13.12.2019 - 12:07 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Voller Einsatz bei Kin-Ball-WM

Seit seiner Schulzeit am Gymnasium fasziniert Tobias Hör eine in Deutschland noch relativ unbekannte Sportart: Kin-Ball. Der Erbendorfer war zum ersten Mal für das deutsche Team bei der Weltmeisterschaft in Frankreich dabei.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Tobias Hör aus Erbendorf erzählt von der Kin-Ball-Weltmeisterschaft in Frankreich. Ende Oktober/Anfang November spielte er erstmals für die deutsche Mannschaft, die in Les Ponts-de-Cé den elften Platz erlangt hat. Der Erbendorfer spielt seit seiner Schulzeit diese außergewöhnliche Sportart, in deren Mittelpunkt ein riesiger Ball steht. "Er hat einen Durchmesser von 1,22 Meter", erklärt der Student. Im Spiel ist dieser ziemlich flott unterwegs, da er weniger als 1 Kilogramm wiegt.

"Cooles Erlebnis"

Wenn Tobias Hör nicht Kin-Ball spielt, studiert er in München Luft- und Raumfahrttechnik. Doch dieses Jahr dachte sich der 21-Jährige: "Wenn nicht heuer, wann dann", und beteiligte sich bei einer Vorauswahl zur Weltmeisterschaft. Es lohnte sich für ihn: "Der Wettbewerb war ein cooles Erlebnis", sagt er. "Die Veranstalter hatten alles professionell aufgezogen." Kanada, das Land in dem Kin-Ball erfunden wurde, siegte, sowohl bei den Männern als auch den Frauen. Weitere Teilnehmer kamen unter anderem aus China, Frankreich, Spanien, Korea, Schweiz oder Kanada. "Am Sonntag war das Opening. Montag, Dienstag, Mittwoch waren die Qualifikationsspiele, Donnerstag war das entscheidende Spiel."

"Abends gab es immer Zeit zum Austausch", sagt Hör. Dabei wurden auch mit anderen Teams Trikots getauscht. "Ich hab eines von Kanada und eines von China." Zum Kin-Ball kam Hör in seiner Schulzeit am Gymnasium in Neustadt/WN. "Gernot Köcher war ein Lehrer von uns. Er hat damit gearbeitet und wir mussten in einem P-Seminar Aufgaben und Regeln aus dem Englischen übersetzen." An der Schule gibt es heute eine AG. Der Lehrer ist heute im Kin-Ball Verband Deutschland tätig und fördert den Sport in der Oberpfalz. Ansonsten gibt es Vereine vor allem in Städten wie München, Stuttgart, Oberhausen oder Hamburg. In Deutschland gibt es inzwischen auch eine Bundesliga. "Acht Vereine tragen etwa 4-5 Spiele aus", sagt Tobias Hör.

Taktik und Teamwork

Als Student suchte sich Hör einen Verein in München. Er ist zuversichtlich: "Die Sportart ist im Kommen, sie muss sich nur etablieren." Aber wie sieht so ein Spiel in etwa aus: Auf dem Spielfeld (20 mal 20 Meter) befinden sich drei Mannschaften mit jeweils vier Spielern. Jedes Team trägt eine andere Farbe: schwarz, grau oder blau. Der Ball ist zu Beginn in der Mitte. "Die Mannschaft, die angreift hat den Ball und schlägt auf", erklärt Hör. Sie muss das Team aufrufen, welches angegriffen wird. Ein Aufschlag darf erst erfolgen, wenn das Team vorher das Wort "Omnikin" und danach die Farbe des gegnerischen Teams gerufen hat: "Omnikin grau".

"Ominikin grau"

"Es wird immer die Mannschaft mit der höchsten Punktzahl angegriffen." Außer das angreifende Team liegt vorne, dann sollte es den Zweiten angreifen. Die angegriffene Mannschaft versucht den Ball, mit einem beliebigen Körperteil so abzufangen, dass dieser nicht auf dem Boden landet. "Es gibt bestimmte Schlagtechniken mit denen der Ball über das halbe Spielfeld fliegen kann", sagt Hör. Der Vorteil: "Immer müssen alle den Ball berühren, keiner der Mannschaft bleibt außen vor." Wenn der Ball unter Kontrolle gebracht wurde, muss wieder ein neuer Angriff gestartet werden.

Trailer der Kin-Ball-WM in Frankreich 2019:

"Punkte gibt es, wenn der Ball am Boden oder ins Aus geht." Sobald ein Team einen Fehler begeht, bekommen automatisch die beiden anderen Mannschaften einen Punkt. Tausende Spielvarianten sind möglich. Unter den vier Spielern eines Teams befinden sich ein Ansager, ein Blocker und zwei Flügelspieler, die gemeinsam agieren. "Vor dem Spiel werden die Positionen zwar vereinbart, dennoch ist notwendig auch während des Spiels flexibel zu sein." Ein Spiel kann zwischen 1,5 bis 2 Stunden dauern. Gespielt wird in Perioden. Eine Periode endet, sobald ein Team 13 Punkte erspielt hat.

Hier finden Sie mehr Informationen zur Sportart Kin-Ball

Ein Sport für Körper und soziale Aspekte:

Kin-Ball ist eine relativ junge Sportart, die in Deutschland noch recht unbekannt ist. Das Spiel wurde 1986 im kanadischen Québec von dem Sportlehrer Mario Demers entwickelt. Tobias Hör war schnell fasziniert: „Kin-Ball ist vielseitig einsetzbar, auch für Gemeinschaftsspiele.“ Das Spiel zeichnet sich durch viel Taktik, Teamwork und Varianten-Reichtum aus.

„Man muss körperlich wie auch geistig bei der Sache bleiben.“ So werden auf der einen Seite physische Aspekte wie Ausdauer, Koordination Schnelligkeit und Reaktionsvermögen trainiert. Und auf der anderen Seite werden soziale Fähigkeiten wie Kommunikation, Aufmerksamkeit, Teamgeist wie auch Zusammenarbeit gefördert.

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