16.09.2018 - 14:33 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Powerfrauen der Pfarrei

Der Frauen- und Mütterverein ist nicht nur eine der ältesten Gemeinschaft in der Stadt Erbendorf, er ist auch eine der größten. Rund 330 Frauen gehören ihm an. Ihnen gilt der Dank zum 135Jubiläum. Für einige gibt es Urkunden und Blumen.

Sieben Jubilarinnen danken die Vorstandsmitglieder Waltraud Köllner (rechts) und Marianne Forster (Dritte von rechts) sowie Pfarrer Martin Besold für jeweils 50 Jahre Treue zum Frauen- und Mütterverein.
von Jochen NeumannProfil

"Ein Jubiläum ist auch Grund, Danke zu sagen", stellte Vorstandsmitglied Waltraud Köllner beim Festnachmittag fest. Pfarrer Martin Besold hob in einem Grußwort die gute Arbeit des Vereins in der katholischen Pfarrei hervorhob. "Die Frauen sind zur Stelle, wenn man sie braucht." Besonders sprach er den Palmbüschel-Verkauf zu Ostern, die Basare und die Mitarbeit bei Gottesdiensten hervor.

Köllner ging zuerst auf die Geschichte der Müttervereine ein, die 1850 im französischen Lille begann. Damals haben sich französische Mütter aus Erschütterung über den Tod einer jungen Mutter zu einer privaten Gebetsgemeinschaft zusammengeschlossen. "Dabei ging es ihnen um den tiefsten Sinn christlicher Mutterschaft, das anvertraute Leben ihrer Kinder und Familien zu Gott zu führen." Die Gottesmutter Maria wählten sie zu ihrer Fürsprecherin. "Der erste Mütterverein war entstanden und Papst Pius IX. erhob die Müttervereine zu einer kirchlichen Bruderschaft mit reichen Gnaden und Ablässen."

Schon 1868 sei die gegründete Bruderschaft der christlichen Mütter St. Ägidien in Regensburg Mittelpunkt aller deutschsprachigen Müttervereine geworden. 1872 habe es bereits 7264 Vereine aus 72 Diözesen gegeben. "Mit 135 Jahren zählt unser Verein mit zu den ältesten Vereine der Stadt", stellte Köllner fest. 1883 sei dieser als "Christlicher Mütterverein" gegründet worden. Erster geistlicher Beistand sei Pfarrer Joseph Maier gewesen, der bis 1910 in der Pfarrei wirkte. Die Rednerin bedauerte, dass die genaue Namen der Vorstandsfrauen beziehungsweise der Mitglieder aus dieser Zeit nicht mehr überliefert seien.

Während des Ersten Weltkrieges entsandten Pfarrer Franz Xaver Fleischmann und der Leiterin des Müttervereins, die Frau des Bezirksoberlehrers Dobmeier, alljährlich an Weihnacht jedem Krieger aus Erbendorf und Umgebung ein Paket mit reichen Gaben und einem Gruß. Am 8. Dezember 1915 ließ der Christliche Mütterverein auch ein Kriegswahrzeichen, einen mannshohen Leuchter, benageln, wüsste Köllner. Heute befindet sich dieser im Heimat- und Bergbaumuseum. Die Einnahmen aus der Benagelung kam wohltätigen Kriegszwecken, wie sogenannten "Liebespaketen", zugute. Während des Dritten Reiches kam die Vereinsarbeit zum Erliegen.

In den Nachkriegsjahren benannte sich die Gemeinschaft in katholischer Frauen- und Mütterverein um. Dieser ist laut Köllners aus dem Pfarrleben nicht mehr wegzudenken. "Wir sind Powerfrauen", stellte sie fest. "Wir reinigen die Pfarrkirche, stehen als Lektorinnen und Kommunionhelferinnen zur Verfügung und wenn Not am Mann ist, übernehmen wir auch den Mesnerdienst." Auch der seit 30 Jahren bestehende Seniorenkaffee gehe auf die Initiative des Müttervereins zurück. Vor einigen Jahren habe sich daraus ein Spielenachmittag entwickelt.

Durch Veranstaltungen können immer wieder Anschaffungen für die Pfarrei getätigt und caritative Einrichtungen unterstützt werden. Heute gehören rund 330 Frauen dem Mütterverein als Mitglieder an. "Damit der Mütterverein mit Leben erfüllt ist und wir unsere Veranstaltungen durchführen können, braucht es viele helfende Hände", schloss Köllner: "Danke für all die großen und kleinen Dinge."

Ein Dankeschön sprach sie auch allen Mitgliedern aus, die die Veranstaltungen besuchen, aber auch denjenigen, die die Arbeit durch ihre Treue unterstützten, sowie Pfarrer Besold, der "für uns immer ein offenes Ohr hat und unseren Belangen und Wünschen wohlwollend gegenüber steht".

Hintergrund:

Knapp 25 Frauen standen zur Ehrung für 25, 30, 40- und 50-jährige Mitgliedschaft an. Allerdings konnten aber nicht alle an der Veranstaltung teilnehmen. An die Jubilare überreichten Vorstandsmitglied Waltraud Köllner und Pfarrer Martin Besold die Urkunden. So gehören unter anderem bereits 50 Jahre Lieselotte Gerschau, Justine Kreuzer, Berta Meister, Maria Melzner, Anneliese Mergner, Theres Schraml und Irmgard Wächter der Gemeinschaft an. Nicht zuletzt konnte Köllner mit Karin Franz und Apollonia Savidis zwei neue Mitglieder begrüßen. (njn)

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