24.03.2020 - 09:58 Uhr
Erlheim bei UrsensollenOberpfalz

Heimatkundlicher Stammtisch Ursensollen beschäftigte sich mit besonderen Zeitgenossen

Was war der „Keil“ aus Eglhof nun? Ein Original oder doch nur ein armer Zeitgenosse, der am Rande der Gesellschaft mit einigen Handicaps das Leben mehr schlecht als recht fristete?

Josef Neger aus Stockau, 1980 mit 93 Jahren verstorben, war mit seiner Kapelle Mühlbauer im ganzen südwestlichen Landkreis als Original bekannt.
von Josef SchmaußerProfil

Solcherart Fragen stellten sich die 25 Teilnehmer am Heimtkundlichen Stammtisch der Gemeinde Ursensollen im Gasthof Erras in Erlheim. Sie befassten sich dabei unter anderem mit Menschen, die auffällig oft Menschen amüsierten, aber nicht selten auch brüskierten.

Sehr schnell war man sich in der Runde einig, dass oft bei Männern oder auch Frauen, die landläufig als originell oder außergewöhnlich bezeichnet werden oder wurden, der übermäßige Alkoholkonsum eine Rolle spielt. Die Diskussion widmete sich gerade auch Personen, die durch originelle Sprüche oder Anekdoten aufgefallen waren. Viele Teilnehmer konnten von schlagfertigen und witzigen Dialogen berichten, die teils über Jahrzehnte hinweg weitererzählt werden.

Ein Original war sicher Josef Neger aus Stockau, der im Februar 1980 im Alter von 93 Jahren verstarb. Er war bekannt dafür, dass er mit der Kapelle Mühlbauer jahrzehntelang viele Familienfeste und Kirchweihen begleitete. In Erinnerung ist auch noch „der alte Heiland“ aus Ursensollen, der einst um 1900 die Hausener Bürger foppte und ihnen als "Führer eines Vermessungstrupps“ die Lokalbahn versprach.

Manche Geschichten kamen hoch. So von einem Bürger, ebenfalls aus Ursensollen, der beim Frühschoppen vieldeutig zu seinem Nachbarn sagte: „Ich sag' ja nicht, dass du meine Gänse gestohlen hast, aber wenn du nicht gewesen wärst, hätte ich sie noch.“ In Hausen wurde einst ein weißer Stallhase gestohlen – manche erzählen, aus dem Hasenstall des Pfarrers. Im leeren Stall fand sich ein Schild mit den Worten: „Gott ist überall, nur nicht im Hasenstall.“ Im Anschluss wurde eine Wirtin gebeten, einen Braten zu zubereiten, und der nichts ahnende Bestohlene auch zu dem Mahl eingeladen. Etwas später fand er im Hasenstall ein ausgestopftes braunes Exemplar mit Sonnenbrille vor. Es hatte ein Schild um den Hals: „Bin vom Urlaub zurück.“

Oben erwähnter „Keil“ wollte einmal seine stets klamme Kasse aufbessern. Ein Bauer hatte im Schuppen einen riesigen Berg Holz aufgeschichtet, uer „Keil“ sollte ihn spalten. Der Auftraggeber zahlte den vereinbarten Betrag, als er einen Haufen gespaltenes Holz sah. Erst später stellte sich heraus, dass der Spitzbube nur einen Teil davon gespalten und die Scheite geschickt über die restliche Arbeit geschichtet hatte. Wie immer bestand beim Stammtisch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch über andere heimatkundliche Themen. Was verdiente um 1939 ein Obergefreiter? Georg Ströhl hatte eine Originalabrechnung seines Vaters Josef dabei. Im Quartal verdiente der Soldat damals 139 Reichsmark.

Die für Mittwoch, 8. April, 19 Uhr, angekündigte Wiederholung des Vortrages von Helmut Birner über den Flugzeugabsturz bei Garsdorf am 9. April 1945 wird aus aktuellem Anlass auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

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