01.06.2021 - 16:08 Uhr
EschenbachOberpfalz

Endlich wieder Präsenzunterricht für alle Schüler in Weiden und Kreis Neustadt: Wird nun auch gespuckt?

So wie es aussieht, dürfen ab Montag alle Schüler in Weiden und Kreis Neustadt zum ersten Mal seit langem wieder gemeinsam in die Schule. Die Inzidenzen sind vielversprechend. Auflagen gibt es aber weiterhin. Zählen Spucktests schon dazu?

Stäbchen, oder doch lieber spucken? Wie laufen die Tests in den Schulen nach den Pfingstferien ab?
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Ein bisschen angenehmer als die aktuellen Nasebohr-Tests klingen sie durchaus: die Spuck- oder Lolli-Tests, die schon in anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen in so mancher Munde sind. Synlab aus Weiden unterstützt das Land sogar bei regelmäßigen Lolli-PCR-Tests für Schüler – statt nervigen Nasebohrens ist dort nur auf Wattetupfern herumlutschen angesagt. In Bayern, und speziell im Landkreis Neustadt/WN und in Weiden, ist dieser Trend dagegen scheinbar noch nicht ganz angekommen. Obwohl die Weidener CSU-Stadtratsfraktion laut Pressemitteilung bereits im April darauf hingewiesen hat, wie viel einfacher Spucktests seien, tut sich hier nichts.

In den Schulen in der Stadt und im Kreis wird deshalb zum Schulstart ab Montag weiter fleißig zwei Mal pro Woche nasegebohrt. Aber immerhin: Es darf endlich wieder Präsenzunterricht für alle Schüler stattfinden, denn sowohl Weiden als auch der Landkreis Neustadt liegen bei der Sieben-Tage-Inzidenz unter der magischen Marke von 50 (Weiden laut RKI am Dienstag bei 4,7 und der Kreis bei 13,8). Das bestätigen auch die Stadt Weiden und das Landratsamt Neustadt/WN am Dienstag auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien vorbehaltlich, sofern die Inzidenz so niedrig bleibt. Getestet werden die Schüler dort dann erst einmal ausschließlich mit Nasenabstrich-Tupfern. 246.095 Stück hat die Stadt Weiden insgesamt schon an die Schulen im Zuständigkeitsbereich verteilt. Der Landkreis Neustadt erhält für Juni noch einmal 61.200 Selbsttests.

Warum aber noch keine Spuck- oder Lolli-Tests? Die Stadt Weiden teilt dazu mit: "Nach Aussage des Bayerischen Gesundheitsministeriums werden Pilotprojekte zu alternativen Testmethoden in Bayern derzeit zwar durchgeführt, die Ergebnisse hierzu müssen aber noch abgewartet werden. Derartige Projekte gibt es aktuell zum Beispiel im Rahmen der WICOVIR-Studie in mehreren bayerischen Städten und Landkreisen. Hier sind allerdings vorwiegend die bereits etwas mehr verbreiteten Gurgeltests im Einsatz. Das Sozialministerium verweist, ebenso wie das Gesundheitsministerium, darauf, dass sich die alternativen Verfahren noch in der Testphase befinden." Auch das Landratsamt informiert auf Nachfrage, dass Gurgeltests bislang noch nicht zugelassen seien. Und wie gehen die Schulen damit um, dass plötzlich wieder volles Haus herrscht und gleichzeitig doppelt so viele Schüler getestet werden müssen? Ein Überblick:

FOS-BOS Weiden

Als zusätzliche Belastung empfindet Gabriele Dill, Leiterin der FOS-BOS Weiden, es nicht, dass alle Schüler auf einmal getestet werden müssen. Für sie ist derzeit eher das anstehende Abitur die größere Herausforderung: "Bei uns beginnt nächste Woche das Abi, der Großkampf. Wir hoffen, dass alle Schüler pumperlgesund sind." Die Schnelltests seien für die Schüler mittlerweile "das Natürlichste auf der Welt", meint sie. Die einzige Schwierigkeit: Es raubt Zeit. Für Montag, Schulstart, hat sie schon alle Tests vorrätig, dabei lobt sie die Stadt Weiden, die das "hervorragend organisiert". Und Spucktests? Was hält sie davon? "Ich weiß nicht, wie hygienisch ich mir das vorstellen soll", gibt sie zu bedenken. Ob die Schüler solche Art von Tests bevorzugen würden, kann sie nicht sagen. "Wenn ich das erste Test-Set habe, werde ich das aber mit Begeisterung an unserer Schule ausprobieren", fügt sie hinzu.

Augustinus-Gymnasium Weiden

"Die Schule ist auf die Wiederaufnahme des Schul- und Unterrichtsbetriebs – voraussichtlich – in ganzen Lerngruppen nach den Pfingstferien bestens vorbereitet", teilt Schulleiter Ulrich Winter vom Weidener Augustinus-Gymnasium per E-Mail mit. Dazu gehöre auch, die Räume mit der entsprechenden Anzahl an Tischen und Stühlen auszustatten. "Was das Testen angeht, haben wir die Anweisungen des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht und Kultus zu befolgen. Diese Anweisungen haben sich meines Wissens nicht geändert", schreibt er. Informationen, ob auch schon weitere Testverfahren zugelassen sind, liegen Winter am Dienstag nicht vor.

Lobkowitz-Realschule Neustadt/WN

In einer Box erhält jede Klasse der Lobkowitz-Realschule bei jedem Testtag eine abgezählte Anzahl an Schnelltests. "Die Lehrer der 1. Stunde beaufsichtigen die Tests", schildert Realschulkonrektor Ramon Gomez-Islinger das Prozedere. 800 Tests pro Tag bedarf zwar einiger logistischer Vorbereitung, doch das Team sei eingespielt. Dass ab Montag dann gleichzeitig alle Schüler getestet werden müssen, sei in Neustadt kein Problem. Und auch das Tupfen im vorderen Nasenlochbereich sei weder für Schüler noch für Lehrer schwierig, teilt Gomez-Islinger mit.

Realschule Vohenstrauß

Kilian Graber, Schulleiter der Vohenstraußer Realschule, erzählt, dass er schon fast alle Stäbchen-Schnelltests für den Schulstart nach Pfingsten vorrätig hat. Er rechnet nicht mit einem größeren Zeitaufwand beim Testen als bisher. "Die Schüler sind mittlerweile geübt." Zusätzlich müssen die Klassenzimmer wieder für alle Schüler ausreichend bestuhlt werden, "weil wir die Klassen geteilt hatten", berichtet der Schulleiter. Zum Schulbeginn in Präsenzunterricht sagt er noch: "Ich denke, da freuen wir uns alle schon sehr darauf, weil wir schon lange nicht mehr alle da waren."

Gymnasium Eschenbach

Entspannt blickt auch Peter Schobert auf den Schulstart mit allen Schülern. Der Leiter des Eschenbacher Gymnasiums freut sich besonders auf eines: "Ich hätte nicht gedacht, dass ich alle Schüler noch einmal gleichzeitig sehe." Denn Schobert hat noch eine Überraschung parat: Nach jahrzehntelangem Dienst am Gymnasium geht er in sechs Wochen in Pension. Jetzt aber muss er erst einmal noch den Präsenzunterricht-Start für alle bewältigen, also weiterhin testen, testen, testen. "Circa 5000 Tests haben wir schon hinter uns", schätzt er. Ausreichend Stäbchen für die kommenden Tage hat er für seine Schüler auch schon da.

Grund- und Mittelschule Pressath

Welche Tests die Grund- und Mittelschule in Pressath zum Schulstart nach Pfingsten geliefert bekommt, weiß Rektorin Ulrike Neiser am Dienstag noch nicht. Der Vorrat an Stäbchentests neige sich langsam dem Ende zu. Gegen die Lolli-Tests hätte sie aber auch nichts einzuwenden. "Lollipops klingen einladender für Kinder", meint sie. An den Klassenzimmern wird sich in ihrer Schule die nächsten zwei Wochen nichts ändern. Die Schüler waren vor den Ferien teilweise in der Sporthalle und Aula untergebracht, das will die Rektorin zur Sicherheit noch ein paar Tage so weiterführen und dann je nach Inzidenzwerten neu entscheiden.

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Hintergrund:

Unterrichtsbetrieb nach den Pfingstferien in Bayern

  • Sieben-Tage-Inzidenz von 0 bis 50: voller Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen, kein Mindestabstand erforderlich
  • 50 bis 165: Wechsel- bzw. Präsenzunterricht mit Mindestabstand für alle Jahrgangsstufen
  • Über 165: Wechsel- bzw. Präsenzunterricht mit Mindestabstand für die Jahrgangsstufe 4 sowie für Abschlussklassen. Die übrigen Jahrgangsstufen erhalten wieder Distanzunterricht.
  • Für den Wechsel von der einen Unterrichtsform zur anderen gilt die Drei- bzw. Fünf-Tage-Regelung.
  • Ab 7. Juni für alle Schüler ab Jahrgangsstufe 5 medizinische Masken Pflicht, keine Community-Masken mehr erlaubt (Quelle: Bayerisches Kultusministerium, Stand 18. Mai)
Erstmals seit Langem dürfen wieder alle Schüler im Kreis Neustadt/WN und in Weiden ab Montag in den Präsenzunterricht wechseln. Test- und Maskenpflicht herrscht an den Schulen – wie hier an der FOSBOS – aber weiterhin.

 

 

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