28.06.2020 - 15:50 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Pfarrer strampeln sich in Erbendorf für Ökumene ab

Vor 100 Jahren ist das Simultaneum in Erbendorf aufgelöst worden. Die beiden Konfessionen feierten dies am Sonntag mit einem ungewöhnlichen Gottesdienst.

Die beiden Pfarrer Martin Besold und Christoph Zeh (von links) strampelten sich gemeinsam auf einem Tandem ab.
von Externer BeitragProfil

Auf einem Tandem eröffneten der katholische Pfarrer Martin Besold und sein evangelischer Amtskollege Pfarrer Christoph Zeh den ökumenischen Gottesdienst am Sonntag im Sportzentrum am Kreinzl. Der katholische und der evangelische Seelsorger radelten im flotten Tempo auf dem Tandem einmal um den Fußballplatz. Eine Abordnung des Zitherclubs ließ dazu ein schmissiges Stück erklingen.

Anlass der Feier war das Simultaneum. Bis 1920 bestand es in Erbendorf, was bedeutete, dass beide Konfessionen bis dahin die heutige katholische Pfarrkirche gemeinsam genutzt hatten. Die katholische Gemeindereferentin Roswitha Heining erklärte zu Beginn die Bedeutung der unterschiedlichen liturgischen Gewänder der beiden Seelsorger. Der schwarze Talar des evangelischen Pfarrers sei ein Gewand, das auch von Rechtsanwälten, Staatsanwälten und Richtern getragen werde. König Friedrich Wilhelm III. von Preußen habe 1811 verfügt, dass Professoren, Richter, Beamte und eben auch Seelsorger diesen zu tragen hätten. Die Pfarrer sollten in der Liturgie auch das weiße Beffchen tragen. So wurden Talar und Beffchen die liturgische Kleidung im evangelischen Gottesdienst.

Die Stola des katholischen Priesters sei ein typisches Erkennungsmerkmal des liturgischen Gewandes. Sie liege auf der Schulter auf und solle zeigen, dass das Amt des Seelsorgers auch eine Bürde, eine Last, sein könne. Unter der Stola trage der Pfarrer die weiße Albe. Sie erinnere an das Taufkleid und somit an die Taufe eines Christen. In ihren unterschiedlichen Gewändern begrüßten Seelsorger die zahlreichen Gläubigen auf der Zuschauertribüne. Die Seelsorger betonten, dass über zwei Jahrhunderte evangelische und katholische Christen im gleichen Gotteshaus den Glauben gefeiert hätten. Eine Zeit, die nicht immer von friedvollem Umgang und Rücksichtnahme geprägt gewesen sei. 100 Jahre später feierten nun beide Konfessionen gemeinsam einen Gottesdienst. Die gelebte Ökumene habe evangelische und katholische Christen wieder ein Stück näher gebracht. Die Feier am Sportplatz zeige dies. Man treffe sich nicht in einer der beiden Kirchen, sondern in Gottes freier Natur. Dazu passte auch das Evangelium vom Sämann, auf das beide Seelsorger in einer Dialogpredigt eingingen. Pfarrer Besold erläuterte, dass die Erfahrung eines Sämanns etwas über das Verhältnis zu Gott erzählen kann. Längst nicht alles, was gesät wird, geht auf und gibt Frucht, erläutert er. Dort,wo es guten Ackerboden gebe, wo das Herz und die Seele Nährboden seien, gehe das Wort Gottes auf, sagten die Pfarrer.

Der Ackerboden war ein wichtiger Aufhänger für diesen besonderen Gottesdienst. Denn in der Zeit des Simultaneums hätten beide Konfessionen einen gemeinsamen Ackerboden gehabt. Manchmal habe dies gut funktioniert und das Wort Gottes habe gute Früchte in den beiden Gemeinden getragen, manchmal aber auch nicht.

Pfarrer Christoph Zeh verglich die beiden Konfessionen mit Geschwistern. Da sich beide Konfessionen ein Zimmer, das Gotteshaus, teilen mussten, sei es zu großen Rivalitäten gekommen, erwähnte der evangelische Seelsorger. Dazu führte er einige Beispiele aus der Geschichte an, über die man heute nur den Kopf schütteln könne. Sie hätten nicht dazu geführt, dass Früchte gut gewachsen seien.

Zwei Sämänner

Pfarrer Besold fuhr mit dem Gedanken fort, dass durch das Simultaneum zwei Sämänner zugange waren. "Der eine pflanzt etwas und der andere reißt es wieder aus", so Besold. Das könne nicht gut gehen. Hier brachte Besold wieder das Tandem ins Spiel. Nur wenn beide in die Pedale träten und der Rhythmus stimme, komme man vom Fleck. Pfarrer Zeh blieb bei dem Bild der Geschwister in einer Familie. Vor 100 Jahren habe jeder sein eigenes Zimmer bekommen. Die Pfarrkirche ging an die katholischen und die evangelischen erhielten die Veitskirche sowie das Kommunbrauhaus mit Grundstück. Auf diesem wurde dann die Martin-Luther-Kirche errichtet. Die beiden Geschwister konnten sich nun in ihren Zimmern gut entwickeln und durch den gemeinsamen Glauben verbunden bleiben. Der ökumenische Gottesdienst zeigte eindrucksvoll, dass man 100 Jahre später miteinander Gott loben kann. Mit einem Danklied, begleitet vom Zitherclub, ging ein außergewöhnlicher Gottesdienst zu Ende.

Auch die unterschiedlichen Gewänder der beiden Seelsorger wurden erläutert.
Der Gottesdienst fand unter freiem Himmel im Sportzentrum am Kreinzl statt.
Der Zitherclub gestaltete die Feier musikalisch.
Die Gläubigen nahmen auf der Tribüne des Stadions Platz, die sonst von Fußballfans belagert wird.
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