14.08.2018 - 18:39 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Alle Verkehrsteilnehmer Gewinner

„Ein guter Kompromiss, der hier geschlossen werden konnte“, betont Staatssekretär Josef Zellmeier beim symbolischen Spatenstich zum Ausbau der B 299 am Hessenreuther Berg. Im September ist Baubeginn des ersten Teilstücks.

Spatenstich zum Ausbau der B 299 am Hessenreuther Berg mit (von links) Regierungspräsident Axel Bartels, Bundestagsabgeordnetem Albert Rupprecht, Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß, Staatssekretär Josef Zellmeier, Landrat Wolfgang Lippert, Erbendorfs zweitem Bürgermeister Johannes Reger, stellvertretendem Landrat Albert Nickl aus Neustadt/Waldnaab, Pressaths Rathauschef Werner Walberer und Bauamtsleiter Henner Wasmuth.
von Jochen NeumannProfil

(njn) Mit zahlreichen Ehrengästen nahm Josef Zellmeier, Staatssekretär im Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, am Kreuzstein den symbolischen Spatenstich vor. Dass das gerade für die Erbendorfer etwas Besonderes war, zeigte sich auch an der musikalischen Begleitung durch den evangelischen Posaunenchor.

„Wir haben Sie gebraucht“, sagte Henner Wasmuth, Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach, in Richtung des Bundestagsabgeordneten Albert Rupprecht. „Denn Sie haben mitgeholfen, einen geschickten Weg zu finden, um die finanziellen Mittel in den Haushalt einzustellen.“ Auch habe Rupprecht das Bauamt bei der Planung unterstützt. Wasmuths Dankesworte galten auch Landtagsabgeordnetem Tobias Reiß und Landrat Wolfgang Lippert für „seinen gelungenen Moderationsversuch“. „Damit konnte die Akzeptanz des Ausbaus in der Öffentlichkeit herbeigeführt werden.“ Namentlich nannte der Behördenchef auch Anlieger Johannes von Hippel, für den es wirtschaftlich und emotional nicht einfach gewesen sei. „Aber Sie haben Wort gehalten.“

„Bei der Planung der Ausbaustrecke sind wir an die äußersten Grenzen unserer Sicherheitsrichtwerte gegangen“, stellte Wasmuth fest. Ein Kompromiss kenne keine Gewinner und Verlierer. Der Verein für Landespflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) sowie der Bund Naturschutz hätten „keine Fundamentalopposition“ betrieben. „Wir sind miteinander ins Gespräch gekommen und haben mit dieser Moderation auch Vertrauen aufbauen können.“

Allerdings blieb VLAB-Vorsitzender Johannes Bradtka der Zeremonie am Dienstag fern. „Der Ausbau einer Bundesstraße und der damit verbundene Eingriff in die Landschaft und Natur ist für uns kein wirklicher Grund zum Feiern“, ließ er verlauten.

Wie Wasmuth weiter ausführte, werden die Arbeiten die Baufirmen Dankerl aus Cham und Wilhelm Bauer aus Erbendorf ausführen. Als einen „Durchbruch“ bezeichnete er die Vereinbarung mit der Stadt Erbendorf, die im Zuge der Baumaßnahme die Wasserleitungsverlegung übernimmt. „Somit erhalten die Ortsteile Aschenhof und Eppenhof eine sichere Wasserversorgung.“

„Entwicklung im ländlichen Raum ist Infrastruktur“, betonte Zellmeier. Ein wichtiges Projekt sei hier die B 299, für deren Ausbau gut 20 Millionen Euro verwendet werden. „Auch wenn die Verkehrszahlen nicht so hoch sind, ist die B 299 eine wichtige Spange zwischen der A 6 und der A 93.“ Mit der B 470 sei sie eine wichtige Anbindung an die A 9. Die Maßnahme schließe die Ausbaulücke am Hessenreuther Berg. „Höhenunterschiede von 160 Metern, 14 Prozent Gefälle und eine Fahrbahnbreite von nur fünf Metern führt zu vielen Unfällen.“ Die Unfallhäufigkeit liege rund fünf Mal höher. All das gehöre bald der Vergangenheit an.

„Wir nehmen Rücksicht auf Mensch und Natur“, fuhr der Redner fort. Unter anderem entstehe eine 50 Meter breite Faunabrücke, erst die zweite nach einer noch im Bau befindlichen Vorrichtung bei Vilshofen. Zellmeier hoffte, dass diese ihre Wirkung entfalte und Maßstab sei, um Konflikte zwischen Naturschutz und Bauverwaltung zu begrenzen.

Zum Ausbau selbst sagte der Staatssekretär, dass in einem ersten Bauabschnitt rund zwei Kilometer Straße von Erbendorf bis zum Hessenreuther Berg gebaut werden. In einem zweiten Schritt werden vier Brücken, inklusive Faunabrücke, errichtet. Dann erfolge ein weiterer drei Kilometer langer Straßenausbau. „Die Fertigstellung wird im Jahr 2021 sein.“ Entlang der gesamten Ausbautrasse entstehe zudem ein Radweg. „Damit werden alle Verkehrsteilnehmer zu Gewinnern dieser Ausbaumaßnahme.“

Als einen großen Schritt zur Verbesserung der Infrastruktur bezeichnete Landrat Wolfgang Lippert den Ausbau des Hessenreuther Bergs. „Nach fast 40 Jahren haben wir ein abgeschlossenes Verfahren.“ Nun bestehe die Aussicht, „im Winter ohne Bedenken über den Hessenreuther Berg zu kommen und dass damit auch ein Unfallschwerpunkt beseitigt wird“. Pressath und Erbendorf werden besser verbunden.

Erbendorfs zweiter Bürgermeister Johannes Reger bezeichnete den Hessenreuther Berg derzeit als „psychologische Hemmschwelle Richtung Westen.“ Viele Pendler nutzten die Straße, sei es von Erbendorf Richtung Grafenwöhr, Pressath und Eschenbach, aber auch umgekehrt. „Nach dem Ausbau profitieren gerade sie von einer sicheren Verbindung.“ Besonders hob Reger hervor, dass mit dem Ausbau die Ortsteile Eppenhof und Aschenhof an die städtische Wasserversorgung angeschlossen werden können. Bei den Anwohnern warb er um Verständnis für den Baulärm.

Henner Wasmuth, Leiter des Staatlichen Bauamts Amberg-Sulzbach (rechts), spricht von einem Kompromiss, der zusammen mit dem Naturschützern gefunden worden sei.
Staatssekretär Josef Zellmeier.
Spatenstich zum Ausbau der B 299 am Hessenreuther Berg.
Spatenstich zum Ausbau der B 299 am Hessenreuther Berg.
Landrat Wolfgang Lippert bei seinem Grußwort.

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