08.05.2020 - 09:56 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bienen halten sich nicht ans Versammlungsverbot

Sie sind in Massen unterwegs, halten sich nicht an Ausgangsbeschränkungen oder Versammlungsverbot. Die Rede ist von den Bienen. „Sie schwärmen zu Tausenden munter drauf los“, stellt der Erbendorfer Imkervorsitzender Klaus Schmidt fest.

Mit dem Schwärmen sind die die Bienen schon vor der Zeit. Kein Wunder, auch die Natur ist nach den Worten von Imkervorsitzenden Klaus Schmidt fünf Wochen voraus.
von Jochen NeumannProfil

Es ist Anfang Mai und bei den Honigbienen ist die Hölle los. "Aufgrund des milden Winters ist unsere Natur gut fünf Wochen voraus und entsprechend haben sich unsere Bienen entwickelt", weiß Klaus Schmidt, Vorsitzender des Imkervereins. "Schon im April waren die ersten Bienenschwärme unterwegs." Keine Spur von den Corona-Ausgangsbeschränkungen und Versammlungsverbot. "Sie schwärmen einfach drauf los."

"Ein Bienenschwarm ist ein faszinierendes Naturschauspiel", weiß Schmidt. Eine Wolke aus tausenden Bienen könne zwar auf den ersten Blick durchaus bedrohlich wirken, vor allem, wenn man an den Stachel der Insekten denkt. "Dennoch sind sie in der Regel keine Bedrohung, denn schwärmende Bienen sind besonders friedlich", bestätigt Schmidt.

Raum wird knapp

Bienen haben nach seinen Worten deshalb einen Drang zum Schwärmen, weil sie sich dadurch vermehren. "In Schwarmstimmung kommen Bienen beispielsweise, wenn das Volk so groß geworden ist, dass der verfügbare Raum knapp wird, und/oder wenn erste Bienen arbeitslos werden oder wenn auf eine sehr gute Pollentracht mit guter Brutentwicklung Nektarmangel folgt", erklärt Schmidt. Die Ursache für Nektarmangel könne zum Beispiel anhaltende Trockenheit sein, aber auch das Gegenteil bei anhaltenden Niederschlägen. "Dann fliegen die Bienen seltener aus."

Gerät ein Volk in Schwarmstimmung - meist im Mai oder Juni - baut es "Schwarmzellen". In diese deutlich größeren Zellen legt die Königin ein ganz normales, befruchtetes Ei wie in jede gewöhnliche Arbeiterinnenzelle. "Die daraus geschlüpfte Larve erhält jedoch von den Ammenbienen einen speziellen Futtersaft, den "Gelée royale", und eine intensivere Betreuung. Dadurch wird aus einer ganz gewöhnlichen Bienenlarve eine neue Königin", erklärt der Imkervorsitzende.

Königin auf Diät

"Während meist gleich in mehreren Schwarmzellen neue Königinnen herangezogen werden, wird die alte Königin auf Diät gesetzt." Denn erst dann werde sie "flugfähig". Steht die neue Bienenkönigin schließlich kurz vor dem Schlüpfen, zieht die alte Königin mit einem großen Teil der Bienen aus. "So kann ein Bienenschwarm leicht aus bis zu 20 000 Bienen bestehen", weiß Schmidt.

"Wer einem Schwarm begegnet, sollte durchaus versuchen, sich aus dem größten Gewusel herauszuhalten - schlicht, damit sich keine Insekten in der Kleidung oder im Haar verfangen", rät der Imkerfachmann. "Selbst das würde zwar höchstwahrscheinlich ohne Stich enden, solange man ruhig bleibt und das Insekt vorsichtig befreit; aber genau das dürfte den meisten nicht-imkernden Menschen in dieser Situation schwerfallen."

"Wer den Bienen einen Gefallen tun möchte, beobachtet, wo sich der Schwarm niederlässt, und ruft dann umgehend beim örtlichen Imkerverein an", bittet Schmidt. "Im Normalfall kommt dann ein Imker vorbei und fängt den Schwarm ein."

Schmidt verrät, wie das "Einfangen" vor sich geht: Dazu wird die Bienentraube zunächst mit etwas Wasser besprüht, damit die Bienen nicht auffliegen. Sitzt die Traube beispielsweise an einem gut zu erreichenden Platz, wird sie einfach in einen darunter gehaltenen Behälter geklopft oder mit dem Bienenbesen hinein gefegt. "An manche Plätze kommen aber auch Imker nicht mehr ran, das Unfall- und Verletzungsrisiko beim Schwarmfang wäre dann für den Imker zu groß", sagt er.

Zuflucht bei anderem Volk

"Honigbienen haben heute in der freien Natur kaum Chancen zu überleben", bedauert der Imkervorsitzende. Denn zum einen fänden sie kaum geeignete Behausungen wie einen hohlen Baumstamm. Zum anderen setze die Varroamilbe den Bienenvölkern arg zu. Dieser Parasit vermehrt sich ohne imkerliche Gegenmaßnahmen rasant und würde das Volk innerhalb weniger Monate zugrunde richten. "Bricht in der Folge ein Volk zusammen, versuchen etwaig verbleibende Bienen, bei einem anderen Volk Zuflucht zu finden", weiß Schmidt. "Dadurch steigt aber die Infektionsgefahr für alle Bienenvölker in der Umgebung."

Deshalb bittet der Imkerverein Erbendorf darum, herrenlose Bienenschwärme beim Imker-Vorsitzenden Klaus Schmidt, Telefon 09682/2682, zu melden.

Bienenschwärme sollen an Imkervorsitzenden Klaus Schmidt gemeldet werden.
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