03.04.2020 - 13:35 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Pfarrer Martin Besold: "Die Sicherheiten dieser Welt kommen ins Wanken"

Kirchenbesuche sind wegen der Coronakrise momentan nicht möglich. Daher wenden sich in den nächsten Wochen evangelische und katholische Pfarrer über Oberpfalz-Medien an die Gläubigen. Hier schreibt der Erbendorfer Pfarrer Martin Besold:

Martin Besold ist seit 2010 Pfarrer in Erbendorf. Er ist 42 Jahre alt.
von Externer BeitragProfil

"Manche Menschen teilen mittlerweile ihr Leben schon ein in die Zeit ‚vor Corona‘ und ‚nach Corona‘. Sie haben nicht Unrecht. Dieses kleine Virus bestimmt doch gerade tatsächlich unser Leben. Vor einem Monat sah unser Alltag noch anders aus. In der dritten Woche der Ausgangsbeschränkungen haben wir uns schon daran gewöhnt, dass wir nicht mehr hinfahren können, wohin wir wollen und dass wir uns im gebührenden Abstand zueinander bewegen.

Das öffentliche Leben ist heruntergefahren, Telefonate oder E-Mails enden auffallend oft mit einem ‚Bleib gesund‘. Viele Menschen kümmern sich umeinander, und manche freuen sich daran, dass ihr Alltag jetzt (wenn auch notgedrungen) weniger hektisch ist als sonst. Allerdings zeigt die Corona-Pandemie gerade auch in unserem Landkreis ihre schreckliche Seite. Es gibt viele Infizierte, manch einer bangt um einen Angehörigen, einige haben liebe Menschen schon verloren.

In dieser Situation beginnen wir Christen an diesem Sonntag die wichtigste Woche des Kirchenjahres, die heiligste Woche der Christenheit. Es ist die ‚Karwoche‘ oder ‚Heilige Woche‘, wie sie auch genannt wird. Das ist für uns eine wichtige Zäsur. Es geht auf Ostern zu, das zentrale Fest unseres Glaubens.

Ich weiß: andere Zäsuren sind heuer wichtiger. Die Frage, wie lange noch die Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren, die Kurzarbeit und die Schule zuhause dauern wird; wie lange Oma und Opa nicht besucht werden dürfen; wann das Testergebnis jetzt kommt; oder wann es dem erkrankten Cousin endlich wieder besser geht. Trotzdem möchte ich Sie einladen, bewusst in die Karwoche zu gehen, diesen Sonntag für sich als Einschnitt zu sehen und im Herzen und mit dem Verstand das Osterfest mitzufeiern.

Denn schon am Palmsonntag bekommen wir das Drama des Lebens Jesu mit: Zunächst empfangen ihn die Leute von Jerusalem mit einem roten Teppich und Musik. Kleider und Zweige werden auf die Straße gestreut. Jesus wird als (inoffizieller) König, als großer Prophet, als Mann Gottes herausgestellt. Bald jedoch kippt die Stimmung.

Stimmen werden laut wie die folgenden: ‚Anderen hat er geholfen, soll er sich doch selber helfen‘, oder: ‚Wenn er Gottes Sohn ist, wie er von sich sagt, kann er doch auch vom Kreuz herabsteigen‘ (Matthäusevangelium, Kapitel 27). Jesus wird der Gotteslästerung angeklagt und stirbt am Kreuz. Genau an diesem Tiefpunkt gewährt uns die Bibel einen ersten Durchblick. Der Evangelist Matthäus schreibt, dass nach Jesu Tod die Erde bebt, und sich die Gräber der Toten öffnen (Matthäusevangelium, Kapitel 27). Das ist ein symbolisches Bild. Es zeigt uns an, was das Drama um Jesus in der Tiefe bewirkt und bedeutet: Als ER, der Gottessohn, stirbt, bricht unsere Welt des Todes auf. Die Sicherheiten dieser Welt kommen ins Wanken – wie wir das aktuell auch erleben. Darin bricht aber Leben durch – Leben, das von Gott kommt; Leben, das unzerstörbar, ewig ist.

So meine ich, lohnt es sich tatsächlich, dass wir heuer den Palmsonntag bewusst als neuen Einschnitt begehen, als Beginn der ‚Heiligen Woche‘ begehen. Wir Christen können uns dazu nicht in unseren Kirchen versammeln. Wir können nicht die frohen und bunten Palmprozessionen begehen. Wir müssen ausweichen auf den Gottesdienst zuhause, über Fernsehen, Radio oder Internet.

Unsere Pfarreien und Gemeinden überlegen sich aktuell Vieles, wie wir heuer das Osterfest auf anderen Wegen erleben und feiern können. Und: Jede und jeder von uns kann am Palmsonntag mit Herz und Verstand innerlich mitfeiern.

Dazu hilft uns zum Beispiel der Brauch der ‚Palmzweige‘ oder ‚Palmsträußchen‘. Sie erinnern uns daran, dass Menschen beim Einzug Jesu in Jerusalem Zweige von den Bäumen schnitten und auf den Weg streuten. Die grünen Zweige, die zuhause ans Kreuz gesteckt werden, oder die Palmsträußchen aus Buchs oder anderem Grünzeug sagen uns aber noch mehr: sie zeigen die erwachende Natur, das blühende Leben des Frühlings, der auch heuer nicht ausfällt. Und: Sie sind ein Zeichen, dass Jesus den Tod überwunden hat, und dass das Leben letzten Endes siegen wird.

Wenn das keine neue Hoffnung ist, ein Einschnitt in der manchmal lähmenden Ungewissheit in dieser Zeit der Corona-Pandemie?

Mit den Palmsträußchen in der Hand geht zu Beginn der Karwoche unser Blick auf Gott, der uns hält und trägt – auch durch die Zeit der Corona-Pandemie hindurch."

Einen gesegneten Sonntag und einen guten Auftakt in die „Heilige Woche“ wünscht allen Pfarrer Martin Besold aus Erbendorf.

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