(rn) „Eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind ist die wichtigste Voraussetzung, um Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen.“ Mit diesem Leitsatz hatte sich Elvira Brand im Vorfeld der Abendveranstaltung an die Eltern gewandt. Sie hält es für wichtig, die emotionalen Grundbedürfnisse von Kindern zu kennen und so gut wie möglich zu erfüllen. Die Leiterin der Tagesstätte berief sich dabei auf Ergebnisse der Bindungsforschung, nach denen ein feinfühliger Umgang mit den kindlichen Bedürfnissen der beste Weg ist, eine vertrauensvolle Beziehung zum Kind aufzubauen und aufrechtzuerhalten oder wieder herzustellen, wenn die Beziehung ins Ungleichgewicht geraten ist. Studien hätten gezeigt, dass die positiven Auswirkungen von feinfühligem Elternverhalten, einer sicheren Bindung sowie unterstützenden Beziehungen zu Erzieherinnen und Lehrerinnen bis weit ins Erwachsenenalter hinein nachweisbar sind.
Der Abend mit Diplom-Pädagogin Marion Enders war kein Monolog. Sie legte großen Wert auf ständigen Dialog mit den Zuhörern und wählte als Einstieg in das Tagesthema die Entwicklungsaufgaben im Kindergartenalter. Dazu zählte die Referentin die Weiterentwicklung der Sprache, Fortschritte in der kognitiven Entwicklung, die Entwicklung der Fähigkeit, sich in die Perspektive eines anderen Menschen hineinzuversetzen, und das Erlangen eines bestimmten Ausmaßes an sozialer und praktischer Selbstständigkeit. In der Bewältigung dieser Entwicklungsaufgaben sah sie einen wichtigen Schritt in der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder und eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung späterer Entwicklungsaufgaben.
Warum Bindung zu den jeweiligen Bezugspersonen auch im Kindergartenalter noch wichtig ist, hatte für Enders einen einfachen Grund: „Die Kinder könnten sonst die ersten Jahre nicht überleben.“ Denn erst, wenn ein Kind sich sicher fühle, könne es einen Schritt weiter gehen und sich zur Selbstständigkeit entwickeln. Sie rief die Eltern dazu auf, ihren Kindern „sichere Basis und sicherer Hafen“ zu sein, in den sie bei Bedarf jederzeit zurückkommen können, um Schutz, Geborgenheit und Trost zu erfahren.
„Werden Sie der Individualität des Kindes gerecht“, appellierte die Referentin an die Runde. Da es keine Patentrezepte zum Umgang mit bestimmten kindlichen Verhaltensweisen gebe, sei es gut zu wissen, dass hinter unangepasstem Verhalten und schlechtem Benehmen sich sehr häufig der Wunsch nach Sicherheit und einer emotionalen Verbundenheit verberge. Mit auf den Weg gab Enders den Eltern die Empfehlung: „Sehen Sie die Welt mit den Augen Ihres Kindes.“
Im Setzen von Grenzen sah der Gast aus Nürnberg neben einem Schutz vor Gefahren eine Orientierungshilfe: „Durch das Setzen von Grenzen lernt das Kind Sie besser kennen und kann Situationen und Interaktionen besser einschätzen.“ In ihren abschließenden Gedanken verwies sie darauf, dass es nicht darum gehe, die kindlichen Bedürfnisse immer perfekt zu befriedigen. Es gehe vielmehr darum, einerseits eine wohlwollende, empathische Grundhaltung gegenüber Kindern und deren Bedürfnissen zu entwickeln. Andererseits sei es wichtig, sich selbst, seine eigene Geschichte und seine eigenen „blinden Flecken“ immer besser kennenzulernen. Mit Blumen dankte Brand der Referentin für ihr „Feingefühl“.
Eschenbach
30.05.2018 - 16:43 Uhr
Elternabend mit viel Feingefühl
von Walther Hermann
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