01.10.2020 - 16:19 Uhr
Oberpfalz

Erntedank: Frauenbund und KAB in Sulzbach erstmals gemeinsam aktiv

Erntedank am Annaberg und in der Pfarrkirche St. Marien, so ist es in Sulzbach-Rosenberg seit vielen Jahren Brauch. Seit wegen der Corona-Pandemie Ge- und Verbote zu beachten sind, musste das Fest am Annaberger Freialtar aufgegeben werden.

von Helga KammProfil

Von den üblichen Erntedank-Traditionen musste sich die Pfarrei St. Marien in Sulzbach wegen der Pandemie verabschieden. In der Pfarrkirche dagegen wurde aber am vergangenen Sonntag ein feierlicher Erntedank-Festgottesdienst gefeiert. Und wie alle Jahre schmückten prachtvolle Blumengebinde die Kirche. Und wie all die Jahre war ein kunstvoller Erntealtar aufgebaut worden - zum Dank für die Gaben der Natur. Verantwortlich waren Frauen von Katholischer Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) und Frauenbund. "Wir arbeiten jetzt miteinander", sagt Marianne Zangl, die als KAB-Mitglied seit 15 Jahren den Erntealtar maßgeblich mitgestaltet, "denn der Frauenbund war bisher für den Annaberg zuständig". Die KAB-Frauen seien über diese "Fusion" erfreut und dankbar, "weil wir halt auch alle älter werden und Hilfe gut tut".

Das Erntedankfest wird in der Regel am ersten Sonntag im Oktober gefeiert, aber in manchen Pfarreien eine Woche früher, so auch in St. Marien. Für die Entstehung dieses Brauches gab es zwei Gründe - einen weltlichen und einen religiösen. Weil früher die Ernte für die Menschen viel wichtiger war als es heute der Fall ist, wurde den Göttern gedankt. Im Mittelalter hat sich parallel dazu der weltliche Aspekt entwickelt. Wenn Bauern die Ernte beim Grundherren abgeliefert haben, übergaben sie als Zeichen für den Abschluss der Arbeiten einen Kranz oder eine Krone, eine Tradition, die sich bis heute hält.

Die ältesten Belege für ein Erntedankfest im Christentum stammen aus dem dritten Jahrhundert. Eine allgemein zu beobachtende Entwicklung zeigt, dass beim Erntedank der religiöse Zusammenhang immer weiter in den Hintergrund rückt, die Bräuche werden - wie bei Thanksgiving in den USA - oft zu verweltlichten Kostümfesten.

Nicht so in St. Marien. Hier findet der Erntedank vor allem in der Kirche statt. Acht Frauen von KAB und Frauenbund waren am vergangenen Samstag schon morgens mit Taschen, Körben, mit Gartenscheren und Steckschwämmen zugange, um einen prächtigen Erntealtar aufzubauen. Viele Frauen hatten ihre Gärten geplündert, um Dahlien, Herbstastern, Sonnenblumen, Schmuckkörbchen, Fetthenne und Gräser mitzubringen, mit denen die Vasen in der Kirche gefüllt wurden.

In Körben und Kisten wurden Gemüse gebracht: Kürbisse, Blau- und Weißkraut, Gurken, Tomaten, Paprika und Zwiebel, daneben Äpfel, Birnen, Pfirsiche und Zwetschgen. Die Erntegaben wurden nach Farben und Größen kunstvoll arrangiert, gesteckt und aufgebaut. Lücken wurden mit Gräsern und Zweigen gefüllt. Das Ergebnis wurde immer wieder kritisch betrachtet und notfalls verbessert. Regie führte aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung Marianne Zangl.

Alle Frauen sind gärtnerische Laien, aber mit viel Freude haben sie Blumen, Gemüse und Obst gespendet, um mit Geschick und Fantasie einen üppigen Erntealtar aufzubauen. "Unsere Zusammenarbeit funktioniert bestens", freute sich Zangl, während sie den Sechs-Pfünder-Brotlaib (Spende der Bäckerei Übler) platzierte. Ein paar Stunden konzentrierter Zusammenarbeit, war das Werk vollbracht: Der Erntealtar üppig, farbenprächtig, kunstvoll aufgebaut. "Er wird schon bewundert werden beim Festgottesdienst am Sonntag", sagten die Frauen, "und ein Dankeschön bekommen wir wohl auch. Wenn nicht, dann war's für Gotteslohn."

Naturgemäß währt sie nicht lange, die Pracht an der Seite des Altarraumes. "Am Dienstag werden wir wieder abbauen", vermutete Zangl. Wenn die Gräser umknicken, die Blätter der Schmuckkörbchen fallen und die Blumen die Köpfchen hängen lassen, dann ist die Zeit des Erntealtars zu Ende. Nicht aber der Dank für ein gutes Jahr, für die Gaben der Natur und den Segen von oben, den es für alles Wachsen und Gedeihen braucht. Bei den Erntedank-Gottesdiensten in St. Marien verkaufte der Frauenbund Kapuzinerkresse-Tinktur und Johanniskraut-Öl, hergestellt nach der Rezeptur von Schwester Corona.

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