26.06.2018 - 16:04 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Ver-dreht und ver-rückt

„Kunst kann zur Inklusion beitragen.“ Das stellt Johannes Magin bei der Eröffnung der Ausstellung „Gratwanderung“ im Aribo-Hotel fest. Bis Ende Juli läuft diese Ausstellung mit 33 Werken von 29 Oberpfälzer Künstlern.

Die Begrüßung bei der Ausstellungseröffnung übernahm Geschäftsführer Martin Weiß (Zweiter von links). Mit auf dem Bild (von rechts) Johannes Magin von der katholischen Jugendförderung, Bürgermeister Hans Donko, zweiter Bürgermeister Johannes Reger, dritte Bürgermeisterin Sonja Heindl und Kreisrätin Brigitte Scharf.
von Jochen NeumannProfil

(njn) Psychiatrie-Erfahrene haben sich 1997 zum Verein „Irren ist menschlich“ zusammengeschlossen, um sich nicht mehr nur behandeln zu lassen, sondern um auch selbst zu handeln. Im Laufe der Jahre hat er sich zu einer festen Größe in der psychiatrischen beziehungsweise psychosozialen Landschaft in Regensburg und der ganzen Oberpfalz etabliert.

Der Verein setzt sich für die Belange von Menschen mit psychischen Erkrankungen ein und damit für Menschen, die es in der Gesellschaft trotz aller Aufklärung immer noch schwer haben. Aber menschliche Krisen rufen auch ein künstlerisches Schaffen hervor. Sie setzen sich mit Kunst auseinander. Zum 20-jährigen Bestehen des Vereins wurde gemeinsam mit dem Bezirk Oberpfalz und der Katholischen Jugendfürsorge das Ausstellungsprojekt „Gratwanderung“ initiiert, das mit Ausstellungen in Regensburg, Beratzhausen und Cham die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Die nun vierte Station des Projekts „Gratwanderung“ ist jetzt das Aribo-Hotel in Erbendorf. Zur Eröffnung gaben sich die Verantwortlichen, Förderer und Gönner ein Stelldichein im Pfalzgrafensaal. Martin Weiß, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des Aribo-Hotels, freute sich, dass diese besondere Ausstellung hier stattfinden könne.

Weiß zitierte einen Auszug aus der Vereinssatzung von „Irren ist menschlich“, nach der die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen immer noch hoch sei und in der Region Mittel und Wege gesucht werden, dem entgegenzuwirken. „Das Ausstellungsprojekt Gratwanderung ist ein gelungenes Beispiel für diese Arbeit“, stellte er fest. „Mit der Auswahl dieses Ausstellungsortes wird somit auch die Arbeit des integrativen Betriebs des Aribo-Hotels unterstützt.“ Denn nach seinen Worten werde im Betrieb des Hotels die Idee der Inklusion gelebt.

Bezirksheimatpfleger Tobias Appl führte aus, dass die Bezirke die Bereiche Kunst, Kultur und Inklusion stärker miteinander verbinden möchten. „Dieses Projekt ist ein sehr gelungener Schritt, hier mehr zu unternehmen.“ Dazu komme auch, dass die Herausforderungen, die psychisch erkrankte Menschen mit sich tragen, viele nicht interessiere.

„Umso mehr finde ich es toll, dass psychisch kranke Menschen den Mut haben, zu sagen, ich bin oder war psychisch krank und ja, ich bin künstlerisch tätig“, so Appl. „Was hier an Qualität der Werke zu sehen ist, traut man psychisch kranken Menschen oft nicht zu.“

„Diese Ausstellung drückt aus, was Kunst eigentlich bewirken kann“, stellte Johannes Magin von der katholischen Jugendfürsorge der Diözese fest. Er sei davon überzeugt, dass Kunst auch zur Inklusion beitragen könne. „Kunst darf alles, nur nicht langweilig sein.“

Inge-Anna Bergmann vom Verein „Irren ist menschlich“ ging auf das Projekt ein, dem auch ein Kunstwettbewerb vorangegangen sei. „Aus 80 Einsendungen wurden 38 Werke von 29 Oberpfälzer Künstlern ausgewählt.“ Darunter seien Collagen, Bilder, Assemblagen und literarische Werke. Bergmann hob dabei vor allem das Engagement von Vereinsvorstand Klaus Nuißl als treibende Kraft dieses Projekts hervor.

Zum Ende des offiziellen Teil, der musikalisch vom Zitherclub mit Veronika Hille und Heidi Banzer umrahmt wurde, ergriff Bürgermeister Hans Donko das Wort. Er stellte fest, dass diese Kunstwerke aus einer Überlegung heraus entstanden seien. „Hier ist wirkliche Kunst zu sehen“, betonte er. Einen besonderen Dank sprach er Geschäftsführer Martin Weiß aus, der das gesamte Aribo-Hotels für die Ausstellungsexponate zur Verfügung stellte.

Zu sehen ist die Ausstellung „Gratwanderung“ im Aribo-Hotel bis zum 30. Juli.

Inge-Anna Bergmann vom Verein "Irren ist menschlich" sprach über die Entwicklung des Projekts.

Ausstellungseröffnung: Auf dem Bild (von links) zweiter Bürgermeister Johannes Reger, Bürgermeister Hans Donko, Johannes Magin von der katholischen Jugendfürsorge und Bezirksheimatpfleger Tobias Appl.

"Deepression" - ein Kunstwerk von Tone Schmidt.

"Function" heißt das Bild von Cori Kugel

"Der zerborstene Mann" von Inge-Anna Bergmann.

"Abgetrennt, ver-dreht und ver-rückt" von Brigitte Barth.

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