25.11.2018 - 18:53 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Gaudi für einen guten Zweck

Was kann eine Feuerwehr tun, wenn sie dringend Geld für einen neuen Mannschaftsbus braucht? Sie kann Bettelbriefe schreiben oder sie verpflichtet „Barbari Bavaria“ für ein Benefizkonzert.

"Barbari Bavarii" beim Auftritt in der Erbendorfer Stadthalle.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Letzteres hat die Feuerwehr von Trevesen getan. Mit Erfolg: Rund 150 Gäste kamen am Samstagabend in die Erbendorfer Stadthalle, um herzhaft zu lachen und so ganz nebenbei die kleine Feuerwehr aus der Gemeinde Pullenreuth zu unterstützen. Der alte VW-Bus aus dem Jahr 1999 ist eine Rostlaube, der TÜV ist abgelaufen. Also muss Ersatz her. Für die rund 100 Mitglieder und etwa zwei Dutzend Aktive ist die Anschaffung eines neuen Mannschaftswagens ein finanzieller Kraftakt, zumal es dafür keine Zuschüsse gibt. Für einen neuen Wagen wird das Geld deshalb nicht reichen, also muss ein gebrauchter her. Knapp 25 000 Euro wird das Fahrzeug einschließlich der nötigen Umbauten kosten. Da sind kreative Ideen gefragt. Eine erste Rate für den Wagen wurde am Samstagabend in der Erbendorfer Stadthalle erwirtschaftet. Die Aktiven legten sich mächtig ins Zeug, übernahmen auch den Ausschank und bewirteten die Gäste mit "Blaulicht-Bazis", Wurstsalat, Leberkäs-Sticks und anderen Imbissen.

Die "Barbari Bavarii" servierten dazu ihr Oberpfälzer Mundart-Musicalprogramm "Sepp, der Durchschnittsdepp". Peter "Beda" Greiner (Gesang, Gitarre, Bass, Percussion, Keyboard, Akkordeon), Stephan "Rosi" Rosner (Gesang, Gitarre, Bass, Percussion, Akkordeon, Maultrommel, Kazoo, Nasenflöte, Panflöte, Zugflöte, Melodika) und Christian "Weiti" Witt (Gesang, Gitarre, Bass, Percussion, Keyboard, Kazoo, Blockflöte) nehmen in dem "beknackten Musical in zwei Akten" die Gäste als Sepp, Hans und Alfons mit auf eine Reise, die von der Oberpfalz nach Peru und über Hamburg wieder zurück in die Oberpfalz führt. Sepp erkennt, dass er noch nie in New York und noch nie in Hawaii war und noch nie mit zerrissenen Jeans durch Friedenfels gegangen ist und beschließt, sein Leben zu ändern. Er träumt davon, ein Rockstar oder Autor zu werden und macht sich mit Alfred, der ein Starkoch werden möchte, und Hans, der eine Karriere als Schauspieler anstrebt, auf, in der Welt sein Glück zu suchen.

Doch mit seinen Liedern kommt er nirgends groß raus. Zu "Sex, Drugs, Rock 'n' Roll und Zentralfriedhof" hat er keinen Zugang und Liebeslieder sind irgendwie auch nicht sein Ding. "Ich führe eine glückliche Ehe, wie soll ich da was über die Liebe wissen?", klagt Sepp sein Leid. Also singen die Drei über Dinge, von denen sie etwas verstehen: Das Ergebnis sind Songs über "Leberkaas", glutenfreies Essen, Tatort-Leichen, die Brauereibesitzerstochter, das "beschissene Fernsehprogramm", die Kochkunst der Oma und andere ganz banale Dinge. Der große Durchbruch, der Hit, bleibt damit aus. Bis Sepp in Hamburg im Hotel Kempinski Udo Lindenberg trifft, der ihm rät, über sich selbst zu singen und sich einen coolen Namen zu suchen. Obwohl Sepp sein Leben so langweilig wie einen "100-Meter-Schneckensprint" findet, beherzigt er dies. Sepp nennt sich von nun an König der Oberpfalz, ist Herrscher über "Nix und wieder nix" und singt erfolgreich von Thomasgschieß, Großbüchlberg, Ursulapoppenricht, der "Mama aus Weiherhammer" und dem "Vater aus Pfatter" ...

Auch seine beiden Freunde machen Karriere. Alfons wird Starkoch und Hans lernt Hochdeutsch und endet als Professor für Literatur. Nur ein Wunsch erfüllt sich auch diesmal nicht: Dass am Ende des Programms Büstenhalter auf die Bühne fliegen ... Trotzdem geizen "Barbari Bavarii" aus der Gemeinde Theisseil auch bei ihrem Auftritt in Erbendorf nicht mit Zugaben.

Sie geben nach dem Musical-Happy-End einige Stücke aus den drei vorherigen Bühnenprogrammen zum Besten, darunter auch die Kultnummer "Annamirl, Zuckerbirl". Ganz am Schluss gibt es dann "Verwandt mit Schand", das auf YouTube immerhin schon 43 000 Aufrufe hat. "Unser einziger Hit", so das Trio augenzwinkernd. Das letzte Wort auf der Bühne haben jedoch die Floriansjünger. Kommandant Markus Müller und Vorsitzender Benjamin Schieber von der Feuerwehr Trevesen bedankten sich beim Erbendorfer Kommandanten Bernhard Schmidt mit einem kleinen Geschenk für die Unterstützung bei diesem ungewöhnlichen Einsatz.

Auch ein gerappter Dichterwettstreit gehört zum witzigen Programm der Ulkgruppe.

Kommandant Markus Müller und Vorsitzender Benjamin Schieber von der Feuerwehr Trevesen bedankten sich beim Erbendorfer Kommandanten Bernhard Schmidt für die Unterstützung (von links).

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