08.10.2019 - 13:57 Uhr
EschenbachOberpfalz

"Das Bier soll rund werden"

Schroten, einmaischen, rasten, abmaischen und Hopfen kochen: Begriffe wie diese machen "beim Taubnschuster" die Runde. Anlass ist der erste Brautag des neuen Kommunbier-Vereins.

Zusammen mit Braumeister Jürgen Laubert (Neunter von links) füllen die Braufreunde ihren ersten kleinen Gärbehälter (Hintergrund).
von Walther HermannProfil

Am 23. Juli hatte eine gesellige Runde von Kommunbrau-Interessenten den Verein aus der Taufe gehoben. Ziel ist die Anschaffung einer Kleinbrauerei, die keine Massenware liefert, die immer und überall erhältlich und lange haltbar ist und zum zweifelhaften Durstlöscher, Aufheiterer, Vorglüher oder Sorgenkiller verkommt. Den bald darauf erfolgten Beschluss zum Probebrauen mit einer 20-Liter-Anlage setzten die Mitglieder nun im Taubnschusterhof um.

Vorsitzender Thomas Ott hieß dazu Braumeister Jürgen Laubert willkommen. Sein Anschauungsunterricht begann mit dem Vorstellen verschiedener Malze, die dem Bier unterschiedliche Farbe und unterschiedlichen Charakter verleihen. Der Mälzer, der „Gerste zu Braumalz veredelt“, sei ein hoch angesehener Beruf, sagte Laubert.

Der erste Arbeitsgang, den der Gast aus Weiherhammer vollzog, war das Schroten der Braugerste, die dabei nur gebrochen wird. Nach dem Aufheizen des Würzebottichs auf 55 Grad folgten mit dem Einschütten und Einrühren der Gerste das Einmaischen und der ab 57 Grad beginnende Brauprozess mit Eiweißrastung, bei dem sich für die spätere Vergärung möglichst viel Zucker entwickeln soll.

Während der nun einsetzenden Pause zog es die künftigen Brauer in den ehemaligen Kuhstall. Laubert äußerte sich dort begeistert von der Atmosphäre, die dieses Schmuckstück des „Kulturzentrums Taubnschuster“ ausstrahle. Er nutzte die Gelegenheit, über die nächsten Arbeitsgänge zu informieren und kündigte das Abmaischen an: das Entfernen fester Bestandteile, das zur Ergebniswürze führt. Zum weiteren Prozess, dem Hopfenkochen , erklärte er seinen Zuhörern, die bereits am jungen Zoigl „Rosalie“ nippten, dass die Menge des verwendeten Hopfens für das Aroma verantwortlich sei und die Dauer des Kochens über den Geschmack des Bieres entscheide.

Zur Endphase der handwerklichen Tätigkeit zählte der Braumeister das Einbringen der fertigen Würze in den Gärbehälter und das Anstellen der Brauhefe. „Mit dem Verschließen des Gärbehälters beginnt die einwöchige Hauptgärung“, erfuhr die gesellige Runde. Für die anschließende Nachgärung in Flaschen - „das Bier soll rund werden“ - seien nochmals drei bis fünf Wochen erforderlich. Ergebnis werde ein ungefiltertes, obergäriges Bier mit fruchtigem Aroma sein.

Schließlich händigte Laubert seinen „Lehrlingen“ das Braurezept „Heicardo Hell“ aus. Zur weiteren Verkostung hatte er auch ein Altdeutsches Helles mitgebracht. Die Gemeinschaftssitzung von Kommunbrau-Verein und Braumeister wurde zu einem informationsreichen, langen und geselligen Tagesgeschäft.

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