"In jeder Diözese Deutschlands ist die Charismatische Erneuerung (CE) vertreten", erklärt Katrin Oppitz aus Erbendorf. Sie wurde im Juli vergangenen Jahres zur ersten Sprecherin der CE im Bistum Regensburg gewählt. "Ich habe erst mal gar nichts davon gewusst. Viele Menschen aus der Gemeinschaft sprachen mich an: 'Gehst du zur Wahl?' Dann bin ich dorthin und habe mich von Gott zu diesem Amt berufen gefühlt." Seit ihrem 15. Lebensjahr ist sie in der Charismatischen Erneuerung. Als Jugendliche suchte sie Halt und Stabilität. In einem Kurs der CE fand sie, was sie suchte und wurde Mitglied in der katholischen Aufbruchbewegung. "Für mich hat das eingeschlagen wie eine Bombe."
Ihren Mann Jörg lernte sie durch die CE kennen und lieben. Das Ehepaar mit zwei Kindern kommt ursprünglich aus Floss, fand seine Heimat in einem Einfamilienhaus in Erbendorf. "Seit sieben Jahren führen wir hier einen Hausgebetskreis mit acht Mitgliedern und leiten in einer gemütlichen Wohnzimmeratmosphäre Anbetungen." Auch Gäste sind jederzeit willkommen. Regelmäßig schaut Pfarrer Martin Besold vorbei. Im Gegenzug bringt sich der Gebetskreis auch in der Kirche bei Anbetungen oder Rosenkränzen mit ein. Im Landkreis Tirschenreuth gibt es noch einen Hausgebetskreis in Pullenreuth mit ebenfalls acht Mitgliedern sowie einen in Neusorg mit vier Mitgliedern.
In der Diözese Regensburg sei die CE noch in den Anfängen. "Oft werde ich gefragt: Was ist das eigentlich?", sagt Oppitz. Die CE, so erklärt die Sprecherin, ist eine Art Dachverband. In ihr vernetzen sich verschiedene Gemeinschaften und Gebetskreise. Aktuell sind 30 Gebetskreise in der Diözese Regensburg organisiert. "Zu uns gehören zwei wichtige Gemeinschaften. Das ist Familie mit Christus in Landshut sowie das katholische Evangelisationswerk in Regensburg. Aus letzter komme ich raus", informiert die 41-Jährige. "Bisher ist das noch wenig. Das wollen wir ändern." In der nördlichen Oberpfalz seien die Leute stark auf die Pfarrei bezogen. "Die Menschen schauen wenig über den Tellerrand." Jedoch sei ein deutliches Interesse an der charismatischen Erneuerung spürbar.
So gestaltet Oppitz aktuell im Haus Johannisthal in Windischeschenbach Gottesdienste, Brautleutetage, Familienwochenenden und Seminare. "Momentan mache ich den Glaubenskurs 'Leben aus der Kraft des Heiligen Geistes', der an sieben Terminen stattfindet." Dabei geht es um die Ergründung verschiedener spiritueller Glaubensfragen, die etwa lauten: "Wie kann ich Gott erfahren?", "Was hat Jesus für uns getan?" oder "Was will der Heilige Geist in meinem Leben tun?" Bei der ersten Veranstaltung dachte Oppitz, dass vielleicht 15 Besucher kommen werden. "Stattdessen waren es mehr als doppelt so viel."
Das Gebet gestalten die Vertreter mit dem sogenannten Lobpreis. "Das sind keine Kirchenlieder im herkömmlichen Sinne. Es sind moderne Texte, begleitet mit rhythmischer und schwungvoller Musik." Mit dabei sind immer Instrumente wie Gitarre, Klavier oder Schlagzeug. "Der Lobpreis kann helfen, besser in die Anbetung zu finden." Die CE möchte Gläubige dazu motivieren, selbst aktiv zu werden. "Die Erneuerung soll in den einzelnen Pfarreien beginnen. Wir wollen dort die Leute unterstützen, dass sie ihren Glauben vertiefen können."
Für Oppitz gehört der Glaube zum Alltag dazu. In ihrem Amt als Sprecherin der CE versucht sie, die Gebetskreise der Diözese Regensburg mehr zu vernetzen. "Ich möchte auch alle Gebetskreise kennenlernen und besuchen." Zudem koordiniert sie überregionale Treffen zwischen den Kreisen. "Ich gestalte auch den Diözesantag, da kommen alle zusammen." Des Weiteren organisiert Oppitz Tagesfahrten. "Anfang März machen wir eine Busfahrt nach Augsburg. Hier empfängt uns Missionar Johannes Hartl, der auch das Buch 'Mission Manifest' schrieb." Hilfe bekommt Oppitz von Pfarrvikar Markus Hochheimer aus Waldsassen, er ist der zweite Sprecher der CE in der Diözese Regensburg, sowie von der dritten Sprecherin Irmgard Hilmer aus Rinkam bei Atting.
Die Bewegung versucht auch Krisen in der katholischen Kirche entgegenzuwirken. "Wir sind offen gegenüber Homosexuellen. Wir nehmen alle Menschen - so wie sie sind - in unserer Mitte auf." Die größte Krise der katholischen Kirche seien wohl die Missbrauchsvorwürfe gegenüber Priestern auf der ganzen Welt. "Wir sprechen und helfen Geistlichen, die nichts damit zu tun haben. Sie werden stark mit Vorwürfen und Vorurteilen konfrontiert." Was Kirchenaustritte betrifft, betont Oppitz: "Das sind Leute, die nichts mit dem Glauben zu tun haben wollen. Wir gehen davon aus, dass man nicht alleine Glauben kann, sondern eine Gemeinschaft braucht. Dafür sind wir da."
Charismatische Erneuerung
Seit dem Ende der 1960er Jahre ist die Bewegung der Charismatischen Erneuerung in der katholischen Kirche aktiv. In Deutschland gibt es 12.000 Katholiken aller Altersgruppen in etwa 500 Gebetsgruppen, Hauskreisen und neuen geistlichen Gemeinschaften. Weltweit hat die Charismatische Erneuerung 120 Millionen Mitglieder. Es ist eine offene Bewegung, ohne formelle Mitgliedschaft. (lue)













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