03.01.2020 - 14:47 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Habichtskauz blüht auf

Worum sich der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) kümmert, ist dem Namen nach klar. Den Motor am Laufen hält Johannes Bradtka aus Erbendorf, der sich tierisch freut, von unerwarteter Seite Schützenhilfe zu erhalten.

Der Habichskauz fühlt sich im Steinwald pudelwohl.
von Manfred Hartung Kontakt Profil

Pünktlich zum Jahreswechsel erhielt der VLAB eine schöne Nachricht aus der französischen Region Grand Est. Der Wildpark Sainte-Croix in Rhodes unterstützt das Projekt zur Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Nordbayern und nicht zuletzt im Steinwald. "Bereits im Jahr 2020 können wir mit jungen Habichtskäuzen aus Nachzuchten des Wildparks rechnen. Unser Artenschutzprojekt ist jetzt trinational. Neben tschechischen Artenschützern sind nun auch französische Naturschützer in das Projekt mit eingebunden", freut sich Johannes Bradtka vom VLAB.

Positive Berichte

Aufmerksam wurde der französische Tierpark nach Angaben von Bradtka durch die positiven Medienberichte über das Wiederansiedlungsprojekt. Der Tierpark Sainte-Croix ist ein in Frankreich sehr bekannter und viel besuchter Wildpark. Er setzt sich seit vielen Jahren auch für den Erhalt der biologischen Vielfalt ein und unterstützt verschiedenste Wiederansiedlungsprojekte in Europa, beispielsweise für das Przewalski-Wildpferd oder den Europäischen Bison (Wisent).

Die Eingewöhnung und Auswilderung von Jungeulen sowie weitere Verbesserungen der Waldlebensräume des Habichtskauzes standen im Mittelpunkt der Tätigkeiten 2019. Ende des Jahres erfolgte eine Ausweitung des Projektgebietes auf den mittleren Oberpfälzer Wald. Die Öffentlichkeitsarbeit wurde im vergangenen Jahr verstärkt, erste naturpädagogische Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche begannen. Die Deutsche Presseagentur (dpa), das Bayerische Fernsehen und auch Oberpfalz-Medien be-richteten ausführlich über die Wiederansiedlung des Habichtskauzes in Nordostbayern.

Erfolgreiche Beobachter

Jäger, Förster und ehrenamtliche Mitarbeiter teilten im Jahr 2019 eine im Vergleich zu den beiden ersten Auswilderungsjahren überdurchschnittliche hohe Zahl von Habichtskauz-Beobachtungen mit. Die Beobachtungen wurden oft durch Fotoaufnahmen belegt. Schwerpunkt der Sichtungen waren der Steinwald, dessen Randbereiche und das südliche Fichtelgebirge. "Erstmals fanden wir auch Gewölle von Habichtskäuzen unter unterschiedlichen Baumarten.

Interessantes Monitoring

Alle Gewöllfunde lagen in der Nähe zu ruhig gelegenen Freiflächen im Wald, meist extensiv bewirtschaftete Wiesen, oder an Waldrändern", weiß Bradtka. Ein von Anfang Februar bis Mitte April laufendes akustisches Monitoring bestätigte das seit 2018 bekannte Revier im südlichen Steinwald. Erste Bruterfolge in den künstlichen Nisthilfen wurden bisher leider nicht festgestellt. Dafür waren einige der 140 installierten Brutkästen von Waldkäuzen besetzt, die auch erfolgreich brüteten. "Ein erfreuliches Zeichen, dass das Wiederansiedlungsprojekt auch anderen Arten zu Gute kommt und sich positiv auf die biologische Vielfalt des Projektgebietes auswirkt", resümiert Bradtka.

Aufgrund der hohen Sommertemperaturen und der äußerst geringen Niederschläge nahmen den Sommer über die Borkenkäferschäden in vielen Wäldern des Projektgebietes stark zu. In Gesprächen bat der VLAB die kommunalen, staatlichen und größeren privaten Waldbesitzer, kleinere durch Borkenkäferbefall entstandene Lücken nicht aufzuforsten. Sie sollen der natürlichen Sukzession überlassen bleiben und den Habichtskäuzen und anderen Arten als Jagflächen dienen.

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth, den Bayerischen Staatsforsten, der Güterverwaltung Friedenfels, dem Forstrevier Fuchsmühl der Stadt Augsburg und der örtlich zuständigen Naturschutzbehörde wurden im Rahmen des Vertragsnaturschutzprogramms Wald (VNP-Wald) und des Programms "Besondere Gemeinwohlleistungen" weitere rund 600 Biotopbäume und Totholz langfristig gesichert und zahlreiche Offenflächen und Hochstümpfe geschaffen.

Hoffnung auf "Besendung"

Der VLAB hofft, dass der im November 2019 bei der Regierung von Unterfranken eingereichte Antrag für eine GPS-GSM-Telemetrie bis spätestens Mitte April genehmigt werden wird. Nur dann wäre es zeitlich noch möglich, die im Jahr 2020 auszuwildernden Habichtskäuze mit Sendern auszustatten.

Straffer Arbeitsplan

Heuer sind noch folgende Arbeiten und Maßnahmen geplant: Auswilderung möglichst vieler Jungeulen, Installation weiterer Brutkästen, Kontrolle der bereits installierten Brutkästen ab Mitte/Ende Januar bis Mitte April, Förderung von Totholz und Biotopbäumen, Öffentlichkeitsarbeit in Form von Presseartikeln und Publikationen auf der Vereins-Webseite und in den sozialen Medien, konsequente Fortführung der im Jahr 2019 begonnenen Naturpädagogik für Kinder und Jugendliche.Weitere Informationen: www.landschaft-artenschutz.de/

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