22.04.2019 - 12:02 Uhr
ErbendorfOberpfalz

"Nicht laufend draufzahlen"

Wie es mit dem Mehrgenerationenhaus in Mitterteich weitergeht, diese Frage stellte sich in der Kreiskonferenz der Arbeiterwohlfahrt in Erbendorf. Die Einrichtung läuft zwar sehr gut, doch der Kreisverband muss draufzahlen.

Die jährliche Förderung durch Bund und Stadt reicht laut AWO-Kreisvorsitzendem Thomas Döhler nicht aus, um das Mitterteicher Mehrgenerationenhaus mit qualifiziertem Personal wirtschaftlich betreiben zu können.
von Jochen NeumannProfil

Kreisvorsitzender Thomas Döhler hieß in der Stadthalle zahlreiche Vertreter der Ortsvereine zur Kreiskonferenz der Arbeiterwohlfahrt (AWO) willkommen. In seinem Rechenschaftsbericht stellte er fest, dass die ambulante Pflege nach wie vor das wichtigste Standbein des Kreisverbandes sei. "Es könnten noch mehr Patienten betreut werden, aber leider ist der Arbeitskräftemarkt leergefegt." Dies gelte für den Bereich Haushaltsdienstleistungen und Essen auf Rädern.

Von steigenden Umsatzzahlen berichtete Döhler bei den beiden Bunte-AWO-Läden in Mitterteich und Kemnath. "Die gebrauchten Waren bester Qualität werden dabei nicht nur von Menschen mit einem knappen Geldbeutel gekauft, sondern auch von denen, die etwas für den Umweltschutz tun wollen." Denn gerade sie verzichteten bewusst auf den Kauf von neu produzierten Kleidungsstücken.

Wie der Redner weiter ausführte, habe der Kreisverband "Ärger mit dem Freistaat". Denn bei der Asyl- und Migrationsberatung im Landkreis, bei der die AWO 2,8 Stellen übernommen hat, habe der Freistaat immer noch nicht das Jahr 2017 endgültig abgerechnet. "Zudem werden die insgesamt 4,8 Stellen, die sich die AWO mit der Caritas und dem BRK teilt, vom Freistaat auf 1,75 Stellen gesenkt", erklärte Thomas Döhler. Deshalb müsse die AWO für das eigene Personal neue Projektfinanzierungen finden, um dessen Arbeitsplatz zu erhalten.

"Große Sorgen bereitet uns das Mehrgenerationenhaus am Mitterteicher Marktplatz", räumte Döhler ein. Es habe sich gezeigt, dass eine solche Einrichtung mit qualifiziertem Personal nicht wirtschaftlich betrieben werden könne. Der Kreisvorsitzende rechnete vor, dass bei einer jährlichen Förderung von 40 000 Euro durch den Bund und die Stadt Mitterteich das Haus nur mit ehrenamtlichem Personal zu betreiben sei.

"Dies ist aber nicht meine Vorstellung und auch nicht die des Kreisvorstandes", betonte Döhler. "Denn man kann nicht auf der einen Seite ständig über zu geringe Löhne und die daraus folgende Altersarmut durch die geringe Rente reden, und dann funktioniert eine solche soziale Einrichtung nur, wenn das Personal dort ehrenamtlich arbeitet." Er kündigte eine Kreisvorstandssitzung an, in der darüber entschieden wird, ob die AWO das Engagement im Mehrgenerationenhaus fortführen werde.

Geschäftsführerin Angelika Würner schlug in ihrem Bericht in die gleiche Kerbe. "Unser Mehrgenerationenhaus wird nicht genug wertgeschätzt." Es sei das einzige Haus dieser Art im gesamten Landkreis. "Es steht somit allen Bürgern offen", hob Würner hervor. "Wir würden uns freuen, wenn sich die Landkreiskommunen finanziell mit beteiligen würden." Das Haus laufe super. "Doch wir können aber nicht laufend draufzahlen."

Hintergrund:

100 Jahre AWO

In der Kreiskonferenz läutete Kreisvorsitzender Thomas Döhler auch das Jubiläumsjahr unter dem Motto „100 Jahre AWO – Erfahrung für die Zukunft“ ein. In einem geschichtlichen Abriss ging er auf die Entwicklung der Arbeiterwohlfahrt ein, die sich am 13. Dezember 1919 aus einer sozialdemokratischen Frauenbewegung heraus gegründet habe. „100 Jahre später sind die Anliegen, mit denen Marie Juchacz 1919 die Arbeiterwohlfahrt gegründet hat, weiter aktuell.“ Frauenrechte, Vielfalt, Teilhabe, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Solidarität seien Themen, für die sich die AWO seit ihrer Gründung im Ehren- und im Hauptamt engagiere.

„Als AWO-Kreisverband sind wir ein Zahnrädchen in diesem großen Netzwerk“, stellte der Kreisvorsitzende fest. Mit den angebotenen Dienstleistungen sowie mit der Unterstützung der Mitterteicher Tafel leisteten die Mitarbeiter und ehrenamtlichen Helfer in den Ortsvereinen einen wichtigen Beitrag für die Ziele der AWO. Döhler kündigte eine Wanderausstellung zur AWO-Geschichte in den einzelnen Ortsverbänden an.

Unser Mehrgenerationenhaus wird nicht genug wertgeschätzt.

Geschäftsführerin Angelika Würner

AWO-Kreiskonferenz in der Stadthalle Erbendorf.
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