11.06.2019 - 10:27 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Sport, Musik und Blick zurück beim TSV Erbendorf

125 Jahre Turn- und Sportverein mit Höhen und Tiefen. Heute präsentiert er sich als junggebliebener Verein mit über 1000 Mitgliedern in sechs Sparten. Von Donnerstag bis Sonntag wird in Erbendorf gefeiert.

Der Turnverein Erbendorf im Jahr 1904 im Frühlingsgarten. Mit auf dem Bild Gründungsvorstand Musikmeister Adam Kapl (zweite Reihe siebter von links), Ehrenbürger Theodor Roll (erste Reihe sitzend vierter von links) und Benefiziat Franz Seraphim Lederer (sitzend erster von rechts ... mit dem Griff zum Maßkrug)
von Jochen NeumannProfil

„Frisch – Fromm – Fröhlich – Frei.“ Ganz nach dem Motto des Turnvaters Jahn feiert der Turn- und Sportverein in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Grund genug, einmal einen Blick in die Geschichte des Vereins zu werfen. In der Steinwaldstadt wurde der Sportgedanke bereits früh aufgegriffen. Denn bereits von 1861 bis 1869 gab es einen Turnverein, aus denen sich die ersten Feuerwehrleute rekrutierten. Der heutige Turn- und Sportverein wurde am 3. März 1894 als Turnverein Erbendorf in der Wohnstube des Spediteurs Wilhelm Rose ins Leben gerufen. Gründungsvorstand war Musikmeister und Stadttürmer Adam Kapl.

Die Turnstunden wurden in verschiedenen Gaststätten sowie im früheren städtischen Feuerwehrhaus in der Alten Rathausgasse durchgeführt. Übungsstunden wurden auch beispielsweise im Biergarten der Gaststätte „Frühlingsgarten“ in der Kemnather Straße abgehalten. Ein erster Höhepunkt in der jungen Vereinsgeschichte war im Jahr 1904 die Fahnenweihe. 1914 erstellten die Turner aus einem Acker in der heutigen Jahnstraße ihren ersten eigenen Turnplatz. Im Juli 1921 fand die Grundsteinlegung der vereinseigenen Turnhalle, der späteren Stadthalle, statt und bereits zum Jahresende war der Bau fertig gestellt. Damals wurde sie als „eine der schönsten Turnhallen in der Oberpfalz“ bezeichnet.

Beim 10. Bayerischen Landesturnfest in Bamberg im Jahre 1926 erwarb eine Riege von 12 Erbendorfern den ersten Preis im Vereinswettturnen in der Stärkeklasse D mit der Note „Sehr gut.“ Besonders stolz waren die Erbendorfer Turner, ihre Übungen seiner königlichen Hohheit, Kronprinz Rupprecht von Bayern, vorzuführen.

Soziale Unruhen und Inflation machten auch nicht vor dem Turnverein halt. Infolge politischer Spannungen wurde am 4. August 1923 in der Gastwirtschaft „Zum Frühlingsgarten“ der Arbeiter Turn- und Sportverein „Frischauf Erbendorf-Altenstadt“ gegründet, dem sofort 66 Mitglieder beitraten. Doch bereits im Jahre 1933, nach der Machtergreifung Hitlers wurde der Arbeiter Turn- und Sportverein verboten und dessen Gerätschaften eingezogen.

Ebenfalls aufgelöst wurde 1933 die bestandene Deutsche Jugendkraft Erbendorf, kurz DJK. Gegründet wurde sie 1927 vom katholischen Pfarrer Max Gsödl im Volkshaus.

Mit der Gleichschaltung im Dritten Reich bestand in Erbendorf nur noch der Turnverein „Deutsche Turnerschaft“. Jedoch hat sich in der Porzellanfabrik in Erbendorf eine Betriebssportgemeinschaft aus der Belegschaft gebildet, in der alle bisherigen Sportler sich zunächst eingefunden hatten.

Der Zweite Weltkrieg brachte den Sport in Erbendorf zum Erliegen. Denn zahlreiche Sportler zogen in den Krieg, aus denen viele nicht mehr heimkehrten. Die Vereinstätigkeit wurde vernachlässigt und eingestellt. Aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt im Jahr 1942 der Verkauf der Turnhalle an die Stadt Erbendorf.

Neugründung 1946

Nicht einmal ein Jahr nach Kriegsende wurde am 10. Februar 1946 im Gasthof „Zum roten Roß“ von 75 Mitgliedern der Turn- und Sportverein aus der Taufe gehoben. Von Beginn an erklärte sich der TSV als Nachfolgeverein für den 1894 gegründeten Turnverein.

Erste Aufgabe des TSV-Vorstandes war die Anlage eines neuen Fußballplatzes. Es bot sich dabei das alte Bergwerksgelände am Meinauweg an. Geld war vorhanden. Denn die Stadt Erbendorf hatte eine Rücklage aus dem Verkauf des Schleifangers an die Porzellanfabrik zur Erweiterung des Betriebsgelände in Höhe von 22 000 Reichsmark gebildet, die zweckgebunden für einen anderen Platz festgelegt waren. Was auf dem neuen Fußballplatz am Bergwerk noch fehlten, waren Umkleidekabinen für die Fußballer. Mit viel Engagement, Hand- und Spanndiensten wurde 1957 das Sportheim fertiggestellt.

Mit der Eröffnung des Freibades im Jahr 1963 rückte auch das Schwimmen in den Fokus des Turn- und Sportvereins.

Zu Beginn der 1960iger Jahre war an einem geregelten Turnbetrieb in der Turnhalle nicht mehr zu denken. Denn aufgrund der zahlreichen Veranstaltungen fand sich nicht einmal mehr Platz für die Aufbewahrung der Sportgeräte. Eine Lösung kam mit der Erweiterung der Volksschule 1968. Denn es erfolgte auch der Bau der Schulturnhalle mit Sportaußenanlagen.

Ein langgehegter Wunsch ging 1993 mit der Fertigstellung des Sportzentrums im Kreinzl für den TSV in Erfüllung. Auf städtischem Grund errichtete der TSV sein neues Vereinsheim mit Sportgaststätte und Kegelbahn. Übrigens wurde damals aufgrund der Einweihung des Sportzentrums das 100-jährige Gründungsfest um ein Jahr vorgezogen.

Der Ruf nach einer Mehrzweckhalle wurde bereits bei den Planungen zum Sportzentrum laut, konnten damals aber aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden. Im Jahr 2008 wurde durch die Stadt an der Schule die Doppelsporthalle fertiggestellt, die von den Sparten des TSV rege genutzt werden.

Waren nach der Gründung 1946 im TSV zunächst Fußball und Turnen die vorherrschenden Sportarten, kamen bereits in den Nachkriegsjahren die Sparten Boxen und Radsport sowie die Sparte Leichtathletik hinzu. In den Siebziger Jahren entstanden die Sparten Eisstock, Wandern und Schwimmen.

Heute kann der TSV mit einem umfangreichen sportlichen Angebot in den Sparten Fußball, Kegeln, Ski, Tennis, Tischtennis und Turnen aufwarten. Aktiver Wettkampfsport wird ebenso betrieben wie Breitensport. Nicht zu vergessen die Tanzgruppen der Sparte Turnen, die über die Region hinaus Erfolge vorzuweisen hat.

Im Jubiläumsjahr gehörten dem Turn- und Sportverein über 1000 Mitglieder an. Damit gehört der Verein zu einem der größten Sportvereine im Landkreis Tirschenreuth.

Vier Tage wird gefeiert

Vom 13. bis 16. Juni wird das 125-jährige Gründungsfest im Festzelt im Sportzentrum Kreinzl gefeiert.

Eröffnet wird das Fest am Donnerstag um 19 Uhr mit einem Festkommersabend. Neben den TSV-Mitgliedern und geladenen Gästen ist auch die Bevölkerung eingeladen. Für die Umrahmung sorgt der Zitherclub Erbendorf und die Tanzgruppen der Sparte Turnen. Am Freitagabend geht es um 19 Uhr mit dem Bieranstich mit „Bäff“ beim Weißbierfest weiter. Für Stimmung sorgt ab 21 Uhr die Band „Lederhosen Lackl“. Mit dabei, der Weißbierstand der Brauerei Jacob aus Bodenwöhr. Der Eintritt beträgt ab 20.30 Uhr fünf Euro.

Der Samstag wird um 14 Uhr mit einem Fußball-Hobbyturnier in der Kreinzl-Arena eröffnet. Heiß her geht’s ab 21 Uhr im Festzelt bei der Partynacht mit „Pop nach 8“. Karten sind im Vorverkauf unter nt-ticket für neun Euro erhältlich, an der Abendkasse für zehn Euro. Sportlich beginnt der Sonntag um 12 Uhr mit einem Fußball-Nachwuchsturnier. In den Pausen zeigen die TSV-Tanzgruppen ihr Können. Um 17 Uhr findet die Siegerehrung im Festzelt statt. Der Musikant Walter Kobel übernimmt ab 18 Uhr den Festausklang.

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