08.05.2019 - 18:43 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Windpark im Hessenreuther Wald wird forciert

Die Gesellschaft Natural Energy Solutions (NES) hält an ihren Plänen, im Hessenreuther Wald einen Windpark zu errichten, fest. Der VLAB reagiert entsetzt und sieht darin eine Kriegserklärung an Landschaft und Natur.

Geschäftsführerin Birgit Grünbauer und Gesellschafter Albert Nikol von Natural Energy Solutions erläutern im Waldgebiet "Silberschlag", wie mit dem Gerät Daten über den schützenswerten Tierbestand im Hessenreuther Wald erhoben werden können.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Lange war es still geworden um die geplanten Windräder im Hessenreuther Wald. Viele dachten bereits, das Vorhaben wäre aufgrund eines Schwarzstorchvorkommens zu den Akten gelegt worden. Mitnichten. Die NES-Gesellschafter um Geschäftsführerin Birgit Grünbauer aus Schadenreuth haben nun ein Fachunternehmen mit der für das Genehmigungsverfahren vorgeschriebenen speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) des Projekts beauftragt.

Nürnberger Büro

Die Arbeiten im Hessenreuther Wald laufen bereits. Experten des Nürnberger Büros Anuva untersuchen zu unterschiedlichen Tageszeiten nicht nur Flora und Fauna am Waldboden, sondern dringen mit zwei Hubsteigen - fahrbahren Hebebühnen, die sich ausfahren lassen - bis zu den Baumwipfeln vor, um die Flugbewegungen über dem Hessenreuther Wald zu erfassen und die Nester von gefährdeten Vogelarten zu kartieren. Die Auswahl des Büros sei in Abstimmung mit dem Landratsamt erfolgt, betonen die Gesellschafter der NES. Davon weiß das Landratsamt nichts. "Die Untere Naturschutzbehörde hat Informationen von dritter Seite erhalten, dass Kartierungsarbeiten vorgesehen sind", erklärt Pressesprecher Walter Brucker.

Nach eigenen Angaben will die Gesellschaft NES sieben Windräder - jedes 230 Meter hoch - nördlich der Bundesstraße im Hessenreuther Wald bauen. Die Windmessungen lassen die Gesellschafter auf einen sehr wirtschaftlichen Betrieb hoffen. Bei den Voruntersuchungen wurden hoch oben, in bis zu 140 Metern Höhe, Werte ermittelt, wie man sie sonst nur von Küstenregionen kennt.

Noch überragen keine Windräder den Hessenreuther Wald. Windmessungen haben allerdings ergeben, dass dort solche Anlagen sehr wirtschaftlich betrieben werden könnten. Das Bild zeigt den Blick über den Höhenzug in Richtung Wildenreuth.

Beim Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) schrillen angesichts der Untersuchungen die Alarmglocken. Die Naturschützer sehen den Erfolg ihres deutschlandweit einzigartigen Wiederansiedelungsprojekts des Habichtskauzes gefährdet und fordern einen sofortigen Stopp der Planungen, die nach Meinung des Verbandes "eklatant gegen Naturschutzrecht verstoßen". Vorsitzender Johannes Bradtka: "Dieses Projekt ist eine Kriegserklärung an Natur und Landschaft in einem extrem sensiblen Lebensraum und richtet sich frontal gegen die erfolgreiche Arbeit des VLAB selbst."

Die Windkraftwerke lägen im Kerngebiet des Habichtskauz-Projekts. Über 100 000 Euro bereits getätigter Investitionen für die Wiedereinbürgerung der Eule könnten so umsonst ausgegeben worden seien, schimpft der Erbendorfer Bradtka. Zudem seien viele seltene Vogelarten wie Fisch- und Seeadler, Wespenbussard, Rotmilan und Baumfalke sowie diverse Fledermausarten in diesem Gebiet beheimatet. "Eine besonders reizvolle Natur- und Kulturlandschaft ginge unwiederbringlich verloren." An die Zahl von sieben Windrädern glaubt Bradtka ohnehin nicht. Er hat Informationen, die letztlich auf ein "riesiges Industriegebiet mit bis zu 20 Windkraftanlagen" hindeuten. "Aber selbst in abgespeckter Form wäre der Windpark unverantwortlich", meint der Vorsitzende des anerkannten Naturschutzverbands.

Nicht nur wegen dieser Pressemitteilung sind die Initiatoren des geplanten Windparks derzeit gar nicht gut auf den VLAB zu sprechen. Sie werfen dem Verband vor, das Habichtskauz-Projekt in den Hessenreuther Wald ausgedehnt zu haben, obwohl die Pläne für den Windpark bekannt waren. "Wir spielen mit offenen Karten", betont Geschäftsführer Bernhard Schmidt vom Grafenwöhrer Genossenschaftsverband Neue Energien West, der Grünbauer und ihren Mitstreitern mit Rat und Tat zur Seite steht.

Anteile ab 500 Euro

In der 10-H-Abstandsregelung, auf die viele Windkraftgegner hoffen, sieht Schmidt übrigens kein Problem bei der Realisierung der Planung, und das obwohl Windräder bis zu 1000 Meter an den Ort Albenreuth heranrücken sollen. Entscheidend sei hier die Haltung der Stadt Erbendorf und die stehe dem Projekt positiv gegenüber, so Schmidt, der für die Freien Wähler im Erbendorfer Stadtrat sitzt. Er ist deshalb guter Dinge, dass bis 2021 Anteile für den Windpark gezeichnet werden können. Ab 500 Euro sollen die Bürger einsteigen dürfen. Als Zuckerl stellt Schmidt den Anteilseignern auch noch "günstigeren Strom als vom Grundversorger" in Aussicht.

Ein großes Hindernis für den Bau ist übrigens mittlerweile verschwunden: wegen des Schwarzstorchs waren die Planung ins Stocken geraten. Nach Auskunft von NES-Geschäftsführerin Birgit Grünbauer ist der Horstbaum, der auch wegen einer Pfeilen in die Schlagzeilen geraten war, nach einem Windbruch mittlerweile ganz abgesägt worden. "Er durfte nach Rücksprache mit den Fachbehörden des Landratsamtes vom Waldbesitzer gefällt werden", erklären die NES-Gesellschafter. Auch hier widerspricht das Landratsamt: "Die Baumfällung ist der Unteren Naturschutzbehörde erst nachträglich bekannt geworden, es gab keine vorherige Rücksprache, auch wurde der Baum vorher nicht in Augenschein genommen", betont Brucker. Von einem neuen Nistplatz des Storchs ist Geschäftsführerin Grünbauer nach eigenen Angaben nichts bekannt.

Noch überragen keine Windräder den Hessenreuther Wald. Windmessungen haben allerdings ergeben, dass dort solche Anlagen sehr wirtschaftlich betrieben werden könnten.

Hier der Bericht über den Pfeilangriff

Der Baum, auf dem früher der Schwarzstorch gebrütet hat, ist verschwunden. Nachdem ein Sturm die Spitze mit dem Horst abgebrochen hatte, wurde er ganz beseitigt.
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Kommentare

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Dr. Jürgen Spielhofen

Die gigantischen finanziellen Anstrengungen (Altmeier sprach von 1 - 2 Billionen allein für Deutschland!) machen nur dann Sinn, wenn nachgewiesen werden kann, dass der Klimawandel zu 100% menschengemacht ist. Die sog. "Klimawandelleugner" sprechen dagegen von 0%. Ich vermisse eine rationale Diskussion darüber, dass dieser Wert auch irgendwo dazwischen liegen könnte. Sind es nämlich deutlich weniger als 100%, dann wäre es vielleicht sinnvoller die Gelder dahingehend umzulenken, dass den Betroffenen geholfen wird.

Übrigens: als alternative Informationsquelle zu diesem Thema empfiehlt sich das Europäische Institut für Klima und Energie (EIKE).

09.05.2019
Sonja Schuhmacher

Wenn es dem VLAB um Wald- und Vogelschutz ginge, würde er sich gegen West IV engagieren (Sperlingskauz und Rauhfußkauz sind hier bedroht). Ebenso würde er gegen Autobahnen und große Fensterflächen vorgehen, denen die meisten Vögel zum Opfer fallen. All das tut dieser Verband nicht.
Wenn es um Natur- und Artenschutz geht, ist der Bund Naturschutz die maßgebliche Organisation. Der VLAB ist im Prinzip ein Verein zur Verhinderung Erneuerbarer Energien, befördert also den Klimawandel und damit das 6. große Artensterben auf diesem Planeten, das nicht etwa durch Windräder ausgelöst wird, sondern durch das hemmungslose Verbrennen von Braunkohle, Erdöl und Erdgas.
Windenergie gehört hingegen zu den Energiequellen, die uns helfen, das Artensterben und den Klimawandel zu bremsen und dennoch unsere Zivilisation und ihre positiven Errungenschaften zu bewahren.

09.05.2019
Maria Estl

Europaweit demonstrieren Schülerinnen und Schüler seit Monaten in den Fridays For Future gegen die Untätigkeit der Verantwortlichen in Sachen Klimawandel, Wissenschaftler auch vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnen gar vor einer Beschleunigung der Erderwärmung mit gravierenden negativen Folgen für unsere Lebensgrundlagen. Das kann nur durch einen raschen Umstieg auf 100% Erneuerbare abgemildert werden, wie andere Wissenschaftler (u. a. Prof. Claudia Kemfert, DIW) wissen. Dazu gehört auch die Windkraft. Und der VLAB? Der Verein kämpft immer wieder gegen die Energiewende, indem er Windkraftanlagen als „Industrieanlagen“ bezeichnet, die die „Landschaft zerstören“. Warum propagiert der Verein diese irrational wirkende Darstellung? Hat man es dort noch nicht verstanden, dass der menschgemachte Klimawandel die Landschaft in ganz Deutschland substanziell zerstören wird – nicht nur optisch? Landschaft- und Artenschutz werden derzeit in Bayern gestärkt durch das erfolgreiche Volksbegehren – ohne jegliche Mitwirkung des VLAB. Hier hat sich der Verein ausgeschlossen, was den Eindruck erweckt, dass es ihm nicht um Artenvielfalt geht, sondern nur um die Verhinderung der Windkraft. Dabei hat diese überall da in Bayern, wo WKA in Bürgerhand errichtet wurden, an Akzeptanz gewonnen, etwaige vorherige Proteste verstummten. Und die Wertschöpfung bleibt in der Region, was auch dem Hessenreuther Wald nicht schaden wird.

09.05.2019
Dr. Jürgen Spielhofen

Sigmar Gabriel (SPD) im April 2014:

"Die Wahrheit ist, dass wir die Komplexität der Energiewende auf allen Feldern unterschätzt haben. Die anderen Länder in Europa halten uns sowieso für Bekloppte.“

09.05.2019
Peter Steinbock

Ich bin betroffen und entsetzt, wie offensichtlich der Hessenreuther Wald von seiner wichtigen Rolle beim Artenschutz entfremdet werden soll. Pfeilangriff und Horstentfernung sind nicht vergessen. Da werden im bayerischen Landtag neue Artenschutzverantwortlichkeiten öffentlichkeitswirksam debattiert und in der Oberpfalz, einer Heimat des Artenschutzes, wird zum dauerhaften Vernichten dieser Werte mobil gemacht. Das darf nicht geschehen. Ich hoffe sehr, daß sich die Politik auf jeder Ebene wieder entschieden und klar auf die soziale Marktwirtschaft und den Wettbewerbsgedanken besinnt. Die Kommandowirtschaft in Form des Erneuerbaren Energien Gesetzes, die den unverdienten Profit über alles in den Himmel hebt, gehört beseitigt. Die aktuellen Wortmeldungen deutscher Wirtschaftsführer habe ich genau auch so verstanden. Das ist meine Meinung.

09.05.2019