Erbendorf
07.06.2018 - 16:12 Uhr

Nicht jeder Jäger ist Jäger

„Ein Berufsjäger hat einen hohen Anspruch auf jagdliche Moral und Ethik an sich selbst.“ Das stellte Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg in seinem Festvortrag beim Berufsjägertag fest.

In einem Festvortrag bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Berufsjäger spricht Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg über das Thema "Berufsjäger in der Land- und Forstwirtschaft". njn
In einem Festvortrag bei der Mitgliederversammlung des Bundesverbandes Deutscher Berufsjäger spricht Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg über das Thema "Berufsjäger in der Land- und Forstwirtschaft".

(njn) Auf den Prüfstand stellte Baron Eberhard von Gemmingen-Hornberg, selbst passionierter Jäger, in der Mitgliederversammlung der deutschen Berufsjäger deren Stand. "Erfolgreiches Jagen hat mit Töten zu tun. Der Tod ist in der Gesellschaft unbeliebt, der Tod von Tieren ist manchmal noch schlimmer." Er erinnerte an Bär Bruno und Kampfhund Chico, die "richtigerweise" getötet worden seien. "Doch die Folgen waren aber Morddrohungen gegen die Verantwortlichen."
"Tierleben gegen Menschenleben - für extreme Tierrechtler sind Berufsjäger Berufsmörder. Das Eis, auf dem wir selber stehen, ist ziemlich dünn. Dann ist es gut, wenn man weiß, wo das Eis trägt und wo es dünn ist." Der Jäger sei eine Nutzungsform der Land- und Forstwirtschaft. "Der Berufsjäger ist die Personalisierung dieser Nutzungsform." Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft gehörten zur Primärwirtschaft, in der nur rund 1,5 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten. "Diese findet in der Natur statt und bei der menschlichen Nutzung der Natur, da gibt es auch Konflikte." Unter der deutschen Bevölkerung gebe es 380 000 Jäger, darunter 1000 Berufsjäger. "Wir sind eine winzige Minderheit." Er meinte, die Jagd sei eine Dienstleistung an der Gesellschaft. "Freizeit- und Berufsjäger regulieren und ernten Tierbestände und erzeugen somit hochwertige Lebensmittel."
Eine große tierliebende nichtjagende Mehrheit könne mit diesem Wissen und Freude über die Existenz vieler Wildtiere sehr gut leben. Doch eine große Gruppe sei der Meinung, dass die Jagd zwar notwendig sei, aber keine Freude bereiten dürfe. Im Kanton Zürich forderten Tierschutzverbände eine Abstimmung über die Abschaffung der Hobbyjagd. Das sollen in Zukunft bezahlte Wildhüter übernehmen. "Sie fordern nicht die Abschaffung der Jagd, sondern nur die private Jagd." Interessant sei, dass Tierschutzverbände nichts gegen die Jagd hätten.
"Hinter diesen Absurditäten steckt eine uns wohlbekannte Gruppe, die mit ihrem Namen die schöne Farbe Grün missbraucht. Sie will bevormunden und umerziehen, mit möglichst viel Staat lenken und als Ordnungsmacht manipulativ eingreifen." Viele Privatjäger verrichteten ihre Dienstleistungen nicht wesentlich schlechter als Berufsjäger. Berufsjäger seien aber gut beraten, allen Versuchungen aus dieser Ecke zu widerstehen. "Jagd hat nur Zukunft, wenn eine gesunde Mischung aus Freizeit- und Berufsjägern die Dienstleistungen erbringt."
Dieses vermeintlich dicke Eis könne schnell zu einem dünnen werden. Denn die Anforderungen an den Jäger würden weiter wachsen. "Der neue deutsche Duchschnittsjäger macht heute seinen Jagdschein in einem Crashkurs oder als abgespeckte Version in seinem Forststudium. Dann kauft er sich ein hochmodernes Gewehr mit modernster Optik und setzt sich mit dieser phänomenalen Ausrüstung in seinem winzigen Pirschbezirk in der Nacht an einen Kirrhaufen, schießt in Dunkelheit auf schwarze Flecken. Und dann glaubt er tatsächlich, dies sei Jagd." Das Ergebnis gleiche einem vollgetarnten Soldaten in Kampfanzug, der schwer beladen den vermeintlich bösen Gegner, die Wildtiere, ausschaltet und dabei stolz empfindet.
In der Bevölkerung stellte er eine "deutlich erkennbare Entfremdung in der Natur" fest. "Auch Jagdscheininhaber - das Wort Jäger möchte ich hier nicht verwenden - sind oftmals erschreckend weit von der Natur entfernt." Umso wichtiger sei es für Berufsjäger, fachkundig und öffentlichkeitswirksam das Bild eines echten Jägers zu vermitteln und verkörpern.
"Ein Berufsjäger hat einen hohen Anspruch auf jagdliche Moral und Ethik an sich selbst." Hier sprach er beispielsweise die Afrikanische Schweinepest (ASP) an. "Da werden hyperaktiv die moralischen Werte bereits über Bord geworfen." Schonzeiten werden beseitigt und das 24-Stundenschießen mit Nachtsichtgeräten nannte er als Beispiele. "Viele Jäger machen bei diesem Wahnsinn auch noch mit - das hat mit einem starken Defizit an Fachwissen und Moral zu tun."
Den Teilnehmern gab er auf den Weg, sich nicht "reduzieren zu lassen", sondern den Jungjägern oder interessierten Nichtjägern die schöne Natur zu zeigen. "Vegane Grüne schreiben uns vor, wie wir mit dem Wild umzugehen haben." Dieser Aussage erteilte von Gemmingen-Hornberg eine Absage. "Vielmehr müssen wir die Leute für die Natur begeistern." Denn Wildtiere seien kein Übel, sondern Teil des Ökosystems. "Deshalb müssen wir bei der Bewirtschaftung auch in Generationen denken."
Dabei appellierte der Baron auch an die "Sozialpflichtigkeit des Eigentums". Vor dem Hintergrund des Anstiegs des Schalwilds erinnerte er vor allem kommunale, staatliche und private Eigentümer an diese Pflicht.

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