27.03.2020 - 12:22 Uhr
EschenbachOberpfalz

Bäcker, Bürgermeister, Blumenfreund

Mit ihm verlor die Stadt Eschenbach einen Bürger, der seine Heimat wie kaum ein anderer vor ihm geprägt hatte: In diesem Monat waren es 50 Jahre, dass eine große Trauergemeinde Hans Scherm auf seinem letzten Weg das Geleit gegeben hat.

Schlicht wie sein Leben ist auch das Sterbebild von Hans Scherm: Ein Foto wollte er nicht haben. Der Spruch darauf war sein eigener Wunsch.
von Georg PaulusProfil

Am 4. Februar 1902 geboren, erlernte Scherm nach der Schulzeit bei seinem Vater Max das Bäckerhandwerk. Nach bestandener Gesellenprüfung arbeitete er weiter im väterlichen Betrieb in der Nähe des Rathauses mit. Nachdem er in Mannheim und München Kenntnisse im Konditorhandwerk erworben und, heimgekehrt, an einem Meisterprüfungskurs teilgenommen hatte, übernahm Hans Scherm 1932 nach dem Tod seines Vaters die Bäckerei/Konditorei am Marienplatz 37.

1936 vermählte er sich mit der Brauereibesitzerin Margarete Pesch aus Kirchenthumbach, die ein Jahr später ihren Betrieb verkaufte. Ab 1942 nahm Hans Scherm als Sanitäter am Zweiten Weltkrieg teil. Nach der Entlassung aus englischer Kriegsgefangenschaft war er an der Wiedergründung der Bäckerinnung beteiligt.

Schon 1925 war er dem Katholischen Gesellenverein beigetreten. Nach der Gründung der Kolpingsfamilie Eschenbach war er Mitglied der Meistergruppe. Politisch in der Bayerischen Volkspartei angesiedelt, war er bis zu deren Verbot 1933 dort Bezirkskassier. Nach der Auflösung aller kirchlichen Vereine durch die NS-Organe nahm er ein großes Risiko auf sich, als er in der Privatwohnung geheime Sitzungen abhielt.

Sein kommunalpolitischen Engagement begann 1948 mit der Wahl in den Stadtrat. Weil vier Jahre später Josef Decker die Bürgermeisterwahl gegen Walter Ficker gewonnen hatte und zugleich zum Landrat des Landkreises Eschenbach gewählt worden war, kam es zu einer Stichwahl um das Amt des Bürgermeisters. Diese gewann Hans Scherm gegen den Lederhändler Max Schmidt.

In der „Heimat Eschenbach 1998“ schreibt Karlheinz Keck, der Vorsitzende des Heimatvereins: „Für Hans Scherm war ein öffentliches Amt gleichbedeutend mit uneigennützigem Dienst an der Allgemeinheit.“ Nächstenliebe, die Bewahrung der Heimat und eine intakte Natur waren die Richtschnur seines Handelns.

Sein Eintreten für den Naturschutz war in den 1950er Jahren vielen Mitbürgern nicht vermittelbar, aus heutiger Sicht aber richtig. In seiner Amtszeit (1952 bis 1956) erfolgten erste Flurbereinigungsmaßnahme, die Scherm wegen ihrer Notwendigkeit unterstützte, auch vor Folgen warnte: „Kein Hang mehr für ein Rastbank, keine Mulde für eine Vogeltränke, kein Quadratmeter für einen Feldbaum oder ein Feldkreuz? Ein seelenloses, gefühlarmes Land!“

Von den Eschenbachern wurde Scherm ein bißchen abschätzig „Blumen-Hans“ genannt, weil er sich für mehr Grünschmuck an Häusern, für Baumpflege und Blumenschmuckwettbewerbe einsetzte. „Hans Scherm verkörpert in besonderer Weise die Veränderungen und Brüche, die für die Entwicklung Eschenbachs in den ersten 70 Jahren des zu Ende gehenden Jahrhunderts kennzeichnend sind“, schrieb Karlheinz Keck 1998. Nur wenige wissen, dass Scherm in den 1920er Jahren eine Reihe von Erfindungen gemacht hat, die als Reichspatente anerkannt wurden.

Am Samstag, 7. März 1970, nahm der Ruheständler Hans Scherm im Gasthof „Weißes Ross“ an einer Wahlversammlung für Landrat Josef Decker teil, bei der er plötzlich zusammenbrach. In den Morgenstunden des Sonntags starb er im Krankenhaus Eschenbach an einem Gehirnschlag. Stadtpfarrer Josef Jungtäubl zelebrierte in der Pfarrkirche St. Laurentius das Requiem.

„Mit dem so plötzlichen Ableben unseres Ehrenmitglieds und stellvertretenden Kreisvorsitzenden Herrn Hans Scherm wurden die Gartenbaufreunde aus Eschenbach und dem ganzen Landkreis von einem schweren Verlust betroffen", sagte Fridolin Czerwinski, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins, in seiner Trauerrede am Grab von Hans Scherm. Dieser habe viele Jahre den Verein geprägt.

"Hans Scherm war der Motor, der uns immer antrieb und wach hielt für die wirklich schönen Aufgaben, die wir Gartenfreunde uns gesetzt haben", erklärte Czerwinski. "Dabei war er nicht so sehr auf den Nutzen bedacht, den der Gartenbau bringt oder bringen soll, seine Aktivität lag viel tiefer: Sie war in seinem Gemüt begründet, das ihn ein grünendes, blühendes Fleckchen Erde als ein Spiel notwendiger Lebensfreude betrachten ließ. Das oft gehörte Wort vom 'Blumen-Hans' ist bei uns für ihn zu einem Ehrennamen geworden. Noch so manches Kennzeichen seiner Tätigkeit ist noch in unserer Stadt vorzufinden.“

Nach dem Tod von Witwe Margarete Scherm ging das Wohn- und Geschäftshaus in den Besitz von Missionsgesellschaften über. Die Scherm-Villa in der Jahnstraße und den Garten hatte Hans Scherm in seinem Testament der Kirchenstiftung Eschenbach vererbt mit der Auflage, dass ein Ruhestandspriester dort wohnen und die Bergkirche betreuen sollte. Da dies aber nicht möglich wurde, erbaute ein Geldinstitut dort eine Wohnanlage.

Weil das Grab der Familie inzwischen aufgelöst wurde, erinnert nur noch ein Straßenname an sie. Die Stadt nannte das kurze Wegstück bei der Wohnanlage hinter dem AOK-Gebäude „Am Schermgarten“.

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