17.07.2020 - 09:49 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Buden und Bräugasse bleiben heuer leer

Auf dieses Wochenende haben sich wohl schon viele Erbendorfer gefreut: Wegen Corona fällt das Bürgerfest heuer aus. Haben die Verantwortlichen und Organisatoren ein Alternativprogramm?

von Carolin BöcklProfil

Am dritten Samstag im Juli ist in der Erbendorfer Bräugasse üblicherweise für Fahrzeuge kein Durchkommen. Die halbe Stadt ist auf den Beinen, Musik und Essensdüfte ziehen durch die Straßen. Denn mit dem feierlichen Einzug der Vereine, der Kinder und der Stadträte samt Pfalzgräfin durch das große Tor würde am Samstagnachmittag um 15 Uhr das 22. Erbendorfer Bürgerfest beginnen - würde. Wie auch viele andere Veranstaltungen fällt das Erbendorfer Traditionsfest heuer aus.

Ruhe und Erholung

Carolin Böckl von der Stadtverwaltung hat im vergangenen Jahr das Bürgerfest hauptsächlich organisiert. Auf die Frage, was sie an diesem Wochenende macht, sagt sie: "Die Ruhe genießen." Nicht allerdings ohne ein bisschen Wehmut, schließlich sei es schon schade, dass das Fest ausfällt. "Normalerweis wäre ich schon ab heute Nachmittag im Einsatz", erzählt sie am Freitagmorgen. "Und dann 24 Stunden lang." Mit Blick auf das erzwungenermaßen veranstaltungsfreie Wochenende werde sie "durchatmen, das tut auch mal gut". Das Wetter werde sie im Liegestuhl genießen und sich ausruhen.

Mit Vereinen und Kapellen, die die Stadt für das Fest schon unter Vertrag hatte, habe es keine Probleme gegeben. "Die Musiker haben schon damit gerechnet, überrascht waren sie von der Absage nicht." Nächstes Jahr soll das Bürgerfest dann wieder über die Bühne gehen - "wenn es die Lage bis dahin wieder erlaubt", schiebt Carolin Böckl noch nach.

Bürgermeister Johannes Reger hat seiner Premiere beim Bieranstich schon entgegengefiebert. Er hat für das Bürgerfest ehemalige Studienkollegen eingeladen, "die kommen aber jetzt trotzdem", erzählt der Rathauschef. "Wir werden uns Erbendorf ansehen, was die Stadt zu bieten hat", verrät er. "Das Wochenende ist also quasi trotzdem ausgebucht." Eine Gruppe von 13 Leuten rund um Reger macht sich am Wochenende auf, den Steinwald zu erkunden.

Leicht sei die Entscheidung nicht gefallen, das Bürgerfest abzusagen. Im Stadtrat habe man dann gemeinsam beschlossen, die Veranstaltung zu streichen. Denn: "Das Bürgerfest lebt schon vom Gedränge", weiß Reger.

Die Anfänge des Bürgerfestes liegen im Jahr 1999. Als der Josef-Höser-Kreis sein kleines Stadtfest nicht mehr halten wollte, sprang die Stadt Erbendorf ein, gründete einen Festausschuss und verlegte das Fest vom Unteren Markt in die Bräugasse. Mittlerweile hat sich das Bürgerfest auf die gesamte Bräugasse samt der angrenzenden Plätze ausgedehnt.

Schönes Wetter dank Donko

Die Stadt hat keinen großen zentralen Marktplatz, der für Feste verwendet werden kann. Stattdessen öffnen hier die Anwohner ihre Tore und Anwesen. Viele gebürtige und ehemalige Erbendorfer kommen eigens für das Fest wieder in die Heimat. Und auch mit dem Wetter hatten die Erbendorfer bisher fast jedes Jahr Glück.

Für den nötigen himmlischen Beistand sorgte der ehemalige Bürgermeister Hans Donko als langjähriger und treuer Altötting-Wallfahrer. "Wenn der Bürgermeister zu Pfingsten auf Wallfahrt geht, wird das Wetter schön" - so heißt es in Erbendorf.

Hinter den Feierlichkeiten steckt freilich viel Arbeit, der Planungsaufwand für diesen Tag ist enorm. Teilweise auf Jahre im Voraus werden Attraktionen, Zelte und Bands gebucht. Doch auch zahllose kleine Details müssen bedacht werden. Die Liste ist lang: Von der Barausstattung über Teller, Besteck, Seife, die Beschilderung bis zum Eisgutschein für das Loskind bei der Mitternachtsverslosung - die Menge an benötigtem Material füllt einen großen Raum.

Etwa ein halbes Jahr vor dem Fest beginnt die Personalplanung. 2019 waren etwa 40 Erbendorfer Vereine, Organisationen und Einrichtungen beteiligt, ohne deren tatkräftiges Engagement ein Fest dieser Größenordnung nicht zu stemmen wäre. Für jeden Krug Bier, für jede Bratwurst und jede aufgestellte Bank sind Helfer nötig. Die meisten davon sind seit vielen Jahren dabei und wissen bereits, was zu tun ist. Auch im Rathaus herrscht Hochbetrieb. Bis in die frühen Morgenstunden wird Geld gewechselt und gezählt, Marken verpackt und Semmelkörbe verteilt. Der städtische Bauhof ist etwa eine Woche vorher mit dem Aufbau und einige Tage danach mit dem Abbau beschäftigt.

Zusammenhalt

Eine der schönsten Aufgaben während der Vorbereitung ist der Einkauf der Süßigkeiten fürs Glücksrad und Torwandschießen. Heuer aber bleibt die Bräugasse leer, das Rathaus am Samstag verschlossen. Das Veranstaltungsverbot bedeutet für die Erbendorfer Bürger den Verzicht auf das Beisammensein, auf gemeinsames Feiern und Gespräche, aber auch eine wohlverdiente Verschnaufpause für die Vereine.

Ob das Bürgerfest im nächsten Jahr dann wieder wie gewohnt stattfinden kann, ist noch nicht bekannt. Reger ist zuversichtlich: "Wir Erbendorfer halten auch in schwierigen Zeiten zusammen."

Das Bürgerfest 2019

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