Was würde wohl Martin Luther zu diesem Treiben einer in Lederhosen und Dirndl gewandeten Gemeinschaft - dabei handelt es sich um Eschenbachs jüngsten Verein - sagen? Vor 500 Jahren hatte der Reformator die christliche Obrigkeit aufgefordert, "von Amts wegen die Kirchweihfeste, solch säuisch Gefräß und unordentliches Leben" abzuschaffen und mit harter Strafe zu bewehren. Angelehnt an den Matthäi-Tag am 21. September, laden die 2014 gegründeten Kirchweihfreunde ein, mit ihnen drei Tage lang bei Musik und Gaumengenüssen zu feiern - und dabei auch, wie der Name zum Ausdruck bringt, das Kirchliche einzubeziehen.
Am Samstag um 17.30 Uhr werden die Kirwa-Burschen mit dem Kirwa-Baum am Marienplatz eintreffen und ihn dort, wo sie vor einem Jahr unter Jammern und Wehklagen die Kirchweih begraben haben, aufstellen. Sie freuen sich dabei stets über das begleitende Glockengeläut von St. Laurentius. Das Feiern geht im Saal "beim "Scherm-Karl" weiter, wo die Band "Zu(t)dritt" für Unterhaltung sorgt und es die "Schwarzenbacher Schenkelzinterer" krachen lassen. Zur Stärkung werden Krenfleisch, Braten, Bratwürste und Steaks serviert.
Das Sonntagsgeschehen beginnt um 10 Uhr mit einem Kirchenzug vom Rathaus zur Pfarrkirche. Die Stadtkapelle gestaltet den Festgottesdienst dort und auch den anschließenden Frühschoppen "beim Scherm-Karl". Für das Mittagessen bleibt die Samstagsspeisekarte unverändert. Die Kaffee- und Kuchenzeit beginnt um 14.30 Uhr. Musikalisch wird's ab 16 Uhr: Für Unterhaltung sorgen dann Ernst Bitterer und "De scho wieda".
"A richtige Kirwa dauert Sunnta, Mounta und Irta": In Anlehnung daran lädt der Kirwa-Verein am Montag zum Kirwa-Ausklang nochmals zum "Scherm-Karl". Auch für diesen Abend, den die "Vorbacher Dorfmusik" begleitet, gilt das bisherige Speisenangebot.
Der Ausklang wird eine kurze Unterbrechung erfahren: Zu pflegen gilt es den Brauch, die "Kirwa eizugrom". Zum spaßigen Zeremoniell gehören eine "Trauerrede" und das geradezu pflichtgemäße Heulen und Zähneknirschen der Teilnehmer. In froher Erwartung der "Kirwa-Auferstehung" im September 2019 setzt sich der Kirwa-Umtrunk "beim Scherm-Karl" fort.
Im Vorlauf auf die drei Kirchweihtage lädt der Heimatverein bereits am morgigen Freitag zum Kirwa-Zoigl ins Kulurzentrum "Beim Taubnschuster".
Die Eschenbacher Kirchweih geht zurück auf das Jahr 1538. Am 15. Februar vor genau 480 Jahren bewilligte Weihbischof Johann zu Regensburg, dass das „Kirchweihfest der Pfarrkirche zum heiligen Laurenz in Eschenbach jährlich am Sonntag nach St.-Matthäi-Tag oder, wenn dieser auf einen Sonntag fällt, an diesem Tage gefeiert werde“.
Wie der Eschenbacher Mädchenlehrer Johann Groskopf in seinem 1845 erschienenen Werk „Eschenbach, Stadt in der Oberpfalz“ schreibt, „wurde der Kirchweihfriede von den frühesten Zeiten bis 1810 „also gehalten, dass 14 Tage vor und nach Michaelis die große Glocke geläutet, während für vier Wochen alle Nächte die Stadtthore geschlossen und durch die hiesigen Bürger abwechselnd die Wache bezogen wurde. Während dieser Zeit durfte nicht die mindeste Uneinigkeit weder öffentlich noch in Familienzirkeln bei strenger Arrest- und Geldstrafe vorfallen.“ Es bleibt abzuwarten, wie der rührige Kirwa-Verein in 20 Jahren die 500-Jahr-Feier der Eschenbacher Kirchweih gestaltet.
Die eigene Kirchweih hat aber nicht nur in den jeweiligen Kommunen einen besonderen Stellenwert. Auch ehemalige Regenten legten Wert darauf. So ist in Gustl Motykas „Alten Oberpfälzer Bräuchen“ unter anderem nachzulesen: „Da hat der sparsame Kaiser Josef II. von Österreich seine Kaiser-Kirchweih eingeführt, und der bayerische Kurfürst ist seinem löblichen Beispiel gefolgt.“ (rn)













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