Das es den Städtischer Kindergarten „Kunterbunt“ gibt, ist dem Nachlass von Pfarrer Adam Preuschl zu verdanken. Heuer kann die Einrichtung ihr 110-jähriges feiern. Am Samstag, 16. Juni findet dazu das Jubiläums-Sommerfest mit einem bunten Programm statt. Highlight ist das große Kinderkonzert mit „Rodscha aus Kambodscha“ und „Tom Palme“. Bekannt sind beide von der Band Donikkl.
Der Städtische Kindergarten „Kunterbunt“ kann in diesem Jahr auf sein 110-jähriges Bestehen zurückblicken. Seit damals hat sich nicht nur der Name der Einrichtung von „Kinderbewahranstalt“ über „Kinderasyl“ und „Stiftungskindergarten“ bis zum „Städtischen Kindergarten Kunterbunt“ geändert. Auch das Gebäude selbst wurde immer wieder der Zeit angepasst. Nicht zuletzt hat sich die pädagogische Betreuung der Kinder in den letzten 110 Jahren sehr gewandelt.
Ein Nachlass machte es möglich
Die „Kinderbewahranstalt“, wie der Kindergarten in damaliger Zeit genannt wurde, verdankt seine Entstehung vor allem dem katholischen Pfarrer Adam Preuschl, Kammerer und königl. Distriktschulinspektor in Stamsried. Er war ein gebürtiger Erbendorfer und stand dem katholischen Schulwesen und der Einführung von Schulschwestern in der Steinwaldstadt aufgeschlossen gegenüber.
In seinem Testament vom 11. September 1894 vermachte er sein Vermögen der Schulschwesternstiftung mit der Auflage, eine Kinderbewahranstalt zu errichten. Als sich im September 1904 in Erbendorf Ordensschwestern der „Armen Schulwestern unserer lieben Frau“ aus München niederließen, machte Preuschl der Schulschwesternstiftung eine Schenkung von 12 000 Mark. Nach seinem Wunsch waren die Zinsen aus der Hälfte des Kapitals unter anderem für eine Kinderbewahranstalt zu verwenden.
Deshalb machte der katholische Pfarrer Joseph Maier bereits 1904 den Versuch, eine „Kinderbewahranstalt“ unter Aufsicht der Schulschwestern im Schulschwesternhaus, dem heutigen Heimatmuseum, einzurichten, was aber aufgrund der Räumlichkeiten nicht möglich war.
Am 3. Mai 1907 verstarb Pfarrer Adam Preuschl. Sein gesamtes Vermögen vermachte er der Schulschwesternstiftung. Die Stadt Erbendorf, die die Schulschwesternstiftung verwaltet, ging auch gleich daran, die „Kinderbewahranstalt“ in die Tat umzusetzen. Im Juli 1907 legte der Zimmermeister Joseph Böllmann die Pläne für einen Neubau in der heutigen Asylstraße vor. Der Kostenvoranschlag belief sich auf 17.000 Mark. Aus dem Nachlass Preuschl´s von 42 000 Mark konnte ein Teilbetrag von 20.000 Mark für den Bau mit verwendet werden.
Das Grundstück, auf dem der Bau entstehen sollte, war bereits im Besitz der Schulschwesternstiftung. Auf einer Grundfläche von rund 14 mal 11 Meter entstand im Erdgeschoß mit einem Ausgang zum Garten ein Spielsaal und ein sogenannter „Gemüsekeller“. Im ersten Stock war der „Anstaltssaal“ mit einer Größe von 7 mal 10 Meter sowie einem Zimmer, Küche, Treppenhaus mit Eingangsbereich und dem „Abort“. Im September 1908 wurde das Gebäude fertiggestellt.
Doch anscheinend ging der Bau zum Ende hin etwas schleppend. Denn der Stadtmagistrat drohte im August 1908 dem Zimmermeister Böllmann mit einer „Conventionalstrafe von 5 M für jeden Tag“, wenn er den Bau nicht bis zum 15. September 1908 fertigstellt.
Am Donnerstag, den 1. Oktober 1908 war es soweit. Für 46 Kinder begann der „Kinderschulalltag“. Zur Aufsicht der Buben und Mädchen wurde beim Generaliat der Armen Schulschwestern in München eine vierte Ordensschwester angefordert.
Im Oktober 1909 erfolgte die Schlussabrechnung des Kindergartenbaus. Die Gesamtkosten beliefen sich, bei einem genannten Kostenvoranschlag von 17 000 Mark, auf 28 650,88 Mark. Dieser Betrag wurde abgedeckt durch 20 000 Mark aus dem Testament Pfarrer Preuschl´s und 8784,76 Mark von anderen Spendern und aus Zinseinnahmen. Es blieb sogar ein Überschuss von 133,88 Mark übrig, der von der Schulschwesternstiftung vereinnahmt wurde.
Übrigens war die Kinderbewahranstalt zur Eröffnung noch nicht elektrifiziert. Erst drei Jahre später wurde, wie es in den Akten so schön heißt, „das elektrische Licht“ eingerichtet. Der Strom wurde dabei von den Naabwerken geliefert.
Der Kindergarten stand von seiner Gründung 1908 bis 1973 durchgehend unter der Leitung der Armen Schulschwestern. Mit Schwester Benjamina Wankerl verstarb am 8. Juni 1973 die letzte Kindergärtnerin der „Armen Schulschwestern“. Sie führte die Einrichtung von 1947 bis 1973. Nachfolgerin wurde Schwester Hedwig Reus von der katholischen Heimatmission aus Weiden. Mit Theresia Tretter kam 1976 die erste „weltliche“ Leiterin, die den Kindergarten mit Unterbrechung bis zu ihrem Ruhestand führte.
Um aus der „Kinderbewahranstalt“ eine pädagogische Einrichtung zu schaffen, wurde 1975 aus dem vorhandenen Turnraum ein zweiter Gruppenraum eingerichtet. In den Jahren 1986/87 wurde die Einrichtung saniert, umgebaut und erneuert. Die architektonische Fassade blieb seit der Erbauung bis heute unverändert. Lediglich der bisherige Haupteingang wurde von der Südseite an die Ostseite verlegt.
Im Jahr 2011 gaben der Elternbeirat und das Erzieherteam dem städtischen Kindergarten den Namenszusatz „Kunterbunt.“ Heute leitet Sabine Schöpf-Schreiber die Einrichtung. Derzeit werden knapp 60 Kinder von sechs Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen sowie einer Sprachförderkraft betreut.
Jubiläums-Sommerfest
Das 110-jährige Bestehen des städtischen Kindergartens „Kunterbunt“ feiert die Einrichtung mit einem Jubiläums-Sommerfest am Samstag, 16. Juni, mit einem großen Fest. An der Grund- und Mittelschule beginnt das Jubiläums-Sommerfest um 13 Uhr. Unter dem Motto „1000 Farben hat die Welt“ präsentieren die Buben und Mädchen in der alten Turnhalle eine Kindergartenaufführung mit Liedern, Tänzen und Gedichten.
Das Highlight ist um 15 Uhr das große Kinderkonzert mit „Rodscha aus Kambodscha und Tom Palme“ in der Doppelsporthalle. Bekannt sind beide aus Funk und Fernsehen sowie von der Band Donikkl. Weiter geht das Fest mit vielen Attraktionen und Kinderbelustigung. Für das leibliche Wohl sorgen an diesem Tag der Elternbeirat und die Mitarbeiter des Kunterbunt-Kindergartens.
![Die damalige Kinderbewahranstalt in der Asylstraße um 1925. Neumann, Jochen [NJN] (jochen.neumann@erbendorf.de)](https://www.onetz.de/f/ic/Detailed/articlemedia/2018/05/24/a0c7b9d7-f1c4-4be2-9cdd-c0e33af499ec.jpg)
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