13.06.2021 - 10:53 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ausgeglichene Lebensverhältnisse im Landkreis Tirschenreuth

Als eins von drei Projekten deutschlandweit stellte die Steinwald-Allianz bei einer zweitägigen Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing den Mobilen Dorfladen vor. Thema des Seminars war die Nahversorgung im ländlichen Raum.

Das überregionale Interesse am Projekt Mobiler Dorfladen bleibt groß. Die Einschränkungen der Corona Pandemie müssen auch im täglichen Arbeitsablauf weiter beachtet werden.
von Jochen NeumannProfil

Ob Sehnsuchtsort als Urlaubsidylle oder Lebens- wie Arbeitsraum: Mit ländlichen Räumen sind verschiedene Erwartungen verbunden. In der Öffentlichkeit entsteht dabei häufig der Eindruck, dass das Land hinter den Städten hinterherhinkt. Gleichzeitig werden in Städten aber wesentliche Bereiche der Daseinsvorsorge immer drängender.

Wissenschaftliche Vermessung

In der Online-Tagung der Evangelischen Akademie Tutzing beleuchtete Annett Steinführer vom Thünen-Institut für Ländliche Räume in Braunschweig die wissenschaftliche Vermessung von Lebenszufriedenheit und gleichwertigen Lebensverhältnissen. "Die Begriffe Glück, Zufriedenheit, Gerechtigkeit, Lebensqualität werden immer wieder in ähnlichen Zusammenhängen verwendet, sind aber unterschiedlich zu betrachten", sagte sie.

Denn die Daten darüber müssten mit Messmethoden aus der Sozialforschung erhoben werden. "Die Interpretation der Ergebnisse und daraus abgeleitete politische Entscheidungen sind deshalb nicht einfach zu treffen", sagte Steinführer. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumwesen hat die Ausprägung regionaler Lebensverhältnisse anhand von 23 Indikatoren wie Demografie, Wirtschaft, Wohnungsmarkt, erhoben. "Es lässt sich ein klarer Ost-West-Gegensatz in der Bundesrepublik erkennen." So werde der Landkreis Tirschenreuth mit "ausgeglichenen Lebensverhältnissen" dargestellt.

Die Antworten aus einer Bevölkerungsumfrage aus dem Jahr 2016, mit dem Titel "Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig mit Ihren Leben?", zeigen zwar einen erkennbaren Unterschied in West- und Ostdeutschland. Trotzdem lägen beide Werte zwischen 7 und 8 auf einer Skala zwischen 0 (gar nicht zufrieden) und 10 (ganz und gar zufrieden).

Gabi Troeger-Weiß von der TU Kaiserslautern ging auf Kooperationen, Netzwerke und Wertschöpfungsketten in der Daseinsvorsorge in ländlichen Räumen ein. Sie gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen und machte den Regionen Mut zum Aufbau und Erhalt kleiner dezentraler Strukturen. Interkommunale und regionale Ansätze könnten in der Daseinsversorgung einen Beitrag zur Gleichwertigkeit in ländlichen Räumen liefern.

Stopp in 40 Ortschaften

An drei Beispielen wurden Projekte in der BRD vorgestellt, die sich vor allem mit Nahversorgung beschäftigen. Eines war der Mobile Dorfladen der Steinwald-Allianz, den Vorsitzender Johannes Reger sowie Geschäftsführer Martin Schmid vorstellten. "Unser Mobiler Dorfladen besteht seit August 2018 und macht in 40 Ortschaften Halt", erklärte Schmid. "Wir haben das komplette Sortiment eines Dorfladens an Bord." Reger machte klar, dass Projekte dieser Art "keine Selbstläufer sind, sondern neben dem politischen Willen auch Strukturen wichtig" seien. Wenngleich es schwierig sei, Modellvorhaben in einen laufenden Betrieb zu überführen, sollten sie als Chancen für ländliche Räume betrachtet werden.

Mehr zur Steinwald-Allianz

Erbendorf
Die Tagungsteilnehmer diskutierten über Videokonferenz mit den Vortragenden Johannes Reger, Vorsitzender der Steinwald-Allianz und Martin Schmid, Geschäftsführer.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.