07.09.2018 - 09:37 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Griechische Panzer im Steinwald

"Schildkrötenmama" Heidi Edl kümmert sich seit über 20 Jahren um den Nachwuchs in ihrer Bande. Nur Johannes-Pferdinand büxt manchmal aus.

Heidi und Kim Edl mit ihren Schildkröten im großräumigen Gehege.
von Redaktion ONETZProfil

(lym) Am Rande von Erbendorf betreut Zahnärztin Dr. Heidi Edl zusammen mit Tochter Kim ihre kleine Ranch: Vier Gänse, ein Rottweiler, ein Papagei, englische Schafe und englische Hühner sind hier zu Hause. Heidi Edl ist zudem Schildkrötenbesitzerin und -züchterinerin.

„Vor 20 Jahren habe ich mit zwei Schildkröten angefangen. Jetzt habe ich 15 adulte Tiere im Alter von 10 bis 60 Jahren und viele kleine“, verrät Edl. Dabei handelt es sich um die sogenannte Griechische Landschildkröte (Ostrasse), die als größer und robuster gilt als die Westrasse. In Deutschland heiß begehrt, sind sie in ihrem Herkunftsland eher unerwünscht, erklärt Edl: „In Bulgarien und Griechenland gelten Schildkröten als Ungeziefer, weil sie auf Melonenfeldern oder anderen Anbaugebieten die Pflanzen fressen. Nicht selten wird dort mit schweren Steinen auf sie geworfen und der Schutzpanzer zerstört.“ Tierquälerei und Straftat zugleich, da die Reptilien naturrechtlich geschützt sind und im Artenschutzgesetzbuch gleich nach den Elefanten aufgeführt sind.

Dass Schildkröten viel Platz und Artgenossen brauchen, da sind sich Heidi Edel und Kim einig: "Im Sommer können sie im großen Freilaufgehege herumkrabbeln und ab Allerheiligen sind sie in einem Kühlschrank untergebracht, um ihnen ungestörten Winterschlaf zu ermöglichen." Wichtig ist aber: Schildkröten sind keine Terrarientiere, auch wenn viele Menschen sie so behandeln.

"Die Tiere ernähren sich von Klee, Löwenzahn und Wildkräutern, die sie draußen finden. Nur manchmal – wie an besonders heißen Tagen - bekommen sie Leckerbissen wie Karotten, Zucchini, Gurke, Chicoree oder Romana-Salat.“

So können die Schildkröten gesund und aktiv ihrem Alltag nachgehen: Der 60-jährige Eros begattet die junge Yellow. Goldi und Eulalia teilen sich das saftige Salatblatt und der kleine Johannes-Pferdinand probiert sich an der doppelt so großen und doppelt so alten Darky.

Der 13-jährige Johannes-Pferdinand ist ein keckes Kerlchen: Trotz Steinwand entkam er und hatte sich mehrere Monate beim Nachbarn eingegraben. Eingraben müssen die Weibchen auch ihre Eier, die sie im Mai und Juni legen. Dabei ist der beste Platz gerade gut genug: Nach mehreren Probebohrungen auf der Suche nach der perfekten Feuchtigkeit und Temperatur entstehen auf dem extra von Edl angelegten Eiablagehügel viele Löcher. Die Suche beginnt: „Nur die wenigsten Kröten würden schlüpfen, weil es ihnen zu kalt ist. Deshalb müssen wir nach den Eiern suchen und sie im Inkubator ausbrüten lassen“, erklärt Edl.

„Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal eine Naturbrut im Gewächshaus gefunden. Die Eier wurden nur von der Sonne ausgebrütet und Tochter Kim hat die kleinen Kröten dann gefunden.“

Für die Mütter ist das kein Problem. Sie betreiben ohnehin keine Brutpflege und das Thema Nachwuchs ist für sie nach dem Eierlegen abgeschlossen. Trotz Edls Bemühungen war es anfangs schwierig, Weibchen zu bekommen, denn erst ab 200 Gramm lässt sich das Geschlecht am Panzer bestimmen, weshalb man sich beim Züchter oder Händler nicht einfach feminine Tiere wünschen kann.

„Das Geschlecht ist durch die Bruttemperatur fixiert. Bei 28 Grad schlüpfen vermehrt Männchen, bei 33 Grad oder mehr ist der prozentuale Anteil an Weibchen höher,“ fand Edl heraus. „Dabei ist es wichtig, ein angemessenes Verhältnis Weibchen:Männchen von circa 3:1 zu haben. Bei unseren 15 sind beispielsweise auch vier männlich und elf weiblich, da sonst die femininen Schildkröten ständig zur Fortpflanzung gezwungen werden würden.“

Vergangenes Jahr gelang es Edl, aus 80 Eiern 60 Babyschildkröten schlüpfen zu lassen. Dieses Jahr waren es aus 50 Eiern nur 20. Abnehmer, die ein Tier für circa 50 Euro erwerben können, sind schnell gefunden. Nur eine kleine Zuchtgruppe bleibt bei Familie Edel, um die Entwicklung zu beobachten.

Auch das Veterinäramt überwacht die Schildkrötenfarm. So sind fast alle 15 Adulttiere gechippt und eine regelmäßige Fotodokumentation von Bauch- und Rückenpanzer ist bei den anderen notwendig, um den Zustand der Schildkröten zu prüfen. Viel aufwendiger Papierkram für die kleinen Panzertiere. Edl findet sie trotzdem immer noch faszinierend: "Schildkröten sind historische Tiere und unglaublich alt. Das beeindruckt mich.“

Und wenn Johannes-Pferdinand nicht wieder verschwindet, so lebt er auch noch in 80 Jahren glücklich und zufrieden mit seinen Freunden bei Familie Edl.

Kritische Mütter bei der Suche nach dem besten Platz für die Eiablage.
20 junge Schildkröten sind erst kürzlich geschlüpft.
Heidi Edl mit Tochter Kim, einer drei Wochen alten Schildkröte und zwei Adulttieren.
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