11.10.2018 - 17:10 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Druckerei Greitzke ist Vergangenheit

Nach dem Tod seines Vaters Kurt übernimmt der 25-jährige Ingo Greitzke das Familienunternehmen. Eigentlich will er den Betrieb in eine positive Zukunft führen. Doch das gelingt dem jungen Unternehmer nicht.

Die Druckerei Greitzke gibt es nicht mehr. Der ehemalige Firmeninhaber arbeitet nun für die Frischmann Druck und Medien GmbH.
von Lucia SeebauerProfil

"Wir haben die Firma abgemeldet", erklärte Ingo Greitzke auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. Über das Amtsgericht Weiden wiederum wird klar, dass der Firmeninhaber schon am 15. März Insolvenz beantragt hat. Das Verfahren wurde schließlich abgewiesen, wegen Mangels an Masse.

2016 Erweiterung

Seit 2010 war das Unternehmen im Gewerbepark der Stadt untergebracht. 2016 wurde ein Erweiterungsbau fertiggestellt. Seniorchef Kurt Greitzke, der im Dezember 2015 an einer schweren Erkrankung verstarb, erlebte diesen Moment nicht mehr. Nach ihm übernahm sein Sohn Ingo die Geschäftsführung des Betriebs.

Greitzkes Bestreben war es, das Erbe seines Vaters zu retten. Als die Probleme immer größer wurden, kontaktierte der 25-jährige Geschäftsinhaber Jürgen Frischmann von der gleichnamigen Druckerei in Amberg. "Er suchte einen Geschäftspartner", verriet Frischmann. "Ich habe mir die Situation in Erbendorf angesehen und festgestellt, dass es starke finanzielle Probleme gibt." Die Nachfolge sei für Ingo Greitzke einfach zu früh gekommen. Der junge Unternehmer sei zu diesem Zeitpunkt mit der Situation überfordert gewesen. "Ihm ist das alles über den Kopf gewachsen", erklärt Jürgen Frischmann, Geschäftsinhaber der Frischmann Druck und Medien GmbH in Amberg.

Die vorhandenen Druckmaschinen waren nicht mehr funktionsfähig. Frischmann: "Zum Schluss ging es Ingo um die Frage, ob es sich lohnen würde, eine neue Maschine anzuschaffen." Nach einem gemeinsamen Termin auf der Bank war klar, dass Greitzke sich bei einem Neukauf nur extrem verschulden würde. Als Frischmann die Situation überblickt hatte, riet er Greitzke, die Firma seines Vaters aufzulösen. "Mach lieber ein Ende, bevor es ein Schrecken ohne Ende wird", sagte er zu ihm.

Neustart ohne Altlast

Frischmann merkte schnell, dass Greitzke ungemein fleißig ist und notfalls auch locker 15 Stunden am Tag arbeitet. Doch es habe dem Unternehmen stark an wirtschaftlicher Erfahrung gefehlt. Inzwischen hat Frischmann Ingo Greitzke unter seine Fittiche genommen. "Seit Anfang August ist er bei uns angestellt." Er ist hauptsächlich in der Produktion tätig, betreut aber weiterhin Kunden aus Erbendorf. Wie geht es nun mit der Druckerei weiter? "Die Hallen und Maschinen werden verkauft", betonte Greitzke. Ein Gerichtsvollzieher hat den Wert der Gebäude bereits geschätzt. "Der Verkehrswert macht Hoffnung, dass die Familie einen Neustart ohne Altlasten machen kann", so Frischmann.

Er weiß, was die Übergabe eines Familienunternehmens bedeutet, da er selbst den Betrieb seines Vaters übernommen hat: "Ich bin zwar seit 2003 Geschäftsinhaber, doch erst 2015 war der Generationenwechsel. In der Zeit konnte ich Berufserfahrung sammeln." Diese Chance habe Greitzke bei der Übernahme nicht gehabt.

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