23.07.2019 - 15:25 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Jugendsozialarbeit ist Vertrauensarbeit

Seit drei Jahren arbeitet Jörg Wetzel als Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule in Erbendorf. Das wichtigste für ihn ist es, im ganzen Schulalltag präsent zu sein.

Jörg Wetzel ist Jugendsozialarbeiter an der Mittelschule in Erbendorf. Als Vertrauensperson kommen auf ihn vor allem Lehrer und Schüler zu, um über Probleme zu sprechen.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Morgens 7 Uhr: Ein Kind klopft an die Tür im zweiten Stock der Erbendorfer Mittelschule. "Kann ich mit Ihnen reden?", fragt es Jörg Wetzel. Die Eltern des Schülers sind arbeiten, sie haben ihn schon vor Schulbeginn zu der Einrichtung gefahren. Der Jugendsozialarbeiter bittet den Schüler in sein Büro, ein ehemaliges Klassenzimmer.

Johannes Saalfrank vertritt die Kolpinghilfe in Tirschenreuth. Diese ist unter anderem Träger für die JaS-Stelle an der Mittelschule in Erbendorf. "Mittlerweile schreit nahezu jede Schule nach Jugendsozialarbeit", sagt Saalfrank. Es sei jedoch schwierig die Stellen zu besetzen. "Es handelt sich dabei um Fachpersonal. Sie haben meistens Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit studiert." Auf etwa zehn Prozent der Kosten bleiben die Träger sitzen. "Der Rest teilt sich zwischen Schule und Regierung auf." Seiner Ansicht nach sei es richtig, dass auch in Grundschulen damit angefangen werde. "Man kann nie früh genug unterstützen."

Prima Kinder

Jörg Wetzel stellt klar: "Erbendorf ist kein sozialer Brennpunkt." Immer wieder wird er mit dem Spruch konfrontiert: "Kinder werden immer schlimmer!" Das stimme aber nicht. "Wir haben prima Kinder und Jugendliche in der heutigen Zeit. Früher gab es auch schon Probleme. Heute unterstützt aber die Jugendsozialarbeit die Schulen, das ist ein Gewinn." Inzwischen ist er drei Jahre an der Mittelschule. Bevor er dort als Jugendsozialarbeiter anfing, war die Stelle zwei Jahre unbesetzt. "Ich habe bei null angefangen. Zu Beginn musste ich viel Vertrauensarbeit leisten. Als Fremder wird man erst kritisch beäugt. Schüler outeten sich, wenn sie zu mir kamen." Mittlerweile achtet er darauf zu allen Schülern den Kontakt zu pflegen. "Es fällt nun nicht mehr auf, wenn ich mit jemandem spreche."

Seine Arbeit teilt er in zwei Schwerpunkte ein. "Ich mache Einzelfallberatung aber auch Prävention." Dabei richtet er sich immer stark nach dem jeweiligen Bedarf. "Bei JaS geht es vor allem darum, benachteiligte Kinder und Jugendliche so zu unterstützen, dass sie ihren Schulabschluss machen können." Dafür ist Wetzel an fünf Tagen in der Woche an der Schule. Probleme werden meistens von Lehrkräften an Wetzel herangetragen. "Zum Beispiel gibt es Kinder, die im Unterricht auffällig sind. Diese suchen oft eine erwachsene Vertrauensperson." Als Ansprechpartner versucht er von den Schülern Druck zu nehmen. "Da ist der Leistungsdruck durch die Schule, Probleme in den Familien oder mit Freunden."

Spielen löst Druck

Während sich die Lehrer um die ganze Klasse kümmern müssen, kann sich Wetzel einzeln mit Schülern, auch während des Unterrichts, beschäftigen. Er nimmt sich dann der vermeintlichen Störenfriede an. Fragt sie, was los ist. "Wenn ich Zeit habe, spiele ich mit den Kindern Kicker oder Tischtennis. Im Spiel fällt der Druck und die Kinder werden lockerer." Jugendliche, die zu Wetzel kommen, wissen, dass er eine Schweigepflicht hat. Jedoch habe er nicht nur Problemfälle, sondern versuche vor allem zu den Schülern eine Beziehung aufzubauen.

"Ich unternehme viel mit Lehrern. Wir haben hier ein tolles Miteinander. Ich fahre sogar auf Ausflüge mit. In den 5. und 6. Jahrgangsstufen machen wir Sozialkompetenztraining." In diesem Rahmen sollen Lebenskompetenzen wie Selbstvertrauen aufgebaut werden. In den höheren Klassen werden Projekte zur Sucht- und Medienprävention gestaltet. "An unserer Schule sind Alkohol, Zigaretten oder Drogen keine akuten Probleme." Stattdessen kritisiert Wetzel Medikamente, auch ADHS sei ein zunehmendes Problem. "Das muss hinterfragt werden. Deutschlandweit nehmen die ADHS-Zahlen zu. Auch Medikamente machen süchtig und können schaden."

Auch Mobbing spiele eine Rolle. "Das geschieht über Soziale Medien oder unter den Schülern. Es geht darum, die Jugendlichen zu sensibilisieren. Vielen ist nicht bewusst, was Mobbing ist." So motiviert er die Kinder dazu, auch einzuschreiten. "Fast jeder Schüler hat Ängste, ausgelacht oder ausgegrenzt zu werden. Im Gespräch wird das dann der ganzen Klasse klar."

Acht Stunden Medien

Wichtig sei auch der richtige Umgang mit Medien. "Wir haben schon drei Mal mit dem T1 Medienzentrum zusammengearbeitet. Es gibt Klassen, wo durchschnittlich etwa acht Stunden am Tag Medien konsumiert werden - und das neben der Schule." Online-Spiele wie "Fortnite" ziehen die Jugendlichen zunehmend in ihren Bann. "Das Verrückte ist nicht nur, dass gespielt wird, sondern mittlerweile über Youtube mehr Videos zu den Spielen geschaut werden."

Wetzel würde sich wünschen, dass auch mehr Eltern auf ihn zukommen. "Sie können sich jederzeit an mich wenden", sagt er. Der Flosser ist selbst Vater von fünf Kindern.

Dadurch weiß er, wie der Alltag von Eltern aussieht und hat auch Verständnis. "Gespräche sind nicht immer einfach. Aber es ist wichtig, die Eltern zu respektieren und mit Feingefühl vorzugehen." Unterstützung fordert er vom Staat: "Kinder sind unser wertvollstes Gut. Da ist es richtig, in sie zu investieren."

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