Erbendorf
23.07.2018 - 18:18 Uhr

Tante-Emma-Laden auf Rädern

„Daheim versorgt – im Netz und vor Ort.“ Unter diesem Motto startet der „Mobile Dorfladen“ der Steinwald-Allianz. Der MAN 12-Tonner mit Verkaufsladenaufbau wird in Anwesenheit von Staatsminister Franz Josef Pschierer vorgestellt.

Schlüsselübergabe für das neue MAN-Fahrzeug. Auf dem Bild (von links) Geschäftsführer Martin Schmid, Bürgermeister Hans Donko, der bayerische Staatsminister Franz Josef Pschierer, MAN-Regionalleiter Martin Zaindl und Professor Dr. Alexander Pflaum. njn
Schlüsselübergabe für das neue MAN-Fahrzeug. Auf dem Bild (von links) Geschäftsführer Martin Schmid, Bürgermeister Hans Donko, der bayerische Staatsminister Franz Josef Pschierer, MAN-Regionalleiter Martin Zaindl und Professor Dr. Alexander Pflaum.

(njn) Zur Übergabe des Fahrzeugs vor der Stadthalle begrüßte der Vorsitzende der Steinwald-Allianz, Bürgermeister Hans Donko, Vertreter der Regierung der Oberpfalz, Bürgermeisterkollegen, die an der Entwicklung des mobilen Dorfladens beteiligten Firmen und nicht zuletzt vor allem den bayerischen Staatsminister Franz Josef Pschierer.

Donko ging auf das Projekt „Digitales Dorf“ ein, das im Integrierten Ländlichen Entwicklungsprogramm entstand. „Der ausgebaute Lkw ist jetzt ein erstes sichtbares Ergebnis im Modellprojekt.“

Der Bürgermeister betonte, dass seit 2005 die sogenannten Tante-Emma-Läden im Landkreis um 28 Prozent zurückgegangen seien. „Damit geht auch ein Stück Kultur und Kommunikation verloren“, stellte Donko fest. „Diese Situation können wir nicht einfach so hinnehmen.“

Deshalb haben sich die 16 Mitgliedskommunen der Steinwald-Allianz einem „Vitalitäts-Check“ unterworfen. „Es wurden dabei 40 Orte mit mehr als 50 Einwohnern festgestellt, die keine Nahversorgung vorweisen können.“ Aus diesen, so Donko, wurden 26 Gemeindeteile herausgefiltert, die jetzt mit dem mobilen Dorfladen bedient werden sollen.


„Eine hervorragende Unterstützung haben wir bei diesem Projekt mit dem Fraunhofer-Institut erhalten“, sagte der Erbendorfer Rathauschef. „Es war auch menschlich eine sehr gute Zusammenarbeit.“ Denn, wie er weiter ausführte, sei gerade die digitale Plattform, die durch das Institut entwickelt wurde, die Grundlage für die Förderung. Einen Dank an dieser Stelle sprach er auch der Firma MAN aus. „Das Unternehmen nimmt unser Einkaufsfahrzeug auch in seine Entwicklung ihrer digitalen Plattform RIO mit hinein.“

„Wir haben etwas entwickelt, das den Nutzer, den Bürger voranbringt“, stellte Donko fest. Betrieben werde der Mobile Dorfladen von der eigens dafür gegründeten Steinwald-Dorfladen GmbH. Dem Staatsminister sowie der Staatsregierung sprach er seinen Dank für die Förderung aus. „Denn sonst wäre dieses Projekt finanziell nicht darstellbar gewesen.“

Der Geschäftsführer der Steinwald-Allianz und der neuen Steinwald-Dorfladen GmbH, Martin Schmid, stellte das Fahrzeug aus dem Hause MAN in den Mittelpunkt. „Der Betrieb wird im Laufe des Monats August losgehen“, kündigte er an. Denn bis dahin müsse der mobile Laden noch bestückt sowie die Technik eingerichtet werden. „Bis in zwei, drei Wochen haben wir dann ein intelligentes Fahrzeug.“

„200 Produkte und regionale Produkte, wie Bio-Burger, Karpfen und Bio-Getreide, werden in das Sortiment mit aufgenommen“, informierte Schmid. Eine große Freude sei es, dass auch die regionalen Anbieter mitarbeiten. Neben dem Einkauf können im mobilen Dorfladen auch bis zu 200 Euro „abgehoben“ werden. Eingesetzt wird das Fahrzeug auf drei Routen, bei denen er die 26 Orte jeweils zweimal wöchentlich anfährt. Die Haltezeit zum Einkauf betrage eine gute halbe Stunde.

Über einen Online-Shop können ebenfalls Bestellungen aufgegeben werden, die in der Regel zwei Tage später am Wagen abgeholt werden können. „Der exakte Starttermin des mobilen Dorfladens wird noch rechtzeitig bekannt gegeben."

Noch viel Arbeit

„Heute ist für mich ein Franken- und Oberpfalztag“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer. Denn zuvor war er in Hof zur Eröffnung einer Außenstelle für Unternehmensansiedlungen.

Mit der Thematik Versorgung am Land ist Pschierer bestens vertraut. „In meinem Geburtsort im Allgäu können Sie heute weder eine Semmel noch ein paar Wurstscheiben kaufen.“ Auch gebe es keine Bankfiliale mehr. „Eine Infrastruktur, die das tägliche Leben angeht, ist nicht vorhanden.“

„Mein Vater sagte mir, so lang ich noch klar denken und gerade gehen kann, bleibe ich in dem Haus, in dem ich mit deiner Mutter 50 Jahre gelebt habe“, erzählte er. „Aber trotzdem werde die Versorgung täglich ein Stück schwieriger.“

Vor diesem Hintergrund dankte er den Kommunalpolitikern und vor allem Vorsitzenden Bürgermeister Donko dafür, dieses Thema aufgegriffen und umgesetzt zu haben. „Doch wir haben noch viel Arbeit vor uns“, führte Pschierer weiter aus. „Denn wir möchten, dass vor allem die älteren Menschen so lange wie möglich in ihrer angestammten Heimat bleiben können.“ Deshalb sei es wichtig, die Themen Nahversorgung, Öffentlicher Nahverkehr und Pflege im häuslichen Bereich „gesamtheitlicher zu denken“.

Den Akteuren der Steinwald-Allianz sprach er für den Mobilen Dorfladen seinen Dank aus. „Sie haben das Heft des Handels selbst in die Hand genommen und Sie haben die regionalen Gegebenheiten mit einfließen lassen.“ Positiv bewertete der Staatsminister, dass für dieses Projekt die Meinungen und Wünsche der Bevölkerung eingeholt wurden. „Besonders wurde bei ihnen der Wunsch nach regionalen Lebensmitteln geäußert“, stellte Pschierer fest.

„Mit diesem Dorfladen schlagen Sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe“, sagte der Staatsminister. Dies sei zum einen die Aufrechterhaltung der Nahversorgung und zum anderen die Einbindung der regionalen Erzeuger und Landwirte. „Das macht auch Sinn“, betonte er. „Denn man muss nicht die Kartoffel erst nach Nürnberg fahren, um sie dann über einen Großmarkt wieder nach Erbendorf zu holen und im Supermarkt auszulegen.“

Eine kritische Anmerkung erlaubte sich Staatsminister Pschierer doch. „Wir tun als Staatsregierung und Sie als Kommune viel bei diesem Thema“, meinte er. „Aber wir können uns den Verbraucher nicht aussuchen.“ Er appellierte an die Verbraucher, nicht immer erst dann zu klagen, wenn der letzte Bäcker und Metzger verschwunden ist, aber mit der persönlichen Konsum- und Kaufentscheidung ganz anders zu agieren.

„Es gibt kein Land weltweit, wo ich mehr Spar- und Schnäppchen-Portale habe als in Deutschland“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister weiter. „Wir kennen inzwischen den Preis von allem, aber den Wert von nichts.“ Auch die Doppelmoral des Verbrauchers dürfe man an einem solchen Tag einmal ansprechen.

„Wir dürfen nicht alles über den Preis werten, sondern wir müssen wissen, was bedeutet es, gesunde Lebensmittel regional erzeugt mit kurzen Wegen zum Verbraucher zu bringen.“ Dass dies aber etwas kostenintensiver sei, müsse seiner Meinung nach jedem klar sein. „Es geht direkter, es geht regionaler und es geht besser, wenn wir es wollen.“

Der Dorfladen werde gerade für Menschen in kleinstrukturierten Gebieten einen Mehrwert haben, zumal auch Dienstleistungen, wie Barabhebungen, möglich sein werden. Besonders über die digitale Plattform steigen nach seinen Worten die Erfolgsaussichten erheblich. Er dankte Professor Dr. Alexander Pflaum vom Fraunenhofer-Institut, dass sie ihr Know-How in die Plattform mit einfließen ließen.

„Der mobile Dorfladen schlägt somit eine Brücke von der digitalen zur analogen Welt.“ Die Steinwald-Allianz schaffe hier, in Zusammenarbeit auch mit MAN, Technik zum Anfassen. „Für die Verwirklichung dieses Projekts haben Sie hart gearbeitet.“

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, betonte Pschierer. Doch trotz aller Digitalisierung sei auch die Kommunikation wichtig. „Ich sage immer, neben Facebook braucht die Gesellschaft auch Face to Face.“ Dann würde es der Gesellschaft auch besser gehen. „Und wir bräuchten weniger gerichtliche Auseinandersetzungen, wie beispielsweise Nachbarschaftsstreitigkeiten.“

„Die Steinwald-Allianz geht voran, andere sollen folgen“, hob Pschierer im Hinblick auf die Digitalisierung hervor. Er kündigte an, dass die Idee des digitalen Dorfes in anderen Projekten fortgeführt werde. „Sie sehen, der Focus auf den ländlichen Bereich kommt zur richtigen Zeit.“ Denn die Digitalisierung schaffe auch gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land. „Für mich ist das Projekt Mobiler Dorfladen ein Vorzeigeprojekt.“

Persönlich füllte der Staatsminister vor Ort via Tablet im Online-Shop seinen Warenkorb. Seine Bestellung, ein Geschenkkorb, konnte er gleich im neuen Mobilen Dorfladen aus den Händen von Geschäftsführer Schmid entgegennehmen

„Thomas Alva Edison hat einmal gesagt, ein Prozent ist Kreativität und 99 Prozent sind Arbeit.“ Mit diesen Worten stellte Professor Dr. Alexander Pflaum die Zusammenarbeit zwischen dem Zweckverband und dem Fraunhofer-Institut heraus. „Vor mir steht das ein Prozent Kreativität, denn dazu braucht man Köpfe und hinter mir stehen die 99 Prozent Arbeit, der mobile Dorfladen.“

Er führte aus, dass der ländlicher Raum ein Forschungsthema geworden sei. „Die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis ist negativ und wir glauben, dass die Digitalisierung hier helfen kann.“ So sei die digitale Plattform der „Dreh- und Angelpunkt“ für den mobilen Dorfladen. „Die Steinwald-Allianz ist für uns ein fantastischer Partner, kreativ und energiegeladen.“

Nicht zuletzt sprach der Regionalleiter von MAN, Martin Zaindl, seinen Dank aus. „Schnell war uns klar, den mobilen Dorfladen mit zu unterstützen“, sagte er rückblickend. „Das Fahrzeug konnten wir in einer Rekordzeit fertigstellen." An den Vorsitzenden der Steinwald-Allianz überreichte Zaindl zum Abschluss des Festakts den obligatorischen MAN-Fahrzeugschlüssel und wünschte „Allseits gute Fahrt“.

Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer. njn
Der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer.
Nach der erfolgreichen Online-Bestellung kann der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer seinen Geschenkkorb gleich mit nach Hause nehmen. njn
Nach der erfolgreichen Online-Bestellung kann der bayerische Wirtschaftsminister Franz Josef Pschierer seinen Geschenkkorb gleich mit nach Hause nehmen.
Persönlich gibt Staatsminister Franz Josef Pschierer (rechts) im Online-Shop des Dorfladens seine Bestellung auf. Mit auf dem Bild (links) Geschäftsführer Martin Schmid. njn
Persönlich gibt Staatsminister Franz Josef Pschierer (rechts) im Online-Shop des Dorfladens seine Bestellung auf. Mit auf dem Bild (links) Geschäftsführer Martin Schmid.
Feierstunde zur Übergabe des MAN-Trucks. Am Rednerpult der Vorsitzende der Steinwald-Allianz, Hans Donko. njn
Feierstunde zur Übergabe des MAN-Trucks. Am Rednerpult der Vorsitzende der Steinwald-Allianz, Hans Donko.
Ab Mitte August soll der Mobile Dorladen über die Straßen des Steinwalds rollen. njn
Ab Mitte August soll der Mobile Dorladen über die Straßen des Steinwalds rollen.
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