04.12.2018 - 11:28 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Bildung ohne Hunger

Asante-Gründerin Christine Rottland macht in Erbendorf Urlaub. Eine Delegation aus Brand besucht sie anlässlich einer Spendenübergabe. Es wird eine interessante und unterhaltsame Stunde.

Anlässlich einer Spendenübergabe besuchten Pater Joy sowie Erika Doleschal und Ludwig König für den Missionsausschuss Brand Christine Rottland (links) in Erbendorf. Hier erklärte die Asante-Gründerin, wie große die Hilfe wirklich ist, die hinter der Spende von 500 Euro steckt.
von Bertram NoldProfil

Es hat 30 Grad über Null in Tiwi (Kenia) während Christine Rottland im Wohnzimmer ihrer Schwester Johanna Schirdewahn in Erbendorf sitzt und darum bittet, die Heizung weiter aufzudrehen. Kein Wunder. Christine Rottland lebt seit 20 Jahren in Kenia. An das raue Klima des Steinwalds muss sie sich erst wieder gewöhnen.

Ihre Geschichte erzählt sie auch dem Brander Ortspfarrer, Pater Joy Munduplackal, und den Vertretern des Missionsausschusses des Pfarrgemeinderats Brand, Erika Doleschal und Ludwig König. Mit zahlreichen fleißigen Helfern hat der Missionsausschuss wieder einmal eine Aktion initiiert. Großzügige Spender haben nicht nur den Geldbeutel, sondern auch die Herzen geöffnet, um viele Projekte in ärmeren Teilen der Welt zu unterstützen.

Den Urlaub von Christine Rottland nahmen die Brander wahr, um 500 Euro aus den jährlichen Einnahmen aus Aktionen zu übergeben. Die Asante-Gründerin bedankt sich herzlich und meint dazu: „Sie wissen, welch große Hilfe das bedeutet!“ Eigentlich nicht, denn die Kaufkraft in Kenia ist anders als in Deutschland und wird die Effektivität der Spende klar, wenn Frau Rottland erklärt: „500 Euro bedeuten einen Monat Mittagessen für 600 Schüler.“ Die Zahl der Schüler steigt, weil die Kinder in der Schule von Asante etwas zu essen bekommen. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich die Zahl verdoppelt.

Bildung aber ist ein Zauberwort, denn ohne Bildung verlieren nicht nur Kinder den Anschluss. Und da fehlt auch in Kenia der Computer nicht; ein Muss, will man nicht hinten dran sein und mit der reichen westlichen Welt mithalten. Das muss Ziel sein. Einfach ist es für die Kinder dennoch nicht, zur Schule zu gehen, auch wenn sie sich das wünschen. Da gibt es häusliche Pflichten zu erledigen wie Ziegen hüten und Wasser holen. Und das hat an manchen Tagen einfach Priorität. Dass sich Rottlands Arbeit und die ihrer Mitarbeiter lohnt, zeigt sich auch bald äußerlich: „Man sieht es den Kindern an, dass sie ordentliches Essen haben und dass es ihnen gutgeht.“

Nicht nur die Kinder, auch die Frauen – ziemlich rechtlos in Kenia – liegen Christine Rottland am Herzen, weshalb es eine eigene, vor ihr betreute Gruppe gibt. Unter ihnen finden sich auch viele Muslima, mit denen es keinerlei Probleme gibt. Selbstverständlich muss sich auch die „Christina Academy“ – als solche ist die Schule bekannt - an die Vorgaben der Regierung halten. Das bisherige Schulsystem, nach der Unabhängigkeit als britisches System weitergeführt, habe aber nicht mehr getaugt. Ein neu eingeführtes System lasse auf Besserung hoffen. Und da gibt es ein Highlight in Christina Rottlands Schaffen.

Gerade als sie 2016 in Berlin an der großen Spenden-Gala des Fernsehens teilnehmen durfte, erfuhr sie, dass die von ihr seit der Kindergartenzeit betreuten Schützlinge im Regierungsbezirk den besten Abschluss gemacht hatten. Natürlich darf da etwas Stolz mitschwingen: „Ich wäre an diesem Tag lieber bei meinen Kindern gewesen, um mit ihnen zu feiern als bei der Gala.“ Die aber hat sich auch gelohnt. Diese große Chance, im Fernsehen ein Projekt vorstellen zu können, habe einen großen Schub bedeutet.

20 Jahre ist Christine Rottland in Kenia und sie könnte stundenlang berichten: dass die Kriminalität wegen Arbeitslosigkeit und Beschäftigungslosigkeit steigt, dass Gottesdienste lang dauern und fröhlich singend und tanzend gefeiert werden, dass Kenia fest in den Händen von China ist. „Europa spielt in Kenia keine Rolle mehr!“

Langsam älter werdend, denkt Christine Rottland auch über die Zukunft nach. Die Entscheidung, ob sie ihren Lebensabend in Afrika verbringt oder in einem deutschen Seniorenheim ist noch nicht gefallen. In Deutschland fühlt sie sich nicht mehr richtig zu Hause. Das Leben hier habe Vorteile, doch das in Afrika hat mehr den Menschen im Blick. Das Vertrauen in ihre Mitarbeiter, dass es reibungslos weiter geht, hat sie, und ein tragendes Fundament hat sie auch geschaffen. Das Schicksal wird wohl mitentscheiden: „Mal sehen, was meine Gesundheit macht!“ Auf einen großen Dank für ihr Engagement muss sie dann nicht warten, den erhält sie heute schon täglich: „Asante sana – Vielen Dank.“

Asante e. V.:

Christine Rottland war mit ihrem nun bereits verstorbenen Mann 1998 in Kenia, um dem deutschen Winter zu entfliehen. Das Leben hat sich anders entwickelt. Die Rottlands bauten ein Haus in Tiwi am Indischen Ozean, 20 Kilometer südlich von Mombasa. Die meisten der Bewohner sind Analphabeten, deshalb war die Arbeitslosigkeit hoch. Im Laufe der Jahre erfuhr sie durch ihre Nachbarschaft immer deutlicher, was Leben unterhalb der Armutsgrenze bedeutet. Sie lernte die Sprache und so eröffnete sich der Zugang zur Kultur der Menschen, die ihr auch ihre Armut zeigten. So entstand einige Jahre später „Asante e.V.“, eine Organisation, die Menschen hilft, ihrer Not zu entfliehen; und das in einem Land mit einer korrupten Regierung, die die Gesellschaft in Superreiche, eine kleine Mittelschicht und eine riesengroße Schicht an Armen spaltet, von denen viele unter dem Existenzminimum leben. Heute hat Asante e.V. 400 Mitglieder.

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