12.03.2021 - 11:55 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Der Erbendorfer André Zaus ist Herr über 800 Kilometer "weißes Gold"

Der Erbendorfer André Zaus ist Herr und Meister über die grenzüberschreitende Porzellanstraße. Zaus verwaltet als Vorsitzender des Vereins unzählige Porzellan-Schauorte voller Historie, Gegenwart und Zukunftsperspektiven.

Seit 2017 lenkt der 46-jährige André Zaus als Vorsitzender die Geschicke des Vereins Porzellanstraße. Sein größter Wunsch: Mehr Mitglieder aus den umliegenden Kommunen dafür gewinnen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Mit viel Leidenschaft im Blut für die ehemals stolze Porzellanindustrie setzt André Zaus regelmäßig neue Akzente, um die sogenannte Porzellanstraße in der Öffentlichkeit in Erinnerung zu bringen und touristisch zu vermarkten. Das ist sein Beruf: Der Verwaltungsleiter lenkt in Selb nicht nur die Geschicke des Porzellanmuseums. Der Wirkungskreis des "Verwalters von 800 Kilometern Straße" ist sogar grenzüberschreitend.

Die Porzellanstraße führt 550 Kilometer lang durch die Oberpfalz und Oberfranken. 300 Kilometer bis nach Karlsbad führen ins Nachbarland Tschechien. "Die Porzellanstraße kann erwandert, aber auch mit Wohnmobil, Auto oder Fahrrad erlebt werden", erklärt André Zaus diese touristisch regionale Besonderheit, die viele Gäste anlockt. Urlaub in Deutschland werde wegen Corona immer attraktiver, betont der 46-Jährige, der auch Vorsitzender des Vereins Porzellanstraße e.V. ist. Zu den 70 Mitgliedern, die er verwaltet, gehören noch in Betrieb befindliche Fabriken, Gastronomen, Hoteliers und Kommunen.

Kaum Fördergelder

André Zaus' Aufgabe ist es, die Straße am Leben zu erhalten auch an jenen Orten, an denen die Porzellanindustrie Vergangenheit ist. "Leider gibt es nicht groß Fördergelder, weil wir kein Zweckverband sind", sagt der Vorsitzende und zeigt auf ein Hinweisschild an der Ampel beim Rathaus. Gut 300 solcher Schilder, schätzt André Zaus, gebe es entlang der Porzellanstraße. "Sie müssen modernisiert werden. Kosten gut 70 000 Euro, was wir nicht haben." Ihn freut's, dass viele Kommunalverwaltungen wie der Landkreis oder die Städte Erbendorf und Mitterteich Mitglied sind. "Dafür gibt es vier kostenlose Auftritte unserer Porzellankönigin pro Jahr", wirbt André Zaus lachend mit einem attraktiven Vorteil und seiner Meinung nach der "Wunderwaffe" des Vereins für mehr Mitgliedschaft.

Leider ist Nicole I. wegen Corona zum Dornröschenschlaf verdammt. Sobald sie wieder "geweckt" werden kann, möchte André Zaus ihr zu einem neuen Image verhelfen. "Bierköniginnen zum Beispiel werden mit viel Pomp und Öffentlichkeitsarbeit vermarktet." Solch ein "Hofstaat" schwebt ihm auch für die Porzellankönigin vor. Angedacht ist ein überregionaler "Tag des Porzellans" mit für die Bevölkerung geöffneten Fabriken und der Königinnenwahl. Damit möchte der Vorsitzende die einheimische Bevölkerung für die Porzellanstraße und deren Attraktionen gewinnen.

Touristisch will sich André Zaus dem neuen Wohnmobil-Kult widmen. "Der deutsche Tourismus boomt. Die Leute entdecken ihr eigenes Land." Für die mobilen Urlauber biete sich die Porzellanstraße geradezu an. "Sie können 14 Tage auf den 800 Kilometern verbringen", so der 46-Jährige. Was er bedauert: Viele Kommunen seien nicht auf Wohnmobilplätze eingerichtet. "Die Urlauber fragen nach Stellplätzen und wir können ihnen nichts oder nur wenig anbieten." Der Verein kümmere sich gern um die Vermarktung dieses neuen Booms. "Aber die Kommunen müssen die Infrastruktur dafür schaffen."

"Die Porzellanstraße kann erwandert, aber auch mit Wohnmobil, Auto oder Fahrrad erlebt werden."

André Zaus über die Möglichkeiten, die Porzellanstraße kennenzulernen

Werbung um weitere Mitglieder

Wer die Porzellanstraße kennenlernen möchte, braucht nur in den 180-seitigen, dreisprachigen Reiseführer schauen. "Wir hatten 40 000 Exemplare, jetzt sind sie bald vergriffen", ist André Zaus stolz auf dieses professionelle Nachschlagwerk. Seit 2017 betreut er den Verein als Vorsitzender. Tourismus sei seine Leidenschaft, nennt er als Beweggründe zum Amt. Wozu auch Mitgliederwerbung gehört. "Es dürfen gern mehr werden", lädt er charmant weitere Kommunen ein, sich anzuschließen. Wovon ja jeder nur Nutzen hätte, touristisch gesehen. Zaus weiß, wovon er spricht, auch wenn 800 Kilometer "Porzellan" nicht mit einem Blick überschaubar sind. 2019, erzählt er, habe er sich auf die Fahne geschrieben, jedes Mitglied zu besuchen. "Ich wollte Gespräche führen über unsere gegenseitigen Erwartungen. Aber ich habe längst nicht alle geschafft", seufzt André Zaus, auch im Hinblick auf Corona.

Starkes Interesse an Prospekten

Abgefahren sei er aber die gesamte Strecke bereits, wenn auch etappenweise, beteuert er. Dass sich jetzt die Metropolregion Nürnberg auch für die Porzellanstraße interessiert, zählt André Zaus zu den weiteren großen Schritten des Vereins. Leider sei es schwer messbar, wie viele Touristen aufgrund der Werbung die Porzellanstraße anpeilen. "Aber wir erkennen an den Prospektbestellungen ein hohes Interesse." Als weitere Zukunftsaufgabe hat sich Zaus die Digitalisierung der 800 Kilometer vorgenommen. "Wir brauchen Apps fürs Smartphone und eine modernisierte Internetseite, touristengerecht." Bereits attraktiv aufbereitet sind die Prospekte, die zum Urlaub, Kurztrip oder Tagesausflug entlang der Porzellanstraße locken. André Zaus hat vier Stück mitgebracht. Das kleine Paket "Willkommen auf der Porzellanstraße" spricht unterschiedliche Zielgruppen an wie Familie, Romantik und Mobil. André Zaus steht vor der Seltmann Porzellanfabrik und zeigt bei strahlendem Sonnenschein darauf. Seltmann, sagt er, sei auch Mitglied und sicherlich wie er glücklich, wenn die Porzellanstraße in der eigenen Heimat noch mehr Aufmerksamkeit bekomme.

"Wir brauchen Apps fürs Smartphone und eine modernisierte Internetseite, touristengerecht."

André Zaus über die Digitalisierung bezüglich der Porzellanstraße

Den Verein Porzellanstraße gibt es seit 25 Jahren

Selb

Hier gibt's Infos zur Porzellanstraße

Service:

Infos zum Verein und zum Streckenverlauf

Wer sich für die Porzellanstraße und ihre Attraktionen sowie den Streckenverlauf interessiert, kann weitere Informationen über den Verein Porzellanstraße e.V. erfahren. Erreichbar ist André Zaus im Porzellanikon, Staatliches Museum für Porzellan Hohenberg an der Eger/Selb in Selb am Werner-Schürer-Platz 1, oder per Telefon 09287/9180034 sowie über die E-Mail-Adresse porzellanstraße[at]porzellanikon[dot]org.

 

 

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