30.08.2019 - 13:50 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Windkraft im Hessenreuther Wald: BUND "bei weitem nicht sicher"

Der Bund für Umwelt und Naturschutz gilt als Befürworter der Windkraft. Bei den Planungen für den Hessenreuther Wald gibt es aber auch bei seinen Experten Zweifel.

Der Hessenreuther Wald von oben.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Noch ein Kritiker: Die Pläne für Windkraftanlagen im Hessenreuther Wald kommen auch beim bayerischen Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nur bedingt gut an. Allerdings lässt sich der BUND-Regionalreferent für die Oberpfalz, Reinhard Scheuerlein, in seiner Kritik eine Hintertür: Vor einer endgültigen Positionierung wollen die BUND-Experten die detaillierten Planungen und Erhebungen zu den Tierarten in dem Gebiet einsehen, "um eine fundierte Stellungnahme abgeben zu können", erklärt er. "Wegen der hohen Sensibilität des betroffenen Gebiets sind wir bei weitem nicht sicher, ob die Naturschutzanforderungen an eine solche Planung in diesem Bereich erfüllbar sind."

Als im Jahr 2013 Windkraft-Planungen für den bewaldeten Bergkamm zwischen Fichtel- und Haidenaab bekannt wurden, hatte sich der BUND in einer Pressemitteilung klar gegen die Nutzung des Gebiets ausgesprochen: "Finger weg vom Hessenreuther Wald" war die Mitteilung damals überschrieben. Bis es neue Informationen gibt, behalte diese Erklärung ihre Gültigkeit, sagt Scheuerlein nun

Der BUND stehe der Windkraft weiterhin grundsätzlich positiv gegenüber, sofern die Beeinträchtigungen für Natur und Mensch vertretbar seien. Dass das geschützte Waldgebiet mit seinen seltenen Tierarten überhaupt wieder als Standort im Gespräch ist, liege für Scheuerlein an Versäumnissen der Vergangenheit: "Wir bedauern es sehr, dass der regionale Planungsverband Oberpfalz-Nord die Fortschreibung des Regionalplans zum Thema Windkraft im Jahr 2017 eingestellt hat." Eine entsprechende Fortschreibung hätte genau festgelegt, welche Gebiete als Standorte in Frage kommen, und welche ausgeschlossen sind. "Der Hessenreuther Wald war im letzten Entwurf nicht als Vorbehalts- oder Vorranggebiet für Windenergieanlagen enthalten und hätte demnach rechtssicher dafür ausgeschlossen werden können." Der BUND befürworte das Vorgehen, geeigneten Gebiete in Regionalplänen festzulegen, "wenn sie gewährleisten, dass mögliche Beeinträchtigungen für Mensch und Natur auf ein Minimum reduziert werden". Aus diesem Grund habe sich der Verband auch in der Nordoberpfalz bei der Planung eingebracht und "auch verschiedene der geplanten Standorte abgelehnt".

Letztlich habe der Erlass der 10-H-Regel in Bayern die Bemühungen abgewürgt. 10H erweise sich auch in anderer Hinsicht als kontraproduktiv, sagt Scheuerlein. Die Regel sei "sei völlig undifferenziert". Weil sie die Planer zwingt, als Abstand zur nächsten Wohnbebauung die zehnfache Höhe der Anlagen einzuhalten, werden "Windkraft-Planungen nun in abgelegene Waldgebiete abgedrängt", sagt Scheuerlein.

Pläne für angeblich bis zu 13 Windkraftanlagen sorgen derzeit rund um den Hessenreuther Wald für Aufregung. Obwohl die NES GmbH aus Erbendorf und die Energiegenossenschaft NEW aus Grafenwöhr als Planer noch keinen Bauantrag beim Landratsamt in Tirschenreuth eingereicht haben, gibt es bereits zwei Bürgerinitiativen, die die Windkraft in dem Gebiet ablehnen. Die Kritiker fürchten Beeinträchtigungen für Anwohner und den Verfall der Immobilienpreise. Naturschützer warnen vor Schäden für die sensible Natur. Der Hessenreuther Wald gehört zu den größten zusammenhängenden Waldgebieten der Region. Er bietet extrem seltenen Arten wie Schwarzstorch, Fisch- und Seeadler Heimat.

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