24.04.2019 - 13:23 Uhr
EschenbachOberpfalz

Damit nichts passiert

Können Kinder heutzutage überhaupt gefahrlos aufwachsen? Insbesondere mit Blick auf die Gefahren und Risiken auf dem Bauernhof geht Petra Hager dieser Frage nach.

Petra Schäffler (links) dankt im Namen der BBV-Frauensprecherinnen Referentin Petra Hager mit Käsespezialitäten für ihren Vortrag.
von Walther HermannProfil

Viele Denkanstöße zur Unfallverhütung gab es für die Frauensprecherinnen der Ortsverbände des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) im westlichen Landkreis. Bei einer Informationstagung im Heim der Kleintierzüchter stellte Petra Schäffler mit Petra Hager eine redegewandte Unfallberaterin der Berufsgenossenschaft vor. „Die Gesundheit unserer Kinder liegt uns allen am Herzen“, versicherte sie, räumte aber eine gewisse Betriebsblindheit im täglichen Leben ein.

Hager, die bei Betriebsbesichtigungen ihr Augenmerk stets auch dem Bereich "Kindersicherheit" widmet, kündigte einen „Rundumschlag“ an, den sie mit einer Bilderserie zu Risiken auf dem Bauernhof einleitete. „Ich will, dass nichts passiert“ , sprach sie den Mamas und Omas aus dem Herzen, hielt aber die selbstgestellte Frage für erforderlich: „Welchen Anspruch dazu stelle ich an mich?“

Da die Gefährdung der Kinder vom Alter abhängig ist, richtete die Referentin zunächst den Blick auf die Entwicklungsstufen vom Säugling bis zum Schulkind mit der damit verbundenen steten Änderung der Mobilität. Als Beitrag zur Abwendung von Gefahren rief sie dazu auf, den Nachwuchs durch Vorbild quasi an Gefahren heranzuführen. Geschwistern, die Aufsichtsaufgaben übernehmen, bescheinigte sie ein „Erkennen von Gefahren für andere und für sich selbst“.

Sie beleuchtete die Ursachen und die familiären Folgen von 110 tödlichen Kinderunfällen, zum Großteil durch Überfahren, in der Zeit von 1985 bis 1997 und beklagte den auffallenden Anstieg von Unfällen durch Ertrinken. Da sich die Koordinationsfähigkeit für Schwimmbewegungen erst entwickeln müsse, empfahl Hager Schwimmunterricht erst ab dem fünften oder sechsten Lebensjahr. Ein stark erhöhtes Unfallrisiko sprach die Sicherheitsberaterin den Buben zu.

Mit Blick auf etwa 1,7 Millionen Kinder, die im Jahr 2015 nach einem Unfall in ärztliche Behandlung kamen, zeigte sie die besonderen Risiken für diese auf. Dazu zählte sie Gartenteiche, Wassertonnen, Giftpflanzen, Güllegruben, den „toten Winkel“ beim Bulldog, Ballenlager, Treppenanlagen, Gefahren auf Scheunenoberböden, aber auch Esszimmer und Elektrik in der Küche. Nach der Schilderung von Unfällen mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen stellte Hager den Bäuerinnen die Frage: „Muss ein Kind immer mit dabei oder drauf sein?“

Mit der Aussage „Ein Kind speichert ab“ gab die Referentin ihren Zuhörerinnen schließlich Schlagwörter mit auf den Weg: wie „Lernen durch Erklären“ oder „Nachahmung durch Vorbild“. Zum Fahrradhelm erklärte sie nur keck: „Der Teerfläche ist Eure Frisur wurscht.“

Nicht zuletzt teilte Hager die Ursachen der Unfälle auf in 30 Prozent Arbeit, 27 Prozent Spiel und 16 Prozent Fortbewegung und traf Aussagen über die Rangfolge von Maßnahmen zur Verhütung von Arbeitsunfällen. Als vorrangig nannte sie technische Vorrichtungen, die „dann greifen, wenn’s Hirn ausschaltet“. Erst danach seien organisatorische Überlegungen und psychologische Maßnahmen zum Beispiel in Stresssituationen - „ich will ja blos schnell mal…“ - gefordert.

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