18.03.2021 - 19:51 Uhr
EschenbachOberpfalz

Büchereien öffnen wieder ihre Türen

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Für die Büchereien des Vierstädtedreiecks geht in der Fastenzeit eine verordnete Enthaltsamkeit zu Ende. Literatur wird wieder zugänglich gemacht. Das freut Leser in Eschenbach, Pressath, Grafenwöhr, und Kirchenthumbach. Und nicht nur die.

Er hat Nachholbedarf: Der neunjährige Jonas deckt sich am ersten Tag der Wiederöffnung in Grafenwöhr mit 22 Büchern ein und versichert: "In einer Woche habe ich so alle gelesen."

Von Walther Hermann und Petra Lettner

Mit viel Jubel nimmt ein großer und treuer Leserkreis das Ende des Lockdowns auf. Viele Wochen hatten Begegnungen in den Büchereien und die ganz persönliche Auswahl unter Tausenden von Angeboten gefehlt. Auch das Personal in den Bibliotheken, das wegen fehlender Kontakte zu ihrem Leserstamm nahezu unter Entzugserscheinungen litt, hieß seine "Bücherwürmer" unter Wahrung eines einheitlichen Hygienekonzepts herzlich willkommen.

Eschenbach

Die Bücherei in der ehemaligen Kreisstadt Eschenbach, die 2006 aus ihrem mehrjährigem Dornröschenschlaf erweckt wurde, erfreut sich seitdem in der Färbergasse reger Nachfrage. Als "Hebamme" wirkte damals Petra Danzer. Neben der hauptberuflichen Tätigkeit in die Regionalbibliothek Weiden gehört das Herzblut der wissenschaftlichen Bibliothekarin "ihrer Stadtbücherei", um deren 10 976 Medien und 46 000 E-Books sie sich mit zehn Mitarbeiterinnen kümmert.

Mit Renate Schneider-Kraus betreut sie 634 Leser, darunter 144 Kinder (bis 12 Jahre) und 60 Senioren (über 60 Jahre). Stehen bei den Erwachsenen in der Beliebtheitsskala Fachbücher, Historie und Heimatkrimi obenauf, liebäugeln die Kinder mit Lotta-Leben, Schule der magischen Tiere und Gregs Tagebuch. Die Kleinsten sind begeistert von "Torries" wie Cinderella oder Geheimnis Fisch. Danzer freut sich, einen jährlichen Etat von 6500 Euro zur Verfügung zu haben.

Mit gemischten Gefühlen blickt Danzer zurück auf die Zeit des Lockdowns, räumt jedoch ein, dass das seit 21. Januar bestehende Angebot von "Click and Collect" gut angenommen wurde. "Eine sehr arbeitsreiche Zeit, weil wir die bestellten Bücher aus den Regalen zusammensuchen mussten". Andererseits bedauerten ihre Lesefreunde, "nicht mehr stöbern zu können".

Die Meldung, dass die Stadtbibliothek ab 16. März wieder öffnet, brachte Danzer Freudenbekundungen über die sozialen Medien ein. Das "Click and Collect"-System werde bis auf weiteres beibehalten. Dazu stehen im Eingangsbereich des Gebäudes Tisch und Korb für Abhol- und Rückgabeverfahren bereit. Durch das Online-System mit Katalog und Einblick in das Leserkonto könne die Ausleihzeit über drei Wochen hinaus verlängert werden.

Mit Spannung erwartet sie den für Juni angedachten Umzug in das umgebaute ehemalige Vermessungsamt am Karlsplatz. Die dortigen Räume sollen ein Erlebnisort der Begegnung werden. Ein Ort, in dem digitale Projekte mit Jugendlichen, Hausaufgabenbetreuung und Kurse für Flüchtlinge angeboten werden können. Mit dem Umzug geht auch die Zeit des enormen Platzmangels zu Ende. Stehen bisher für Bücher, Büro und WC nur 100 Quadratmeter zur Verfügung, sind dann 130 Quadratmeter Platz für die "reine Bücherpräsentation". Auch gibt es einen Veranstaltungsraum im Dachgeschoss.

Grafenwöhr

Die Bücherei Grafenwöhr, die seit 2002 als Verbundbücherei unter Trägerschaft der Kirchen und der Stadt firmiert, geniest bei Kindern und Jugendlichen einen großen Vorteil: Sie bietet in der Volksschule auf einer Fläche von 120 Quadratmetern 12 224 Medien an, darunter Hörbücher, DVDs und Spiele. Sind bei den Schülern zur Zeit "Minecraft"-Bücher der Renner, liegt laut Doris Baumann und ihrer 15 ehrenamtlichen Helfer bei den Erwachsenen das Interesse bei Krimis, historischen Themen, Biografien, Freundschafts- und Tiergeschichten. Für Anschaffungen und Unterhalt der Bücherei steht ihr ein jährlicher Etat von einem Euro pro Einwohner zur Verfügung.

Baumann erinnert sich, dass sich ihre rund 600 Leseratten vor der Schließung der Bücherei noch mit reichlich "Vorrat" eingedeckt haben und auch E-Books genutzt wurden. Gerne sei auch das Angebot angenommen worden, sich über Telefon oder E-Mail Bücher zu bestellen, die dann zu einem Termin in Taschen verpackt abgeholt werden konnten.

"Das Bekanntwerden der Wiedereröffnung der Bücherei hat nicht nur bei meinem Team zu Jubel geführt", versichert Baumann und bemerkt zu ihren Junglesern: "Die Kinder sind heiß!" Sie räumt jedoch ein, dass noch Vorsicht herrscht und "Click and Collect" weiter favorisiert wird. "Großen Nachholbedarf hatte am ersten Öffnungstag der neunjährige Jonas. Als "Stammkunde" der Bücherei deckte er sich mit 22 Exemplaren Asterix und Obelix und "Die drei Fragezeichen" ein und versicherte auf Nachfrage: "Sie reichen für eine Woche."

Pressath

Über eine "Außenstelle" verfügt die Stadtbücherei Pressath. In sechs Fenstern, sie sind bis gegen 22 Uhr beleuchtet, stellt Ursula Anzer Neuzugänge vor. Eine glanzvolle Zukunft bescheinigt Bürgermeister Bernhard Stangl seinem Literaturzentrum unweit der Buchhandlung Bodner: "Wir bereiten uns auf den Umzug und die Verlagerung der Bücherei auf den künftigen Stadtplatz vor - mit größerem Angebot und erweiterten Öffnungszeiten!" In den beiden jetzigen Räumen bietet die Bücherei auf einer Fläche von etwa 150 Quadratmetern circa 6 500 Medien zum Verleih an. Zwei Zweierteams betreuen knapp 200 Leser (77 Kinder), für die ein Jahresetat von 3000 Euro zur Verfügung steht. Während die Erwachsenen Interesse besonders an Krimis sowie Bio- und Kochliteratur zeigen, fliegen Kinder auf Zilly-, Bobo-, Liselotte- und Conni-Bücher. Vorschulkinder begeistern sich für "Torries".

Die ersten Leserkontakte während des Lockdowns hatte Anzer am 2. Februar. Telefonisch und über E-Mails nahm sie Bestellungen auf und legte das Gewünschte im Vorraum der Bücherei bereit. "Die vereinbarten Termine im Fünf-Minuten-Takt haben sich bestens bewährt", versichert sie. Die Reaktionen nach Ankündigung der Wiedereröffnung waren überaus positiv, erinnert sich Anzer und spricht von "glücklichen Lesern", die telefonisch und in E-Mails Freude bekundeten. "Auch nach der Öffnung der Bücherei ab 23. März wird das 'Click and Collect'-System noch einige Zeit Bestand haben", so die Leiterin.

Für die Besucher gelten strenge Vorgaben: In Anmelderaum darf sich nur eine Familie/Person aufhalten. Der Aufenthalt im Büchereiraum ist auf vier Personen begrenzt. Für Wartende sind im Vorraum Stühle bereitgestellt. Die Wiedereröffnung kommentiert Anzer zurückhaltend mit "es wurde endlich Zeit". Eine Neuerung kündigt Stangl für die Zeit nach Ostern an. Der Buchbestand wird Online gestellt. Der Leser kann eine Auswahl treffen und sein Buch abholen.

Kirchenthumbach

Im Dezember schlossen Bayerns Büchereien erneut. Leiterin, Maria Schreglmann erklärte, dass an den letzten beiden Öffnungstagen noch viel los war. Die Leser hatten sich mit 300 Ausleihungen eingedeckt. Da der Lockdown verlängert wurde, hat die Bücherei ab Februar einen Abholservice eingerichtet, der rege genutzt wurde. Lesefreudige Erwachsene bestellten meist Romane. Hauptbesteller waren aber Familien, die den Kindern Alternativen zu digitalen Medien bieten wollten.

Schreglmann mit ihren sieben Mitarbeiterinnen ist gespannt, wie die zweite Öffnung angenommen wird. Wie in vielen anderen Einrichtungen gelten auch in der Bücherei die Hygienevorschriften. Am Eingang des Pfarrheims müssen sich die Besucher die Hände desinfizieren. Außerdem dürfen sich in den Büchereiräumen nur sieben Besucher aufhalten. Nach der ersten Wiedereröffnung im Mai waren die Stammgäste laut Schregelmann zögerlich. Trotz Hygienekonzept kamen nur wenige ins "Schmökerparadies". Erst nach zwei Monaten pendelten sich die Besucherzahlen wieder ein.

Info:

Öffnungszeiten Büchereien und Bibliotheken im Vierstädtedreieck

  • Eschenbach: Dienstags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr und freitags von 14 bis 17 Uhr.
  • Grafenwöhr: Montags von 18.30 bis 20 Uhr, mittwochs und samstags von 16 bis 18 Uhr geöffnet. Der Dienstag ist von 8 bis 13 Uhr für die Schule reserviert.
  • Pressath: Dienstags und freitags von 17 bis 19 Uhr
  • Kirchenthumbach: Sonntags nach dem Gottesdienst bis 11.15 Uhr sowie dienstags 15.30 bis 16.30 Uhr und freitags 16.30 bis 18 Uhr

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