16.05.2019 - 13:37 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Stilmix zum Jubiläumskonzert

Stefanie Rüger und Holger Popp stehen seit 20 Jahren an der Spitze des Erbendorfer Kirchenchors. Für das Jubiläum haben sich die Kirchenchorleiterin und der Organist etwas besonderes einfallen lassen.

Kirchenchorleiterin Stefanie Rüger und Organist Holger Popp arbeiten seit 20 Jahren zusammen. Gemeinsam mit dem Kirchenchor, den "Cantemus Kids", dem Vocal-Ensemble "ad hoc" und mehreren Instrumentalisten studieren sie ein Jubiläumskonzert ein.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Eigentlich nur für ein Konzert übernahmen die Reutherin Stefanie Rüger (41) und der Windischeschenbacher Holger Popp (39) den Kirchenchor in Erbendorf. Dann kam es doch anders. Am Sonntag, 19. Mai, um 19 Uhr feiern die Geschäftsführerin der "KFB Baumanagement GmbH" und der Mittelschullehrer mit einem Konzert ihr Jubiläum. Sie erzählen im Interview von ihrer ehrenamtlichen Arbeit, lustigen Erlebnissen, Herausforderungen und den größten Veränderungen des Chores.

ONETZ: Ihr kümmert euch seit 20 Jahren, damit der Kirchenchor in Erbendorf läuft. Eine lange Zeit!

Rüger und Popp: Rüger: Wir haben mit Erschrecken festgestellt, dass wir seit 1999 den Kirchenchor hier leiten.
Popp: Ich hab auch überlegt: Haben wir wirklich schon 20 Christmetten gesungen? Aber wenn man bedenkt, dass wir schon drei Pfarrer miterlebt haben, kommt das schon hin.
Rüger: Und eigentlich machen wir das ja nur übergangsweise - seit 20 Jahren.

ONETZ: Wieso das?

Rüger und Popp: Popp: Die Stadtpfarrkirche feierte 1999 200-jähriges Bestehen. Es gab zwar einen Kirchenchor, aber der Leiter hatte kurz vorher aufgehört.
Rüger: Der damalige Pfarrer hat mich angerufen und gefragt, ob ich die Leitung des Chores nicht übernehmen könnte, wenigstens zum Jubiläumsgottesdienst. Weil ich aber schon meinen Kirchenchor in Premenreuth hatte, musste ich erst meine Sänger fragen, ob sie sich vorstellen können, gemeinsam mit den Erbendorfern zu singen – für dieses eine Konzert.
Popp: Und irgendwie sind wir dann dabei geblieben. Uns hat danach niemand mehr gefragt, ob wir das weiter machen wollen.

ONETZ: Wie kam die Zusammenarbeit zwischen euch zustande? Kanntet ihr euch vorher?

Rüger: Kennengelernt haben wir uns in Premenreuth. Wir sind beide in der Kirche aufgetaucht, weil jeder von uns dachte, dass er Orgeldienst hat. Ich hatte ganz vergessen, dass ich doch nicht dran war. Aber mir war's ganz recht, dass Holger aufgetaucht ist, weil mein Opa an dem Sonntag Geburtstag gefeiert hat. Ich hab Holger dann aber gleich in die Chorprobe eingeladen. Und seit 1997 funktioniert diese Zusammenarbeit wunderbar.

ONETZ: Wie teilt ihr euch die Aufgaben auf?

Rüger und Popp: Rüger: Ich leite den Kirchenchor und Holger ist unser Organist und Organisator.
Popp: Es gehört schon viel dazu. Wir sind beide berufstätig und machen das ehrenamtlich. Es geht nicht nur ums Dirigieren, wir organisieren auch die Literatur, stellen Orchestermessen zusammen, sprechen uns mit dem Pfarrer ab und machen einen Plan, welcher Chor, welches Ensemble wann auftritt.
Rüger: Aber zu zweit funktioniert das alles besser. Bei einem Gottesdienst ohne Holger fühle ich mich wie eine Anfängerin.
Popp: Das gilt aber auch für mich. Orgelspielen und dem Chor Einsätze geben klappt nicht so gut.

ONETZ: Ihr habt den Chor übernommen, da wart ihr 19 und 21 Jahre alt. Wie hat das geklappt?

Rüger und Popp: Popp: Klar, das hätte auch total schiefgehen können, aber die Sänger haben von Anfang an alles mitgemacht. Auch neue Methoden. Besonders vom Einsingen waren die Sänger anfangs nicht überzeugt.
Rüger: Auch die Zusammenarbeit mit unserem Chef, dem Pfarrer, hat die ganzen Jahre super funktioniert. Wir hatten immer freie Hand.

ONETZ: Hat sich der Chor verändert?

Rüger und Popp: Popp: Ich denke schon, dass wir in unseren Möglichkeiten gewachsen sind. Als Sänger sind wir versierter, wir gewinnen miteinander an Sicherheit. Wir sind mittlerweile über 35 Leute. Unsere Alterstruktur ist etwas untypisch, wir haben viele Sänger von unter 20 bis etwa 30, dann aber auch welche mit über 70 Jahren. Dass wir einen vierstimmigen Kirchenchor haben ist schon was besonderes. Da sind wir hier in Erbendorf gesegnet. Anderswo verschwinden immer mehr Kirchenchöre, das ist schade.
Rüger: Wir sind sehr stolz auf unseren Chor. Man merkt jeden der dabei ist. Hoffentlich halten die Sänger es noch weiter mit uns aus. Was wären wir ohne Chor?
Popp: Wenn man sich mit dem Chor was aufbaut und Erfolge feiert, ist es im Nachhineien eine Kunst, das Level beständig zu halten.

ONETZ: Habt ihr ein paar Anekdoten parat?

Rüger und Popp: Rüger: Da gibts viele! Bei unserem allerersten Konzert hatten wir Angst, dass unser Repertoire zu klein ist. Neben Adventsliedern hatten wir dann noch andere Sachen ins Programm genommen.
Popp: Wir hatten keine Erfahrung. Wie lang dauert ein Ortswechsel, kommt Zwischenapplaus? Das Konzert hat dann 2,5 Stunden gedauert.
Rüger: Manchmal sind die Sänger mit der Liedauswahl nicht einverstanden. Manche Lieder hasst der Chor wie die Pest, sie sagen schon immer: Die Noten lassen wir irgendwann verschwinden. Aber Holger versuchts immer wieder.
Popp: Ich seh schon wenn Notenblätter im Stapel immer weiter nach unten wandern oder nach hinten geschoben werden.
Rüger: Unser Orchester karren wir aus dem ganzen Landkreis zusammen, aus Immenreuth, Kemnath, Waldsassen. Die Leute sagen oft: Sowas verrücktes wie euch haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Ein Trompeter kam mal zu einem Konzert und meinte: "Was spielen wir denn heute? Ich glaub die Noten hab ich gar nicht dabei!"
Popp: Ich schon mal einen Gottesdienst ohne dich angefangen.
Rüger: Stimmt. Ich hab mich vor der Kirche verratscht und auf einmal hör ich dich orgeln.

ONETZ: Klingt nach einer lustigen Zusammenarbeit!

Rüger: Wir lachen viel miteinander, auch mit den Sängern. Das ist sehr wichtig. Und das hört man auch indirekt beim Singen, finde ich, wenn die Stimmung passt.

ONETZ: Gabs auch mal schwere Zeiten?

Rüger und Popp: Rüger: Gerade als meine beiden Söhne noch sehr klein waren, wurde Holger nach Oberbayern versetzt. Alleine hätte ich das nicht weitergemacht.
Popp: Also bin ich jeden Mittwoch nach der Arbeit in die Oberpfalz gefahren, war bei der Chorprobe und bin dann nachts wieder nach Oberbayern gefahren. Fünf Jahre lang.

ONETZ: Was macht euch am Singen im Kirchenchor besonders Spaß?

Rüger und Popp: Rüger: Für mich sind die Proben wie eine Oase. Oft hab ich keine Lust, aber dann geh ich hier her und die schlechte Laune ist weg.
Popp: Singen ist für mich eine Wohltat. Man vergisst alles um sich herum. Es fordert einen komplett. Die Proben am Mittwoch sind wie eine Energie-Tankstelle.

ONETZ: Habt ihr euch was Besonderes für das Jubiläumskonzert überlegt?

Rüger und Popp: Rüger: Wir haben nur Sachen ausgesucht, die uns gefallen. (lacht)
Popp: Die Lieder passen zur Oster- und Marienzeit. Es ist aber auch nichts, was wir permanent singen. Wir mischen vom Stil und in den Epochen. Das ist das schöne an der Kirchenmusik.

ONETZ: Welche Ensembles sind ins Jubiläumskonzert eingebunden?

Popp: Beim Konzert sind der Kirchenchor, die „Cantemus Kids“, das Vocal-Ensemble „ad hoc“ und Instrumentalisten dabei. Es gibt ein Stück – „Alle Dinge dieser Welt“ von John Rutter – bei dem alle gemeinsam mitwirken. Das Jubiläumskonzert wird aber nicht so groß wie unser Weihnachtskonzert mit 600 Besuchern. Für unser Jubiläum wollen wir einen kleineren Rahmen.

ONETZ: Würdet ihr auch die nächsten 20 Jahre weitermachen – also übergangsweise?

Rüger und Popp: Ja sicher, wir sind schon sehr dankbar für die Zeit. Wenn uns der Chor nochmal so lange aushält.

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