13.08.2018 - 15:52 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Whisky aus dem Steinwald

Vor 200 Jahren spricht niemand von Whisky. In der Hausbrennerei Schraml reift damals Korn in ausgedienten Cognacfässern. Dieser "braune Korn" ist der Vorläufer der vier Whisky-Sorten, die die Firma heute produziert.

Mit dem von ihnen geschaffenen Geist vollends zufrieden. Von links: der Chef der Steinwälder Hausbrennerei, Gregor Schraml und sein Brennmeister und Produktionsleiter Felix Frönd.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Stonewood", frei übersetzt "Steinwald", tragen sie im Namen und machen damit Werbung für die Region, in der sie entstehen. Der Älteste geht auf ein Rezept von 1818 zurück, hat 200 Jahre Geschichte hinter sich, wie die Brennerei selbst. Somit ist Schraml die älteste Whisky-Brennerei Deutschlands, was auch die Fachzeitschrift "Whiskey-Botschafter" in ihrer zweiten Ausgabe bestätigt. Bereits im 19. Jahrhundert haben sich die Vorfahren des heutigen Firmeninhabers, Gregor Schraml, mit der Herstellung befasst. Es waren Kornbrände, die in den erwähnten alten Eichenholzfässern gelagert und als "brauner Korn" verkauft wurden. "Da war unser ,Grain Whisky' geboren", erklärt Gregor Schraml.

"Die 200-jährige Erfahrung aus sechs Generationen, verbunden mit handwerklicher Brennkunst, dem Einsatz regionaler Rohstoffe und unserem Selbstverständnis als Oberpfälzer machen unsere ,Stonewood Whiskys' zu etwas ganz Besonderem."

"Kult-Bayer"

Der "Kult-Bayer" unter ihnen ist der "Stonewood 1818" ein Single Grain aus Rohfruchtgetreide, der zehn Jahre im Limousin-Eichenfass aus Cognac-Belegung lagert. "Unser Klassiker dessen Wurzeln auf das 19. Jahrhundert zurückgehen." Fünf Jahre reift der "Stonewood-Woaz", ein Single Malt aus Weizen- und Gerstenmalz in Fässern aus amerikanischer Weißeiche, bevor er abgefüllt wird.

Das typisch Bayerische daran - er ist mit Weißbierhefe vergoren. Beim "Stonewood Drà" handelt es sich um einen eleganten Single Malt aus 100 Prozent Gerstenmalz. Auch er lagert in Fässern der amerikanischen Weißeiche, aber nur drei Jahre, bevor er in den Verkauf geht. Erstmals wurde er 2012 destilliert.

Der Vierte im Bunde ist der "Stonewood Smokey Monk". Ein rauchiger Single Malt aus Buchenrauchmalz, der ebenfalls drei Jahre in Fässern aus amerikanischer Weißeiche verbringt, bevor er in den Handel kommt. "Das ist unsere Antwort auf die Frage nach mehr Rauch in deutschen Whiskys", sagt Schraml.

Echt blauäugig

"Wir waren da echt blauäugig, gewannen Preise, hatten aber praktisch keine Ware", sagt Gregor Schraml, der 2004 wissen wollte, wie seine Firma international aufgestellt ist. "Wir reichten sechs Produkte bei den ,World Spirit Awards' ein, darunter auch Obstbrände. Und wir haben so richtig abgeräumt, ernteten drei Silber- und drei Goldmedaillen. 2013 bekamen wir eine Goldmedaille für unseren ,Stonewood Woaz'. Wir konnten gerade mal vier Prozent der immensen Nachfrage bedienen, was viele Händler verärgerte. Da ist viel Geschäft an uns vorbeigegangen." Heute ist das Geschichte und bis auf den "Stonewood 1818" gibt es keine Lieferprobleme mehr. "Beim ,Woaz' befinden wir uns im ersten Jahr, in dem genügend da ist. Deshalb erwarten wir heuer eine deutliche Umsatzsteigerung. Mit unserem Whisky geht es steil nach oben."

Im "Warehouse" lagern 500 Fässer mit etwa 120 000 Litern. 30 000 Liter Reinalkohol fließen jährlich durch die Destillen. "Jetzt sind wir aus dem Gröbsten raus und haben eine schöne Menge unseres Premium-Produkts, unseres zehnjährigen ,Stonewood 1818' vorrätig. Diese bernsteinfarbene Köstlichkeit duftet nach Getreide, Eiche, Tee, Honig, Lemongras und Vanille. Der Geschmack ist mild, würzig, elegant, körperreich und schokoladig", schwärmt Gregor Schraml.

Schwunghafter Handel

Vor 200 Jahren wurde die Firma als reine Kornbrennerei gegründet. Aus dieser frühen Zeit gibt es sogar noch Dokumente. "Die Kundschaft war damals fast ausschließlich Militär", sagt Gregor Schraml, der vermutet, dass der Gründer Johann Baptist Schraml, der selber Kavallerist in Russland war, seine Kunden von dort her kannte. Dem Nachfolger des Firmengründers, Jakob Schraml, wird ein schwunghafter Getreide- und Lebensmittelhandel nachgesagt. Er war Bäcker und erfolgreicher Kaufmann und exportierte Cognac nach Österreich. "Er hat extrem Kapital aufgebaut, war ein echt reicher Schraml", stellt Gregor Schraml fest. "Zuhauf waren damals Weinbrandfässer da, und wenn sie leer waren, nahm man sie halt für den eigenen Korn und schon war der Weg zu einem anderen Produkt, zum Whisky, geebnet."

"Brauner Korn"

Der Urgroßvater des 43-jährigen Firmenchefs, Christoph Karl Schraml, habe schließlich aufgeschrieben, wie man diesen "braunen Korn" macht. Aus dieser Spielart der Fasslagerung entstand letztendlich der "Stonenwood Whisky". Der Großvater von Gregors Vater, AloisSchraml, war der erste, der 1954 seine Firma offiziell als Whisky-Brennerei bezeichnete und gesagt hat, "wir bringen unseren Grain Whisky als ,Steinwald-Whisky' in den Verkehr". Grain Whisky bedeutet, dass ausschließlich Rohfruchtgetreide, so wie es auf dem Feld wächst, verwendet wird. Untergemischt werden lediglich zehn Prozent Malz, damit es zur Verzuckerung kommt.

"Korn und Whisky liegen sehr nahe beieinander", erklärt Schraml. Der grundlegendste Unterschied sei die Fasslagerung. "Wenn ich einen Korn nehme und schmeiße ihn in ein Fass, kommt das Ergebnis einem Whisky schon sehr, sehr nahe, denn grundsätzlich benötigt man für Beides die gleichen Rohstoffe." Es gibt eine unüberschaubare Anzahl an Fasssorten. Beim Whisky muss es aber immer Eiche sein. "Amerikanische Weißeiche, zieht ein völlig anderes Ergebnis nach sich, als es mit europäischen Hölzern zu erzielen ist. Dass wir unseren Zehnjährigen in Limousin-Eichen-Fässern nach Cognacbelegung aus Frankreich reifen lassen ist eher ungewöhnlich und historisch bei uns gewachsen." Die Fässer gibt es in den verschiedensten Ausprägungen. Viele werden innen ausgebrannt. "Toasting" heißt dieses Verfahren. Für den Geschmack spielt die Art des Holzes und wie es behandelt ist eine wesentliche Rolle. Drei bis zehn Jahre muss das Destillat im Fass bleiben. Schraml hat zwei dreijährige, einen fünf- und einen zehnjährigen Whisky im Angebot.

Über 300 Destillerien

Heute produziert die größte der über 300 deutschen Destillerien, die Whisky im Sortiment anbieten, etwa 120 000 Flaschen im Jahr, schätzt Schraml, der selbst 120 000 Liter eingelagert hat und etwa 30 000 Liter jährlich herstellt. Eine Menge die ständig im Steigen begriffen ist. "Wir sind ein junges Unternehmen, was die Whisky-Produktion betrifft", sagt er. "Deshalb verkaufen wir auch noch nicht sehr viel, lagern umso mehr ein." 2012 wurde das "Warehouse" in einer ehemaligen Lagerhalle der Firma "Steinwald-Getränke", die auch der Familie Schraml gehörte, angelegt.

Gregor Schraml war 15 Jahre alt, als er seinen ersten Renekloden-Schnaps brannte. Als jüngstes von drei Geschwistern, war er eigentlich nie fürs Geschäft vorgesehen. "Aber oft kommt es anders, als man denkt, und heute leite ich die Firma in der sechsten Generation." Für die kommende ist auch schon gesorgt. Paul heißt der vierjährige Sohn des Inhabers. Vor zehn Jahren gab es in Süddeutschland drei und deutschlandweit fünf Destillerien, die Whisky herstellten. In den 1980er Jahren boomte das Interesse für schottischen Whisky weltweit. Auch Japan blickt auf eine über 100-jährige Whisky-Tradition zurück.

Hintergrund:

Die „Steinwälder Hausbrennerei Schraml“ ist ein alteingesessener Familienbetrieb in Erbendorf am Fuße des Naturparks Steinwald. Seit sechs Generationen werden hier edle Brände aus Obst und Korn sowie feine Liköre hergestellt. Zum Sortiment gehört sogar ein Bierbrand aus heimischem Zoiglbier (Zoiglbrand). Bekannt ist das Haus auch durch seinen hochwertigen Whisky, der auf eine 200-jährige Geschichte zurückblickt. Ein edler Grain Whisky schottischer Art, der im Eichenfass gelagert wird.

Viele weitere Brände des Sortiments werden jeweils mehrere Jahre gelagert, bevor sie abgefüllt werden. Bekannt ist die Brennerei Schraml auch für ihre Likörspezialitäten. Kräuterliköre, wie der „Steinwälder“, der „Wurzelstolperer“ und der „Kräutersegen“ sind ebenso Bestandteil des Sortiments wie beispielsweise Holunder- und Waldfruchtlikör sowie der Espressolikör. Als Spezialität zur Weihnachtszeit ist der Weihnachtslikör (das Original) bekannt. „Kaiser Hill 16“ heißt der Gin, frei übersetzt an die alte Firmenadresse, Kaiserberg 16 angelehnt. Zehn verschiedene Gewürze enthält dieser Wacholderbrand, der auf ein Rezept von 1957 zurückgeht.

Alle Erzeugnisse werden im brennereieigenen Laden in der ehemaligen Propstei in der Pfarrgasse 22 in Erbendorf verkauft. „Das Herz und Wesen unseres Betriebes ist die Entwicklung und das Herstellen außergewöhnlicher Brände, Geiste und Liköre“, erklärt Firmenchef Gregor Schraml.

Blick ins Herz der Brennerei im ehemaligen Refektorium der ehemaligen Propstei.
Die Steinwald-Hausbrennerei in der alten Propstei in Erbendorf.
Etwa 120 000 Liter Whisky-Destillat reift in den Fässern im „Warehouse“.
Feinstes Gerstenmalz ist einer der wichtigsten Rohstoffe.
Vier Whisky-Sorten werden hier hergestellt.
Ein Klassiker aus dem Hause Schraml.

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