"Ja, wir freuen uns natürlich", sagte Carina Ascherl, die Leiterin der Steinwaldklinik Erbendorf am Freitagnachmittag. Ihre Freude galt dem Besuch einer Delegation des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) am Internationalen Frauentag. Eine recht große Abordnung, darunter Ortskartellvorsitzende Christine Trenner aus Erbendorf, beschenkte das Pflegepersonal mit roten Rosen und Bonbons. Ascherl fand diese kleine, nette Geste deshalb groß, weil mit dem Symbol der roten Rose die wichtige Stellung der Frauen in der Gesellschaft öffentlich anerkannt werde. "Bei uns im Haus gibt es sowieso keine Unterschiede", betonte sie.
Doch das ist nicht überall der Fall. Zwar sah DGB-Regionalbeauftragte Petra Schilling kleine Fortschritte seit der Einführung des Wahlrechts für Frauen vor 100 Jahren, jedoch galt ihre Kritik nach wie vor dem vorherrschenden Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern. Schillings größter Wunsch am Frauentag war "endlich gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Dies sei auch Grund für die Renten-Ungleichheit. "Frauen haben in Deutschland durchschnittlich nur 550 Euro Rente", sagte Schilling und verwies auf das Nachbarland. "In Österreich bekommen die Frauen bei einem Renteneintrittsalter von 60 Jahren doppelt so viel Rente." Und bei der Frauenquote seien Länder wie Polen und in Skandinavien mit 30 bis 40 Prozent Deutschland weit voraus.
Die Gewerkschaftlerin wünschte sich deutlich mehr Frauen in Führungspositionen. "Was uns allen auch gut tun würde." Noch immer seien zu viele Männer Entscheidungsträger, deshalb sei Gleichberechtigung auch im Jahr 2019 keine Selbstverständlichkeit.
DGB-Regionalsekretär Peter Hofmann appellierte an die Frauen, bei der Europawahl ihre Stimmen an Frauen zu vergeben. Für Christine Trenner ist Lohngerechtigkeit das große Ziel der Zukunft, auch im Hinblick auf die Rentenunterschiede. Da der Niedriglohnsektor hauptsächlich weiblich besetzt sei, treffe das automatisch immer die Frauen. Trenner erzählte, wie sie bei der Einschulung ihres Kindes schief angeschaut worden sei wegen ihrer Berufstätigkeit. Vieles habe sich wenigstens bis heute bereits zum Positiven geändert, wenn auch langsam.














Angemerkt
Rosen für Frauen: eine schöne Geste am Internationalen Frauentag. Leider haben diese Rosen immer noch zu viele Dornen. Denn Ungerechtigkeit kann sehr verletzend sein. Ein Beispiel aus dem Landkreis: drei Geschwister kurz vor der Rente. Der Bruder hat sich in über 43 Jahren Arbeit eine Karriere aufgebaut und darf sich auf eine schöne Rente freuen. Die ältere Schwester hat keine Kinder und konnte lückenlos ihre Rente mit einem krisensicheren Job am Amt einbezahlen. Die jüngere Schwester hat elf Jahre lang drei Kinder erzogen und musste dann, um ihre Karriere wieder in Schwung zu bringen, etliche Jahre selbstständig arbeiten.
Während ihre Geschwister dank dem Gesetzgeber vorgezogen im Alter von 63 und 64 Jahren ihre recht guten Renten genießen werden, muss sie bis zum Alter von 66,5 Jahren weiterarbeiten. Und sie stellt sich schon jetzt darauf ein, dass sie im Rentenalter ohne Zusatzverdienst nicht über die Runden kommen wird. Insgesamt hat die Mutter in ihrem Leben wesentlich mehr an Stunden gearbeitet als ein Berufstätiger jemals leisten kann. Warum werden Mütter derart abgestraft? Die Lobby der Gutverdienenden ist groß. Je mehr Verdienst, desto größer die Rente. Eine Lobby für Mütter gibt es nicht. Während Männer Karriere machen, machen Frauen finanzielle Abstriche. Und das ist gestern wie heute so. Heißt es nicht, alle sind gleichermaßen verantwortlich für das Wohl der Familien und damit für die Zukunft des Landes? Gleiche Rechte, gleiche Pflichten, gleiche Rente? Bei den Müttern versagt der Rechtsstaat auf ganzer Linie. Er sollte sich was schämen.
Ulla Britta Baumer