Das Wildgehege des Naturparks Steinwald ist aktuell das Ziel vieler Radfahrer und Wanderer. In der vier Hektar großen Anlage gibt es wieder Nachwuchs zu bestaunen. Am Sonntag, 7. September, werden besonders viele Zaungäste erwartet. Denn dann findet bei der kleinen Wirtschaft neben dem Gehege das traditionelle Waldhausfest der Steinwald-Allianz statt. Das Rotwildgehege ist eine der Attraktionen.
Vor allem Familien mit Kindern legen am Zaun derzeit öfter eine längere Pause ein, um einen Blick auf die Jungen zu erhaschen und das Erlebnis mit dem Fotoapparat oder der Handykamera festzuhalten.
Noch etwas unbeholfen tapsen die Jungen durch das Gehege. Die Kälbchen der größten heimischen Wildtierart suchen dabei den Schutz ihrer großen Familie. Zum Rudel gehören aktuell neben den drei Jungen zwei männliche Hirsche - Moritz und Ludwig -, fünf Hirschkühe und drei Schmaltiere (so heißen in der Jägersprache die im letzten Jahr geborenen Weibchen).
Bei Fütterung erstmals gesehen
Gehegebetreuer Volker Pöhlmann war einer der Ersten, die den Nachwuchs zu Gesicht bekommen haben. An unterschiedlichen Tagen hätten sie sich Ende Mai/Anfang Juni bei den täglichen Fütterungen erstmals gezeigt, berichtet er. Dass es Nachwuchs geben werde, habe er aber schon vorher gewusst. „Bei der täglichen Fütterung tauchten die Hirschkühe damals nur vereinzelt an der Futterstelle auf. Sie zogen es oft vor, im Unterholz zu bleiben“, erzählt Pöhlmann. Die Hirschkühe seien, obwohl an Menschen gewöhnt, zur Setzzeit scheuer als sonst und versteckten am Anfang ihren Nachwuchs im Unterholz oder im hohen Gras. Erst kurze Zeit nach der Geburt begännen die Jungen, mit ihrer Mutter und der Herde mitzulaufen.
Das 1971 vom Naturpark Steinwald erbaute, über 800 Meter hoch gelegene Wildgehege beim Waldhaus bietet den Tieren zahlreiche Versteck- und Rückzugsmöglichkeiten. Obwohl am Rande eine Aussichtskanzel steht, von der man weite Bereiche des Geländes überblicken kann, dauert es deshalb oft einige Zeit, bis man weiß, ob Nachwuchs da ist. Das Gelände ist sehr naturnah gestaltet. Neben einem Waldstück gibt es dort auch Wasserläufe, Sumpfstellen, Gestrüpp, Dickicht und Grasflächen.
Zufüttern ist wichtig
"Ohne Zufüttern geht es aber dennoch nicht", unterstreicht der Gehegebetreuer, der in Haselbrunn, einem Ortsteil der Gemeinde Pullenreuth, wohnt. Diese Aufgabe erledigt er zusammen mit seiner Familie mittlerweile seit über 36 Jahren. Täglich fährt Pöhlmann mit seinem Auto vom Wohnort im Auftrag des Naturparks Steinwald zum Gehege und kümmert sich um die Tiere. Diese Aufgaben erledigt der Naturpark nur dann selbst, wenn Volker Pöhlmann krank oder in Urlaub ist. „Wir müssen auch im Sommer füttern, das Gras auf den Freiflächen im Gehege reicht für die Tiere nicht aus“, erzählt der ehemalige Postbote.
In zwei Vorratshütten im Gehege bewahrt der Betreuer das benötigte Futter auf. Neben Heu hat er dort Grascobs, gequetschten Hafer, getrocknetes altes Brot, Semmeln, Kraftfutter und Futterrüben gelagert. Der derzeitige Renner beim 13-köpfigen Rudel sind aber Äpfel, wie Pöhlmann verrät. Von Freunden, Nachbarn und anderen bekommt er diese fast täglich geschenkt oder kann die Äpfel abholen. Am Gehege unterstützen den Betreuer oft auch Familien mit ihren Kindern, die dem Gehege einen Besuch abstatten und beim Füttern gerne helfen. Vor allem die Kinder haben dabei eine große Freude, wenn die Tiere an den Zaun kommen und das Rotwild die süßen Früchte fast aus der Hand frisst. Äpfel, getrocknetes, hartes Brot und Semmeln dürfe man dem Rotwild auch ohne seine Anwesenheit geben, sagt Volker Pöhlmann. Strengstens verboten hingegen sei es, Butterbrote oder Lebensmittel mit Zucker zu füttern.
Futterautomat aufgestellt
Am liebsten ist Volker Pöhlmann und den Verantwortlichen des Naturparks Steinwald, wenn Besucher das Futter aus dem Wildfutterautomaten direkt am Wildgehege nehmen. „Das steht im Speiseplan der Tiere ganz oben“, weiß Pöhlmann. "Für die kleinen Zwischenmahlzeiten benötigen die Besucher 50- Cent-Münzen", so Pöhlmann.
Zu Volker Pöhlmanns Aufgaben gehören übrigens auch Sichtkontrollen an der Zaunanlage, das Freihalten der Wasserläufe, Besorgungsfahrten, Futterkauf, Tierarztbehandlungen, Reparaturen und das Führen eines Gehegebuchs. Neben Geburten vermerkt er darin auch Zu- und Abgänge, Geweihabwürfe und Stangenfunde. Auch eine Zaunbeschädigung durch Schneebruch ist darin festgehalten. In einer Nacht im Februar 2022 fiel bei einem Wintersturm ein großer Baum auf die Einfriedung des Geheges. Der Zaun wurde dabei so stark niedergedrückt, dass der damalige Platzhirsch Max an dieser Stelle das Gehege verlassen konnte.
Nicht alltägliches Hobby
Die anderen Hirsche registrierten das Tor zur Freiheit zwar ebenfalls, zogen es aber vor zu bleiben, wie danach an den Spuren zu sehen war. Schmunzelnd erzählen Verantwortliche des Naturparks Steinwald seitdem, dass dies am guten Futter von Gehegebetreuer Volker Pöhlmann liege, das sie der ungewissen Freiheit im Steinwald vorgezogen hätten.
Natürlich hat Volker Pöhlmann in all den Jahren auch viele Fotos von "seinen" Lieblingen geschossen. Sie dokumentieren ein nicht alltägliches Hobby und großes Engagement für Landschaft, Tiere und Pflanzen im Steinwald.
Rotwildgehege beim Waldhaus im Steinwald
- Träger: Naturpark Steinwald
- Erbaut: 1971 durch den Naturpark Steinwald mit Unterstützung der Panzerpionierkompanie 100 aus Weiden.
- Größe: vier Hektar
- Tiere im Gehege: seit vielen Jahren meistens zwischen acht und dreizehn Tiere
- Nachwuchs im Gehege: 2025 drei, 2024 fünf, 2023 zwei, 2022 vier und 2021 vier Kälber. 2020 ein Rotwildkalb
- . Gehegebetreuer: 1973 bis 1989 Otto König, seit 1989 Volker Pöhlmann
- Besonderes: Futterautomat für Besucher am Gehege.
























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.