07.02.2019 - 14:30 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ein Brand verändert die Stadt

Vor zehn Jahren verändert ein Großbrand die Stadt Erbendorf. Damals stand die Stadthalle in der Jahnstraße in Flammen. Ausgerechnet vor dem großen Stadtjubiläum, bei dem die Halle ein zentraler Ort der Feierlichkeiten sein sollte.

von Jochen NeumannProfil

Von der alten Stadthalle ist heute nichts mehr zu sehen. An ihrer Stelle in der Jahnstraße steht jetzt das Gebäude des betreuten Wohnens. Für die Stadt Erbendorf fiel der Stadthallenbrand am 7. Februar 2009 in eine ungünstige Zeit. Denn das Jubiläumsjahr zur 900-jährigen Ersterwähnung der Stadt hatte damals eben erst begonnen. Zahlreiche Veranstaltungen waren dort geplant.

Am Samstagmorgen, 7. Februar 2009, ging um 6.30 Uhr die Meldung von Pächter Safet Chousin wegen einer Rauchentwicklung in der Stadthalle bei der Einsatzstelle ein. Die Feuerwehr Erbendorf, das Feuerwehrhaus ist nur wenige Meter entfernt, war sofort zur Stelle und begann mit Atemschutzgerät, den Brandherd zu lokalisieren. Als das Ausmaß des Brandes im Saal und auf der Bühne dank der Wärmebildkamera ersichtlich wurde, folgte eine Großalarmierung.

Dabei stand die Personenrettung an erster Stelle. So retteten die Feuerwehrler die Ehefrau des Pächters, die Tochter und die Schwiegermutter, die sich noch in der Pächterwohnung oberhalb der Gaststätte aufhielten. Sie wurden wegen einer möglichen Rauchvergiftung vorsorglich ins Kreiskrankenhaus Kemnath gebracht. Während des Einsatzes verletzte sich bei der Brandbekämpfung ein Feuerwehrmann, der zur Behandlung ebenfalls nach Kemnath eingeliefert werden musste. Anwohner wurden aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen. Ängste bestanden, dass bei einer eventuellen Ausweitung des Brandes auf den Dachstuhl der Stadthalle die angrenzenden Wohngebäude in der Turngartenstraße sowie das Caritas-Altenheim in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. Um den Wasserbedarf zu decken, wurde neben den städtischen Hydranten das Freibad "angezapft". Insgesamt 250 Feuerwehrleute aus 16 Wehren sowie eine Vielzahl von Rettungsmannschaften des BRK waren vor Ort. Einsatzleiter und Kommandant der Feuerwehr Erbendorf, Bernhard Schmidt, konnte gegen 8.45 Uhr den Einsatz für beendet erklären.

Zwar konnte ein Übergreifen der Flammen auf die Gastwirtschaft, die Küche sowie die oben liegende Wohnung verhindert werden. Doch der Saal war zerstört. Damals belief sich der Schaden auf 1,5 Millionen Euro. Der Betrieb der Gastwirtschaft lief weiter, bis zur großen "Abriss-Party" im März 2011. Dann wurde die Stadthalle dem Erdboden gleichgemacht.

"Der Brand war ein verheerendes Unglück", erinnert sich Bürgermeister Hans Donko. "Gottseidank konnte durch das beherzte Eingreifen von Feuerwehr und BRK schlimmeres verhindert werden." Bedauerlich sei vor allem gewesen, dass in Folge des Brandunglücks im Festjahr der Stadt zahlreiche geplante Veranstaltungen anderweitig organisiert werden mussten. "Im Nachhinein gesehen hat sich für uns eine neue Hallensituation ergeben", merkt der Bürgermeister an. Denn die Versicherungsleistung war der Grundstock für den Neubau der Stadthalle in der Bahnhofstraße. "Festzustellen bleibt noch, dass die Brandursache ein technischer Defekt war."

Die abgebrannte Stadthalle war im Jahre 1921 als Turnhalle durch den Turnverein, den heutigen TSV Erbendorf, erbaut worden, um einen geregelten Turnbetrieb zu ermöglichen. Denn bis zum Bau des Gebäudes war der Verein gezwungen, seine Turnstunden in den verschiedensten Sälen von Gasthäusern, unter anderem im Steinhauser-Keller, im Gasthof "Zur Hetsche" oder im ehemaligen Gasthof "Zum Frühlingsgarten" abzuhalten. Der Turnsaal zählte nach Zeitungsberichten "zu einer der schönsten Hallen in der ganzen Oberpfalz". Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs schlief jedoch jede sportliche Aktivität des Turnvereins ein. Auch war es dadurch der Führung des Vereins nicht mehr möglich, den Betrieb der Halle aufrecht zu erhalten. Während der Kriegsjahre ging sie in das Eigentum der Stadt über.

Mit der Gründung des Turn- und Sportvereins 1946 kehrte wieder sportliches Leben in die Turnhalle ein. In den 50er- und 60er-Jahren verdrängten mehr und mehr sogenannte "Vergnügungsveranstaltungen" den Sportbetrieb aus der Halle. Schließlich kam es zum Bau der Turnhalle an der Volksschule.

In den Jahren 1975/76 erfolgten umfangreiche Renovierungsmaßnahmen und Erweiterungen, wie der Bau einer Kegelbahn sowie eines weiteren Gastraums mit Terrasse. Seit dieser Zeit trug die Turnhalle offiziell die Bezeichnung "Stadthalle". Nach dem Brand im Februar 2009 erfolgte gut zwei Jahre später im März 2011 der Abriss des Gebäudekomplexes. Auf dem Stadthallenareal zwischen Jahnstraße und Turngartenstraße errichtete im Jahr 2011 das Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerk (KWS) der Diözese Regensburg Mietwohnungen im Rahmen des Betreuten Wohnens.

Die Stadthalle wurde nach kontroversen und teils heftigen Diskussionen unter der Bürgerschaft (sogar ein Bürgerentscheid stand im Raum) schließlich im Stadtpark von der Steinwald-Gastro-Bau-und-Betriebs-GmbH neu errichtet. Die großen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr wurden in die Turnhalle verlegt. Der frühere Pächter der Stadthalle, Safet Chousin, hat unweit der Stadthalle nun sein eigenes Lokal, das griechische Restaurant "Taverne Athen".

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