01.08.2021 - 12:01 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Jahreshauptversammlung der Imker aus Erbendorf: Tödliches Gift für 18 Bienenvölker

Als wären die Einschränkungen durch die Covidpandemie nicht schwierig genug für die Erbendorfer Imker: An Pfingsten verendeten 18 Bienenvölker wegen eines unerlaubten Gifteinsatzes.

In Erbendorf starben 18 Bienenvölker, da unerlaubt Gift gespritzt wurde.
von fksProfil

Der Vorsitzende des Imkervereins Ebendorf, Klaus Schmidt, beendete die verspätete Jahreshauptversammlung 2021 mit einem Bericht über einen "sehr unerfreulichen Vorfall": Bereits am Pfingstmontag hatte ein Landwirt im Vereinsgebiet ein verbotenes, bienenschädliches Fungizid auf einem seiner Felder eingesetzt. "Mehrere Imker stellten an diesem Tag fest, dass der starke Bienenflug abrupt endete", schilderte Schmidt den Vorfall. Schnell sei klar gewesen, dass ein unerlaubtes Spritzen dafür verantwortlich gewesen war. Die Folge: Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes nahmen Proben der gespritzten Rapspflanzen und verstorbenen Bienen. Die Polizei wurde eingeschaltet und ermittelte damals.

Weitere tote Insekten

Für 18 Bienenvölker endete der Pfingstmontag tödlich. "Dabei sind die vielen Wildbienen, Insekten, Schmetterlinge und Käfer nicht eingerechnet", fuhr der Imkervereinsvorsitzende fort. Für den Einsatz von Spritzgiften habe er in der heutigen Zeit kein Verständnis. "Beobachtet eure Bienen genau", riet Schmidt den Vereinsmitgliedern, "und wenn Vergiftungserscheinungen auftreten, verständigt sofort die Polizei." Schnelles Handeln sei in diesem Fall geboten, damit rechtzeitig Pflanzen- und Bienenproben sichergestellt werden können.

Doch war dieser Vorfall das einzig stark Negative, was der Hobbyimker zu berichten hatte. Die jüngste Pflanzaktion der Stadt Erbendorf in den Blumenkästen am Rathaus freute ihn sehr. "Die für Bienen nutzlosen Geranien sind jetzt ausschließlich mit insektenfreundlichen Pflanzen ersetzt worden." Bei Spaziergängen durch die Bräugasse würde er das rege Treiben sehen und hören, da die Insekten sich hier sichtlich wohlfühlten.

Vier Jungimkerinnen

Darüber hinaus bedankte er sich bei Bürgermeister Johannes Reger auch für die Bereitstellung seines Gartens zu Lehrzwecken. "Unsere Jungimker treffen sich dort jede Woche, um die richtigen Techniken zu erlernen", erklärte Schmidt den Mitgliedern. Dies unterstrich Obmann Rudi Gürtler, der mit Benjamin Bächer für die Nachwuchsausbildung im Imkerverein zuständig ist. Die Pandemie machte es ihm persönlich schwer, sich intensiv um die Ausbildung zu kümmern, aber mit Bächer habe Gürtler eine wertvolle Hilfe an seiner Seite gehabt. "Im aktuellen Ausbildungsjahr starten wir mit vier Jungimkerinnen", freute er sich auch darüber, dass sich jetzt mehr Frauen für die Imkerei interessieren. Seit Beginn des Jahres engagiere sich auch Wolfgang Schmidt an den Lehrbienenständen aktiv. "Trotz der Einschränkungen wurden alle unsere Erwartungen übertroffen", beendete Gürtler den Bericht über die Nachwuchsarbeit der vergangenen eineinhalb Jahre.

Vorsitzender Schmidt ergänzte, dass die gesamte Mitgliederentwicklung sehr zu seiner Freude verlaufe: "Mit aktuell 92 Mitgliedern haben wir einen neuen Höchststand erreicht!" Noch ein Jahr zuvor war bereits der bis dahin höchste Mitgliederstand erreicht worden. So waren bis 1. Januar 2020 82 Menschen dem Verein beigetreten. Damit sei der Erbendorfer Zusammenschluss der Bienenfreunde weiter mit Abstand der größte Ortsverein im Landkreis Tirschenreuth.

Geringe Honigernten

Honig werde es, wie bereits im vergangenen Jahr, auch heuer nicht im Übermaß geben. "Durch den milden Jahresbeginn begannen unsere Bienenvölker früher als sonst zu brüten", schilderte Schmidt die Schwierigkeiten des Jahres 2020. Zwar sei zu Beginn der Obst-, Raps- und Löwenzahnblüte insgesamt ein starker Nektareintrag zu beobachten gewesen, jedoch kam Ende Mai eine Wende. "Wir mussten unsere Bienen schon im Juni füttern, damit sie nicht verhungern", erklärte er den Rückschlag. Fast kein Imker aus dem Erbendorfer Verein konnte weitere Honige ernten. Vor allem die andauernde Trockenheit habe es den Bienen schwer gemacht. Zudem seien auch die Bemühungen der Landwirte, die mehr und mehr Blühstreifen pflanzen, zu spät. "Meist blühen die Pflanzen erst im Spätsommer, dabei wird das Futterangebot bereits im Juli dringend benötigt", erklärte der Vorsitzende. Abhilfe könne hier frühzeitiges Säen schaffen. Auch im aktuellen Jahr werde die Honigernte nicht sehr hoch ausfallen. "Vor allem für die Jungimker ist das sehr deprimierend, wenn nach so viel liebevoller Arbeit kaum etwas Essbares übrig bleibt", schloss Schmidt seinen Rückblick auf die vergangenen Monate.

Am Kurweg blüht es wieder

Zum Abschluss der mit 45 Mitgliedern sehr gut besuchten Jahreshauptversammlung bedankte sich Schmidt noch für die viele Unterstützung, die der Verein in der jüngsten Zeit erhalten habe. So habe Wolfgang Schmid aus Grötschenreuth eine stabile Holzbank für den Lehrbienenstand gestiftet, bei Waldarbeiten in Inglashof sei ein wildes Bienenvolk gerettet worden. Insbesondere danke er der im vergangenen Jahr aus dem Amt geschiedenen damaligen Dritten Bürgermeisterin Sonja Heindl, die sich für den Wunsch der Imker nach einem professionellen Rückschnitt der öffentlichen Grünanlagen eingesetzt habe. "Jetzt blühen die Sträucher entlang des Kurwegs wieder", freute sich Schmidt über das üppige Nahrungsangebot für die Bienen. Auch andere Tiere und die Menschen könnten sich daran erfreuen.

19 Schwärme vermittelt

Neu ins Leben gerufen hat Schmidt im Frühjahr vergangenen Jahres eine vereinsinterne Bienenbörse: "Mein Ziel ist es, Seucheneinschleppung durch Käufe im Internet zu vermeiden", erklärte er die Hintergründe. Überrascht hatte ihn, dass das Bienenvolkangebot höher war als die Nachfrage. Und in diesem Jahr verhielt es sich genau umgekehrt, da einige Bienenvölker nicht über den Winter gekommen waren. Zudem initiierte er noch eine Schwarmbörse. Nach einem Aufruf in der Zeitung wurden einige Schwärme gemeldet und so konnten 19 Schwärme eingefangen und vermittelt werden.

Bürgermeister Johannes Reger überbrachte Grußworte der Stadt Erbendorf und der neu gewählte Kreisvorsitzende Martin Fischer berichtete abschließend über seine Vorhaben im Kreisverband. Nach gut zweieinhalb Stunden konnte die Jahreshauptversammlung beendet werden.

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Erbendorf
Der Imkerverein freut sich vor allem über vier Jungimkerinnen, die kürzlich beigetreten sind. Berichtet hatten diesmal Bürgermeister Johannes Reger, Vorsitzender Klaus Schmidt, Wolfgang Schmid, Rudi Gürtler, Benjamin Bächer und Kreisvorsitzender Martin Fischer (von links).

"Mehrere Imker stellten an diesem Tag fest, dass der starke Bienenflug an diesem Tag abrupt endete."

Klaus Schmidt, Vorsitzender des Imkervereins Ebendorf

"Wir mussten unsere Bienen schon im Juni füttern, damit sie nicht verhungern."

Klaus Schmidt, Vorsitzender des Imkervereins Ebendorf

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