Aus der damaligen Privaten Realschule wurde ein Gymnasium, das nach sieben Jahrzehnten Lehrtätigkeit aus dem kulturellen Leben der Region nicht mehr wegzudenken ist.
Spiritus Rektor und unermüdlicher Motor einer kleinen Bürgerinitiative war Steuerberater Otto Bogendörfer, der - zahlreichen Intrigen zum Trotz, vielfach angezweifelt und belächelt, teilweise sogar angefeindet - als erster Vorsitzender des am 23. November 1948 gegründeten Schulvereins die Voraussetzungen für den Unterrichtsbeginn schuf.
Nach einer Zufallsbegegnung mit Edmund Langhans, der mit Ehefrau Elfriede Langhans Unterrichtsvoraussetzungen einbrachte, sprachen Bogendörfer, Langhans und Bürgermeister Josef Decker nach einem im Juli eingereichten Antrag auf Genehmigung der Schulgründung bei der Regierung der Oberpfalz vor. Das unbefriedigende Ergebnis führte dazu, dass Landrat Josef Prüschenk persönlich bei Staatsminister Alois Hundhammer initiativ wurde und mit der mündlichen Zusage ("Dann fangt's halt an") aus München zurückkehrte. Zur nun einsetzenden Propaganda gegen die Schule zählten ehrabschneidende Verdächtigungen gegen die Eheleute Langhans. Gegnerschaften von Lehrkräften der Volksschule und aus dem Kreis des Stadtrates sowie ein Leserbrief in der damaligen Eschenbach-Auerbacher Volkszeitung, in dem die Stadt gewarnt wurde, sich bei der Unterstützung der Schule zu engagieren, folgten.
38 Kinder angemeldet
Von der Idee bis zur Verwirklichung der Schule waren nur zweieinhalb Monate vergangen. Innerhalb kurzer Zeit hatten weitsichtige Eltern 22 Buben und 16 Mädchen zum Unterricht angemeldet. Neben Fachlehrer Zenker (Englisch), Pfarrer Grimm und Kaplan Starostzik (katholische und evangelische Religionslehre) sowie Studienrätin Dr. Elfriede Langhans (Deutsch) unterrichtete Edmund Langhans alle weiteren Fächer. Sämtliche Lehrkräfte waren Heimatvertriebene. Damit die Pädagogen und der Schulbetrieb finanziert werden konnten, hatten die Schülereltern pro Kind 20 Mark (zur Währungsreform im Juni des gleichen Jahres hatte jeder ein Startgeld von 40 D-Mark erhalten) Schulgeld zu entrichten.
Das Geld reichte aus, um die Lehrer stundenweise zu entlohnen und die notwendigsten Lehrmittel zu beschaffen. Lernmittel- und Schulwegfreiheit waren unbekannte Begriffe. Ab dem Schuljahr 1949/50 standen im ehemaligen Werkstattgebäude der Arbeitsgemeinschaft Königsberger Möbeltischler in der Jahnstraße (später Verkaufsstätte der Firma Autoteile Junge) zwei Räume zur Verfügung. Im Jahr darauf folgten ein weiterer Raum im Kindergartengebäude an der Bergkirche und ab dem Schuljahr 1951/52 nochmals ein Unterrichtsraum im Rückgebäude (ehemalige Schneiderwerkstätte) des Anwesens Decker (heute "Haus an der Bergkirche").
Im September 1952 ergaben sich Schwierigkeiten mit der Unterbringung der 5. Klasse (nach heutiger Zählweise 9. Klasse). Zu Beginn dieses Schuljahres war die Gesamtschülerzahl bei 177 angelangt. Für die standen in den ersten beiden Wochen nur vier Räume zur Verfügung. Durch eine günstige Stundeneinteilung und eine Wanderklasse konnte dieser Engpass überwunden werden. Ab 15. September bot das Erdgeschoss des soeben fertiggestellten Volksschulgebäudes den benötigten Unterrichtsraum.
Zäher Landrat
Dank der bewundernswerten Zähheit von Landrat Decker gab es ab 1958 ein erstes eigenes Gebäude hinter der Bergkirche. Seit 6. März 1958 nannte sich die Schule "Oberrealschule". Zum 1. Oktober 1960 erfolgte die Verstaatlichung. 1966 besuchten bereits mehr als 300 Kinder in acht Klassen die nunmehr in mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium umbenannte höhere Lehranstalt. Die mageren Jahre waren vorbei. Weil jedoch das Gebäude für nur sechs Klassen konzipiert war, mussten Klassen außerhalb untergebracht werden (in der Volksschule). Es galt daher, ein bisher für unmöglich gehaltenes Projekt in Angriff zu nehmen: Bau eines ausreichend großen Gymnasiums mit Abiturmöglichkeit. Nach einer Bauzeit von 16 Monaten begann im neuen Gebäude am 7. September 1967 der Unterricht. Ein erneut erforderlich gewordener Erweiterungsbau wurde Ende 1986 bezogen.
Oberstudiendirektor Knut Thielsen ist der inzwischen neunte Leiter der Schule. Seine Vorgänger hatten Amtszeiten von nur 6 Wochen bis zu 30 Jahren. Edmund Langhans (20. September 1948 bis 6. September 1954) folgte mit seiner Ehefrau dem Ruf des Landes Baden-Württemberg und unterrichtete fortan in Stuttgart. Nach Meinung von Bürgermeister Hans Scherm, Stadtpfarrer Augustin Meierhofer und Volksschulrektor Klier, die der Schule ohnehin von Anfang an ablehnend oder kritisch gegenübergestanden waren, sollte nun ein Bayer die Leitung der Privaten Realschule übernehmen.
Mit Karl Hämmerle, Oberstudienrat i.R. aus München mit verwandtschaftlichen Banden zu Eschenbach, war eine offensichtlich geeignete Person gefunden. Der neue Schulleiter strich jedoch nach wenigen Wochen die Segel: Seine Begründung: "Das ist mir zu schwer." Als sich Lehramtsassessor Waldemar Hupp als dienstälteste Lehrkraft an das Kultusministerium wandte, erklärte sich dies wegen der Privatschule für nicht zuständig. Elfriede Langhans, inzwischen Bedienstete des Landes Baden-Württemberg, kehrte nach Eschenbach zurück und sicherte damit den Bestand der Schule. Ihr folgte ab 1. August 1955 Studienrat Karl Hager, ebenfalls Absolvent der Universität Prag.
"Ära Hupp"
Nach dessen plötzlichem Tod (1. Januar 1958) übernahm Waldemar Hupp am 8. Januar die Schulleitung und lenkte 30 Jahre lang die Geschicke der expandierenden Schule. Als er sie 1988 an Oberstudiendirektor Walter Kandsberger übergab, verfügte sie über 534 Schüler. Man spricht noch heute von der "Ära Hupp". Als dessen Nachfolger wurden 1994 Roland Jobst und 2000 Paul Lippert eingeführt.
Zur 50-Jahr-Feier am 30. April 1998 strömten rund 900 Besucher in die Schule. Zum Festakt mit Staatssekretär Rudolf Klinger vom Kultusministerium, Luba Hafnerova und Jan Mayer vom Jura-Hronca-Gymnasium Preßburg und Direktorin Barbara Geitner vom Melanchton-Gymnasium Wittenberg hatten sich auch nahezu alle Schüler der ersten Jahrgänge eingefunden. Für seine Verdienste um die kulturelle Entwicklung von Eschenbach verlieh die Stadt Edmund Langhans 1988 die Bürgermedaille. Eine weitere Würdigung erfuhr er posthum im November 2004 durch die Namensgebung der neuen Ringstraße beim Gymnasium: Edmund-Langhans-Straße.
Am 20. September 1948 begann in einem provisorischen Unterrichtsraum (spätere Restauration) im Ottoheim für 36 Schüler der Unterricht an Eschenbachs höherer Lehranstalt, der damaligen „Privaten Realschule“. Ab 8. September 1958 bildete hinter der Bergkirche ein eigenes Gebäude die Voraussetzung dafür, dass erstmals unter einem Dach unterrichtet werden konnte. Im gleichen Jahr, am 1. Oktober, wurde die am 6. März 1958 in „Oberrealschule (Klasse 1 bis 6)“ umbenannte Private Realschule verstaatlicht. Nach einer Rekordbauzeit von nur 16 Monaten zogen am 7. September 1967 die Schüler in den höchstgelegenen Neubau am Eschenbacher „Bildungshügel“ ein.
Helga Frohnhöfer, geborene Seidel, erinnert sich auch 70 Jahre nach Unterrichtsbeginn an der damaligen Privaten Realschule an die damit verbundenen Anreisewege. Ihre Familie war aus dem nordböhmischen Rumburg vertrieben worden und hatte in Trabitz eine erste Bleibe gefunden. Helga besuchte in Burkhardsreuth die Volksschule. Die Mutter hatte am Landratsamt einen Arbeitsplatz gefunden, von der Gründung einer Realschule erfahren und ihre Tochter angemeldet.
„Pfarrer Bauer aus Burkhardsreuth wusste anscheinend auch von der künftigen Realschule und hielt unter ausgesuchten Schülern so etwas wie eine Probeaufnahmeprüfung ab. Nach dieser fuhren wir zu viert oder fünft mit der Pferdekutsche über Speinshart und Tremmersdorf zur richtigen Aufnahmeprüfung nach Eschenbach. Wenn die Leute nach unserem Ziel fragten, antworteten wir: ‚Zur Musterung‘. Die Prüfung fand im Nebenraum des Saales im Ottoheim statt.
In den ersten Unterrichtswochen kam es vor, dass wir Schüler am Montagfrüh die leeren Bierkrüge des Wochenendes wegräumen mussten.
Der Schulweg war damals nicht einfach. Ich musste früh immer zu Fuß von Preißach nach Trabitz zum Bahnhof laufen. Dann ging es mit dem Zug, nach dem Umsteigen in Pressath, nach Eschenbach. Ich kann mich noch erinnern: Wenn es im Sommer sehr heiß war und der Bahndamm brannte, hielt der Zug an und wir Schüler schlugen mit Ästen das Feuer aus.“
In bester Erinnerung sind der späteren Abiturientin an der Weidener Mädchenoberrealschule der mehrmalige Wechsel in Unterrichtsräume während sechs Jahren an der Privaten Realschule und der Mathematikunterricht bei Edmund Langhans: „In Weiden waren wir mit unseren Mathematikkenntnissen unseren Mitschülerinnen um ein halbes Jahr voraus.“
In Weiden waren wir mit unseren Mathematikkenntnissen unseren Mitschülerinnen um ein halbes Jahr voraus.











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