Für uns ist das schon ein Kraftakt", erläutert Schraml. Denn er muss für die Herstellung von 80-prozentigem Ethanol einen Großteil der Produktion umstellen. Spezialisiert auf Whiskey, Bierbrand und Gin sowie Brände und Liköre ist die Brennerei in Erbendorf darauf ausgelegt, möglichst viel Aroma und Geschmack aus den einzelnen Zutaten herauszuholen. "Bei Neutralalkohol ist das genau umgekehrt", betont Schraml. "Wir probieren gerade verschiedene Rohstoffe aus, zum Beispiel Getreide und Kartoffeln", erklärt der 45-Jährige. Jeder einzelne Arbeitsschritt müsse nun anders ausgeführt werden.

Auch wenn für die Herstellung von Neutralalkohol eigentlich anderes Equipment nötig wäre als jenes in der Erbendorfer Destillerie, kann Schraml umdisponieren. „Ein kleinerer Betrieb würde sich schwerer tun“, weiß der Geschäftsführer, der die Brennerei in der sechsten Generation führt. Und obwohl die Produktion umgestellt werde, seien noch genügend Kapazitäten für die Herstellung eigener Produkte da.

Bald 400 Liter am Tag

„Diese Woche gehen die ersten 1000 Liter raus“, sagt der Geschäftsführer. Aktuell laufe die Produktion des 80-prozentigen Ethanols noch nebenbei. „Wenn das erst einmal richtig Fahrt aufnimmt, schaffen wir 400 Liter am Tag“, schätzt Schraml die Kapazitäten seiner Brennerei. Unsicher sei noch, wie viel Neutralalkohol die Steinwald-Brennerei, in der nördlichen Oberpfalz der größte Betrieb dieser Art, bereitstellen muss. Beliefert werden vorwiegend Apotheken und Kliniken in der Region. Dazu kommt: „Es muss jetzt alles furchtbar schnell gehen.“ Bei den Telefonaten mit den Apotheken hat Schraml schnell gemerkt: „Die Not ist offensichtlich sehr groß. Die Apotheken sitzen auf dem Trockenen und treiben keinen Tropfen Alkohol mehr auf, um Desinfektionsmittel zu mischen.“

Neben der ganzen Umstellung ist der Betrieb auch von krankheitsbedingten Ausfällen betroffen. Zu allem Übel kommt, dass die tschechische Regierung die Grenze nun auch für viele Berufspendler schließt. Unter den 13 Mitarbeitern im Familienbetrieb sind einige tschechische Fachkräfte. Schraml berichtet, dass auch der Brennerei in Coronazeiten Kundenstrukturen wegbrechen. Trotz der Sorgen sagt er: „Wir geben unser Bestes.“ Den Prozess für die Herstellung von Neutralalkohol wollen er und sein Team noch weiterentwickeln und optimieren.

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Kommentare

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Stefan Rodan

Habt ihr auch mal nach dem Preis gefragt?

26.03.2020