07.01.2019 - 14:51 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Die unheimliche Welt der Stille

Sie hat schwarze und rote Haare und heißt Maggie. Den Tag verschläft sie in der Regel. Nachts ist die Vogelspinne der Art Brachipelma Smithy von Konstantin Savidis aktiver und sucht in ihrem Terrarium lautlos nach Beute.

Die Erbendorferin Apollonia und ihr Ehemann Konstantin Savidis haben ein ganz besonderes Haustier.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Maggies kleiner Lebensraum ist ringsum durch Glasscheiben von der Welt ihres Besitzers abgetrennt. Nur an der Frontscheibe ist eine schmale Scheibe, die sich nach oben klappen lässt. Von dort bekommt Maggie ihr Futter, lebende Heuschrecken aus der Zoohandlung, und Wasser. "Es gibt auch Terrarien mit Schiebetüren", erklärt der in Erbendorf lebende, gebürtige Grieche Konstantin Savidis. Aber bei denen sei es schon vorgekommen, dass ausgewachsene Vogelspinnenweibchen den Mechanismus durchschaut haben, die Scheiben mit ihren Klauen auseinanderdrückten und auf Wanderschaft in der Wohnung gingen.

Mit Zertifikat

Eine künstliche Höhle, die aussieht wie aus Stein, eine dünne Sandschicht als Boden, ein Ast und ein wenig Gras, das ist alles, was Maggie als Wohnraum beansprucht. Vor zwölf Jahren hat Konstantin Savidis die Vogelspinne in einer Weidener Zoohandlung gekauft, mit entsprechendem Zertifikat selbstverständlich. Die Einfuhr der Tiere ist nämlich nach dem Washingtoner Artenschutzabkommen strengstens verboten, die Haltung aus inländischen Nachzuchten aber erlaubt. In ihrer angestammten Heimat Mexiko gelten die Tiere mittlerweile als gefährdete Art. Bei einer Ausstellung von Schlangen, Skorpionen, Spinnen und weiterer Insekten und Reptilien hatte Savidis erstmals Kontakt zu einer Vogelspinne. Körperkontakt sogar, denn als der Besitzer fragte, wem er die Spinne auf den Arm setzten soll, "hatte ich meine Hand schon, mehr unbewusst, ausgestreckt. Und schon saß das Tier in der Innenfläche meiner Hand, die sie komplett ausfüllte." "So eine möchte ich auch haben", schoss es Savidis durch den Kopf. Jetzt galt es Ehefrau Apollonia zu überzeugen. Die war sofort einverstanden, "weil ich überhaupt keine Angst vor Spinnen habe", erklärt sie. Maggie hatte gerade mal einen Durchmesser von etwa einer Fünfzig-Cent-Münze, als sie bei der Familie Savidis einzog.

Zentimeterlange Klauen

Heute ist der auf 15 Zentimeter angewachsen. Im kindlichen Alter häutete sich das Tier drei Mal im Jahr und wuchs dabei. Heute vollzieht sich die Häutung des ausgewachsenen Tieres einmal im Jahr, ohne dass es weiter wächst. Brachipelma Smithy gelte als unaggressive Art, sagt Savidis. Sie hat acht Beine und zwei, je einen Zentimeter lange Giftklauen, mit der sie ihrer Beute einen tödlichen Cocktail injiziert, der sie gleichzeitig von innen her auflöst.

Die Spinne saugt anschließend den Speisebrei ein und ist je nach Größe ihres Opfers für eine Woche oder bis zu einem halben Jahr satt. Bis zur Größe einer Hausmaus ist nichts vor ihr sicher. Sogar kleine Vögel stehen auf ihrer Speisenkarte. Dieses Verhalten habe der Gattung auch den Namen Vogelspinne gegeben. Denn die Forscherin, die erstmals eine solche große Spinne beschrieb, habe laut Savidis miterlebt, wie eine solche einen Vogel angriff und verspeiste. Maggie ist im besten Alter, denn die Weibchen dieser Art können 30 Jahre alt werden. Die viel kleineren Männchen erreichen dieses Alter nicht und wagen sich nur in der Paarungszeit in die Nähe der übermächtigen Weibchen - aus gutem Grund. Vogelspinnen neigen nämlich stark zum Kannibalismus. 28 Grad Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 Prozent ist das Klima, das Maggie bevorzugt. Die Schale mit Wasser im Terrarium und die Lampe über dem Deckglas, außerhalb der Behausung, schaffen dieses Milieu.

Konstantin Savidis nimmt seine Spinne nie aus dem Terrarium. Erstens will er das zerbrechliche Wesen aus der unheimlichen Welt der Stille nicht verletzen. Zweitens haben Vogelspinnen sehr wirksame und unangenehme Verteidigungsmechanismen. Da sind zum einen die Giftklauen. Das Gift wäre für einen Menschen zwar nicht tödlich, aber zeige schon Wirkung und die Gefahr einer Infektion sei bei einem Biss immer gegeben. Und da sind dann noch die Brennhaare am Hinterleib, der Spinne. Die kann sie blitzschnell in Richtung einer Bedrohung abschießen, was üble Hautreaktionen hervorrufe. "Also besser Finger weg", sagt Savidis, der weiß, dass es bereits seit 350 Millionen Jahren Vogelspinnen gibt.

Maggie in ihrem Reich. Vorne in der Mitte sind noch Teile einer Heuschrecke zu sehen. Spinnen saugen ihre Opfer aus. Nur Chitinpanzer, Flügel und Knochen bleiben von der Mahlzeit übrig. Hierzulande wird Brachipelma Smithy auch als „Rotknie“ bezeichnet.
Hinter den beiden mittleren "Füßen" am Kopf der Spinne verbergen sich die zentimeterlangen Giftklauen.
Die Heuschrecke ahnt nicht, dass in unmittelbarer Nähe der sichere Tod lauert. Wenn die Vogelspinne auf Jagd geht, schlägt sie blitzschnell zu und injiziert der Beute ihr tödliches Serum. Eine Heuschrecke dieser Größe reicht der Spinne für etwa zwei Wochen.
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