27.09.2019 - 11:40 Uhr
ErbendorfOberpfalz

Windpark im Hessenreuther Wald: Im Westen nichts Neues

Mehr und vor allem genauere Informationen: Das hatten sich die Besucher der Info-Veranstaltung der Firma Natural Energy Solutions (NES) zum angedachten Windpark am Hessenreuther Wald gewünscht. Aber: Fehlanzeige.

Die NES informierte in der Stadthalle zum geplanten Windpark im Hessenreuther Wald.
von Jochen NeumannProfil

Interessierte Bürger, Befürworter und Gegner eines Windparks im Hessenreuther Wald waren gleichermaßen im großen Saal der Stadthalle vertreten, um sich Ausführungen der Verantwortlichen der Firma NES aus Erbendorf zum geplanten Windpark „Silberschlag“ im Hessenreuther Wald zu lauschen. Ein Zwischenruf offenbarte es: „Null Info.“

NES-Geschäftsführerin Maria Schmidt kündigte gleich zu Beginn an, dass aus dem Publikum bei den Vorträgen keine Fragen zugelassen seien. „Wir laden sie im Anschluss zu unseren Info-Points ein, an denen wir ihre individuellen Anfragen beantworten werden.“

Mit einem weiteren Paukenschlag ging sie kritisch auf die Berichterstattung in den Medien ein. Ihr stieß vor allem der Bericht im Neuen Tag vom 26. September auf, in dem behauptet wird, dass die Bürgerinitiative „Windkraftfreie Heimat“ beim Waldhausfest im Steinwald vom Zweckverband Steinwald-Allianz unterstützt worden sei. „Auf Nachfrage stimmt das so nicht.“

„Wir finden es schade, dass viele irreführenden Informationen rausgehen, ohne bei uns nachzufragen“, stellte Maria Schmidt fest. „Die Bürger werden damit verunsichert und verwirrt“. Mitgesellschafter Albert Nikol sprach die „überraschenden Ergebnisse“ an, die vom im Hessenreuther Wald aufgestellten 140-Meter hohen Windmessmast ausgelesen wurden. „Wir haben den bestvermessensten Standort in ganz Bayern“, stellte er fest. Über 100 Meter Höhe herrschen danach beste Windvoraussetzungen und wortwörtlich „der geringste Schall.“

Ein Wort verlor Nikol über die Flächeninanspruchnahme bei der Errichtung eines Windrads mit einer Gesamthöhe von gut 240 Metern. So seien 400 Quadratmeter mit Fundament fest bebaut. Für den Aufbau selbst sei eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes notwendig.

Birgit Grünbauer von der Firma NES betonte, dass ihr die Bürgerbeteiligung an diesem Projekt sehr am Herzen liege. Zur aktuellen Berichterstattung in den Medien merkte sie an, dass die veröffentlichte Skizze mit 13 Windrädern lediglich für ein Gutachten zum Schwarzstorch und Fischadler angefertigt wurde. „Es sind alles fiktive Standorte“, stellte sie fest. „Denn wer den Plan genauer anschaut stellt fest, dass die angenommenen Standorte topografisch nicht bebaubar sind.“

Sie führte aus, dass eine genaue Standortbestimmung der geplanten Windräder erst nach Vorlage der speziellen artenschutzrechtlichen Prüfung (saP) vorgenommen werden könne. „Diese Skizze ist nur eine Arbeitsunterlage, nicht mehr und nicht weniger“, betonte Grünbauer. Kritik übte Grünbauer am Landratsamt in Tirschenreuth. Der Behörde lag die Planskizze vor. „Mich würde interessieren, wie die Skizze den Weg aus dem Landratsamt fand, ohne Zustimmung oder Kenntnis unsererseits.“ Sie erwarte gerade von solchen Stellen eine gewisse Objektivität. „Wir können deshalb auch verstehen, dass die Skizze ohne ein Hintergrundwissen bei den Bürgern Sorge hervorrief.“

„Wir können ihnen heute keine Ergebnisse präsentieren, nur darüber informieren, was wir untersucht haben.“ Mit diesen Worten begann die Geschäftsführerin Gabi Töpfer-Hofmann vom Planungsbüro ANUVA aus Nürnberg ihren Vortrag. Sie hatte die Aufgabe, ein vogelschutzrechtliches Gutachten zu erstellen.

„Derzeit läuft gerade die Auswertung der Ergebnisse“, stellte sie fest. Nach ihren Worten seien elf Vogelarten erfasst worden. „Häufig ist der Fischadler im Planungsgebiet anzutreffen, regelmäßig der Schwarzstorch.“ Zum Rotmilan merkte Töpfer-Hofmann an, dass dieser mehr die Offenlandflächen am Hessenreuther Wald bevorzugt. „Erst wenn unser Gutachten fertig ist, kann gesagt werden was geht und was nicht.“

Dr. Reinhard Wunderlich von der Firma IBAS informierte über Schall- und Lichtimmissionen sowie Eiswurf. „Wir können nur Prognosen machen, denn wir wissen nicht, welche Anlage kommen wird“, stellte er gleich zu Beginn seines Referats vor.

Voruntersuchungen seien bereits gemacht worden, die Prognose für den Windpark stellte Dr. Wunderlich für das kommende Jahr in Aussicht. In seinem Vortrag verlor sich der Fachmann in Amplituten, Schwingungen und dem Aufbau des menschlichen Ohrs. Allgemein stellte er klar: „45 Dezibel sind nicht gesundheitsschädlich.“ Auch sei es für den Fachmann Fakt, dass der Infraschall im Abstand von 800 und mehr Metern für Mensch und Natur nicht schädlich ist.

Mariella Schubert, zuständig für die gesamte Planung der Firma NES, stellte fest, dass der Windpark Silberschlag noch in keinem Genehmigungsverfahren sei. „Wir sind noch bei der Vorprüfung, da noch viele Prüfungspunkte abzuarbeiten sind.“ Weit holte sie wegen dem Dauerblinken in Sachen Flugsicherheit auf den Windrädern aus. „Nach einem neuen Gesetz verschwindet das Dauerblinken“, stellte Schubert fest. „Bei neuen Windrädern ist es technisch möglich, das Dauerblinklicht nur dann anzuschalten, wenn Flugzeuge in der Nähe sind.“

Schubert sprach von einem „Bürgerwindpark“ im Hessenreuther Wald. „Er ist von Bürgern für Bürger.“ Den Teilnehmern der Infoveranstaltung machte sie die Beteiligung mit „Vorzugspreisen“ schmackhaft. Sie betonte den „Strombezug vor Ort“ und hatte für die Stadt Erbendorf als „Hausherrn des Windparks“ sogar noch ein Zuckerl parat: „Pro Windrad stellen wir dann jährlich der Stadt eine bestimmte Summe für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung.“

„Wir müssen Verantwortung zeigen für die nächsten Generationen“, betonte NES-Gesellschafter Albert Nikol. „Mit unserem Windpark können wir einen Beitrag für den Klimaschutz leisten.“ Er führte aus, dass das Handeln in Sachen Klima auch „Mut für Veränderungen“ bedürfe. „Null Info“, rief ein Zuhörer am Ende der Veranstaltung den Verantwortlichen zu. Eine öffentliche Diskussion fand nicht statt. Für alle, die Fragen hatten, wurde in stillen Ecken des Saals gesprochen. Die anderen Teilnehmer gingen mit dem Wissenstand nach Hause, mit dem sie gekommen waren - einige bereits vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung.

Mariella Schubert
Die NES informierte in der Stadthalle zum geplanten Windpark im Hessenreuther Wald.
Dr. Reinhard Wunderlich
NES-Gesellschafterin Birgit Grünbauer.
Der "Gesellschaftertisch" beim Informationsabend.
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Kommentare

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Manuela Zebisch

Was ist dass für eine I n f o r m a t i o n s - Veranstaltung, bei der keine öffentlichen Fragen zugelassen werden? Hat man wohl was zu verbergen? Ich hätte z.B gerne die Frage öffentlich beantwortet haben wollen: Erfahrungsgemäß verlieren alle Immobilien im Bereich von Windkraftanlagen weit über 1/3 ihres Wertes. Mein Anwesen, welches dann ggf. betroffen ist, hat einen aktuellen Immobilienwert von über 300.000 €. D.h. ich würde von heute auf morgen einen Wertverlust von 100.000 € hinnehmen müssen. Und hier hätte ich schon gerne gewußt, ob die Firma NES bzw. deren Betreiber mir dann den durch die Windräder entstandenen Wertverlust ersetzen?

Gerade solche Fragen sind doch für viele andere Bürger auch mehr als wissenswert, da es Ihnen wahrscheinlich genau so ergeht? Anscheinend ist man für solche unvorbereitete Fragen einfach zu feige gewesen, diese öffentlich zuzulassen.

An sonsten war es keine Info- sondern eine reine Werbeveranstaltung. Dass dies überwiegend von den Besuchern so empfunden wurde, davon zeugt ja schon die Tatsache, dass mehrere Besucher bereits vorzeitig den Saal verließen und der Unmut durch Zwischenrufe wie „ null Info“ laut kundgetan wurde!

Das angebotene „ Zuckerl“ für die Stadt Erbendorf - für jedes aufgestellte Windrad jährlich einen Betrag für irgend welche Zwecke zur Verfügung zu stellen, ist sehr anrüchig und grenzt schon an Bestechung!

Aber das alles ist man von den NESˋlern ja bereits gewöhnt!

02.10.2019
Maria Estl

Fast eine Seite heute in der Druckausgabe des Neuen Tags, das ist erstaunlich viel Text für einen Artikel, der angeblich keine Informationen enthält, wie der Autor meint. Waren wir vielleicht in verschiedenen Veranstaltungen?
Die NES hatte erfahrene Experten aufgeboten, die fundierte Informationen zu Schall, Immissionen, artenschutzrechtlichen Prüfungen und dem komplexen Ablauf des gesamten Verfahrens gaben, und zwar zwei Stunden lang. Für mich war viel Wissenswertes und Neues dabei, obwohl ich mich schon mit dem Thema beschäftigt habe. Die NES hat die Informationen gegeben, die sie geben konnte, denn das Prüf- und Genehmigungsverfahren ist noch nicht beendet. Wer erwartet hatte, dass verkündet werde, ob und wo die WEA gebaut werden, ging freilich von unrealistischen Voraussetzungen aus. Das kann niemand zum jetzigen Zeitpunkt sagen, worauf die NESler auch dezidiert hinwiesen. Grund hierfür ist die lange Dauer eines Prüfverfahrens. Und das einzuhalten, fordern die gesetzlichen Vorschriften und auch gerade die Gegner von WEA.
Bemängelt wurde (von wem eigentlich?) auch, dass nicht diskutiert wurde. Diskutieren kann man aber weder die für die Prüfungen maßgebenden Vorschriften noch die physikalischen Gegebenheiten z. B. zum Schall. Fragen dazu konnten freilich gestellt werden und wurden auch vollständig nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. So, wie es sich für eine Informationsveranstaltung gehört.

28.09.2019
Maria Estl

Fast eine Seite heute in der Druckausgabe des Neuen Tags, das ist erstaunlich viel Text für einen Artikel, der angeblich keine Informationen enthält, wie der Autor meint. Waren wir vielleicht in verschiedenen Veranstaltungen?
Die NES hatte erfahrene Experten aufgeboten, die fundierte Informationen zu Schall, Immissionen, artenschutzrechtlichen Prüfungen und dem komplexen Ablauf des gesamten Verfahrens gaben, und zwar zwei Stunden lang. Für mich war viel Wissenswertes und Neues dabei, obwohl ich mich schon mit dem Thema beschäftigt habe. Die NES hat die Informationen gegeben, die sie geben konnte, denn das Prüf- und Genehmigungsverfahren ist noch nicht beendet. Wer erwartet hatte, dass verkündet werde, ob und wo die WEA gebaut werden, ging freilich von unrealistischen Voraussetzungen aus. Das kann niemand zum jetzigen Zeitpunkt sagen, worauf die NESler auch dezidiert hinwiesen. Grund hierfür ist die lange Dauer eines Prüfverfahrens. Und das einzuhalten, fordern die gesetzlichen Vorschriften und auch gerade die Gegner von WEA.
Bemängelt wurde (von wem eigentlich?) auch, dass nicht diskutiert wurde. Diskutieren kann man aber weder die für die Prüfungen maßgebenden Vorschriften noch die physikalischen Gegebenheiten z. B. zum Schall. Fragen dazu konnten freilich gestellt werden und wurden auch vollständig nach bestem Wissen und Gewissen beantwortet. So, wie es sich für eine Informationsveranstaltung gehört.

28.09.2019