13.05.2020 - 13:03 Uhr
EschenbachOberpfalz

Bürgermeister-Stellvertreter: CSU-Kandidaten außen vor

Großes Rätselraten bei der CSU/ÜCW-Fraktion im Eschenbacher Stadtrat: Bei der Wahl des zweiten und des dritten Bürgermeisters fallen ihre Kandidaten jeweils durch. Bewerber von Freien Wählern und SPD machen das Rennen.

Bürgermeister Marcus Gradl mit seinen Stellvertretern Karl Lorenz (links) und Udo Müller.
von Walther HermannProfil

Die Aula der Markus-Gottwalt-Schule wurde in der konstituierenden Sitzung des Stadtrats in der Wahlperiode 2020 bis 2026 zur Schaubühne. Akteure waren neben dem neuen Bürgermeister Marcus Gradl (CSU) sechs Stadträte der CSU, fünf der SPD, drei der Freien Wähler und zwei der Überparteilichen Christlichen Wählergemeinschaft.

Nach der Vereidigung von Bürgermeister Marcus Gradl und der Einzelvereidigung der neuen Stadträte Elisabeth Gottsche, Andreas Hermann, Harald Neustätter und Jürgen Schäffler mit Treueschwur auf das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und die Verfassung des Freistaats Bayern fasste das Gremium einen Beschluss über die Zahl der weiteren Bürgermeister. Dazu erinnerte Gradl, dass sich die Praxis von zwei Stellvertretern bewährt habe.

Zustimmung fand er bei Thomas Riedl (FW), der auf die erforderlichen Besuche vieler Abendveranstaltungen verwies, und bei Thomas Ott (SPD), der auf die gute Zusammenarbeit des bisherigen Bürgermeistertrios Bezug nahm. Einstimmig sprachen sich die Stadträte für die Wahl von zwei weiteren Bürgermeistern aus und waren damit einverstanden, dass der Wahlausschuss mit Kämmerer Karl Stopfer, Geschäftsleiterin Heike Biersack und Bürgermeister Marcus Gradl die Formalitäten dazu übernahm.

Für die Wahl zum zweiten Bürgermeister schlug Korbinian Dunzer seitens der CSU/ÜCW-Fraktion den ehemaligen Verwaltungsbeamten Harald Neustätter vor. Thomas Riedl sprach sich für ein Miteinander nicht Gegeneinander aus und sah in der Aufteilung der Bürgermeisterposten dabei ein starkes Signal. Er schlug deshalb den bisherigen zweiten Bürgermeister Karl Lorenz (FW) vor.

Zur geheimen Wahl schritten die Stadträte einzeln in die vorbereitete Wahlkabine. Nach der Auszählung der 17 gültigen Wahlscheine gab Bürgermeister Marcus Gradl das Ergebnis bekannt: neun Stimmen für Karl Lorenz, acht Stimmen für Harald Neustätter.

In einer ersten Stellungnahme bedankte sich Lorenz für das Vertrauen und freute sich auf die Zusammenarbeit in dem Gremium zum Wohle Eschenbachs. Zugleich bedankte er sich bei den Bürgern für den überwältigenden Vertrauensbeweis bei der Kommunalwahl. Er versicherte, sich wie bisher mit aller Kraft für „unser Eschenbach“ einzusetzen und stets als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

Zur Wahl des dritten Bürgermeisters schlug Dunzer Dr. Sabine Schultes (CSU) vor. Die SPD-Fraktion schickte Udo Müller ins Rennen. Als Begründung dafür nannte Thomas Ott dessen zwölfjährige Stadtratserfahrung, die Mitgliedschaft im Finanz- und Rechnungsprüfungsausschuss, die Tätigkeit als Seniorenbeauftragter der Stadt, das Mitwirken bei der Gründung der Seniorengemeinschaft „Hand in Hand“ und die Tätigkeit als Fraktionsführer und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsvereins.

Er sah in Müller einen Kandidaten, der über den Tellerrand hinausblicke, offen für neue Ideen sei, sich lösungsorientiert bei Konflikten zeige, einfallsreich im Team arbeite, ohne sich selbst wichtig zu nehmen, und im "Unruhestand" die Möglichkeit mitbringe, seine ganze Kraft in dieses Amt einzubringen. Ergänzend zeigte er sich überzeugt: „Für uns ist die Aufteilung der drei Bürgermeister auf die drei Fraktionen sowohl nach außen als auch nach innen ein Zeichen der gewollten und gesollten Zusammenarbeit, für die uns die Wähler das Vertrauen geschenkt haben.“

Nach dem erneut geheimen Wahlgang gab Marcus Gradl ein wiederum knappes Ergebnis bekannt: Neun Stimmen für Udo Müller, acht Stimmen für Dr. Sabine Schultes. Müller versicherte, alle Kraft für seine Heimatstadt und alle Bürger einzubringen. Es folgte seine Vereidigung.

Nur Formsache war die Benennung der Fraktionssprecher. Für CSU/ÜCW sind dies Korbinian Dunzer und Reinhard Wiesent, für die SPD Thomas Ott und Karolina Forster und für die Freien Wähler Thomas Riedl und Elisabeth Gottsche.

„Jeder Stadtrat benötigt eine Geschäftsordnung“, teilte Heike Biersack mit. Die Geschäftsleiterin schlug vor, bis zum Erlass einer aktuellen Geschäftsordnung die Regeln der bisherigen Geschäftsordnung in Kraft zu lassen. Sie begründete dies damit, dass der neue Stadtrat erst dessen Inhalte zu beraten habe. Das Gremium war sich einig, die bisherige Geschäftsordnung bis zum 28. Mai, dem Termin der nächsten Stadtratssitzung, bestehen zu lassen.

Zur Örtlichkeit dieser Zusammenkunft wollte Bürgermeister Marcus Gradl unter Hinweis auf Corona-Maßnahmen noch keine Aussage treffen. Er wünschte dem Kollegium viel Kraft und Vertrauen auf zwei Säulen: Gott und Staat.

Hintergrund:

Es geht um eine Stimme

Wie nach der konstituierenden Sitzung des Stadtrats zu erfahren war, war innerhalb der CSU/ÜCW-Fraktion vorab vereinbart worden, bei der Wahl des zweiten und des dritten Bürgermeisters jeweils den CSU-Kandidaten zu wählen. Das jeweilige Ergebnis von 8:9 Stimmen entspricht nicht den Mehrheitsverhältnissen im Stadtrat. Einschließlich Bürgermeister Marcus Gradl kommen CSU/ÜCW normalerweise auf neun Stimmen. (rn)

Bürgermeister Marcus Gradl mit den neuen Stadträten (von rechts) Elisabeth Gottsche, Harald Neustätter und Jürgen Schäffler.
Vereidigung des neuen Stadtrats Andreas Hermann.
Erneut wird die Aula der Marcus-Gottwalt-Schule zum Tagungsraum des Stadtrats.
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