15.07.2019 - 15:24 Uhr
EschenbachOberpfalz

Erst Rent-, dann Messungsamt

Über 3 Millionen Euro soll die Renovierung des Vermessungsamts kosten, 1899 rechnete man beim Neubau im Stil der Renaissance mit 44 345 Mark: zum Vergleichen und Rechnen ein Blick zurück.

Ein Zeugnis aus der Geschichte des Königlichen Rentamts in Eschenbach ist diese Anzeige aus dem Jahr 1899, in der für eine Versteigerung in der "ehemaligen Rentamtskanzlei im Rathause dahier" geworben wird. Dabei ist "Baarzahlung" angesagt.
von Externer BeitragProfil

Geht man von einem damaligen Lehrergehalt von 1200 Mark im Jahr aus und rechnet das auf das heutige Gehalt hoch, so hat das gesamte Gebäude nach heutigem Wert damals etwa 1,5 Millionen Euro gekostet. Zwei Häuser mussten dem Neubau am Marktplatz in der oberen Stadt weichen.

Untergebracht war dort das königliche Rentamt. Eine solche Behörde, die heute Finanzamt genannt wird, gab es in Bayern erst seit der Verwaltungsreform von1802, bei der die Land- und Pfleggerichte neu eingerichtet und die Kastenämter aufgelöst wurden. Anfangs war die Behörde für den Raum Eschenbach/Kemnath in den leeren Räumen des Klosters Speinshart angesiedelt. Dort wurde auch das erste Grundbuch für den Kreis erstellt, dort wurde auch berechnet, was die einzelnen Steuerzahler an Geld abgeben mussten. Denn viele Landwirte beglichen ihre Steuern bis etwa 1850 mit Naturalien. Die Pflegämter mussten sich dann selbst um den Weiterverkauf bemühen.

1856 gab es die ersten Überlegungen zur Umsiedlung des „Finanzamts“ nach Eschenbach. Die Regierung äußerte den Wunsch, dass dort ein neues Rathaus auf Kosten der Stadt gebaut werde. Es sollte dreistöckig sein, wobei ein Stockwerk für die Stadtverwaltung, ein zweites für das Finanzamt und die Wohnung des „Rentamtsdieners“ sowie das dritte als Wohnung für den Rentamtsvorstand vorgesehen sein wollte. Dann würde das Rentamt nach Eschenbach ziehen.

Obwohl die Stadt den Umbau finanziell nicht schultern konnte, zog das Finanzamt 1865 ins Eschenbacher Rathaus um. Der Rentamtsvorstand fand seine Wohnung im obersten Geschoss des Amtsgerichtsgebäudes. Etwa zur gleichen Zeit wurde die Sparkasse Eschenbach gegründet. Auch sie fand ihre Geschäftsräume im Rathaus. Das Geldinstitut zog erst nach etwa 100 Jahren aus, das Rentamt schon früher.

Aus dem Jahr 1895 liegt ein ausführlicher Bericht des Landbauamts Amberg zur Situation des Rentamts vor. In diesem heißt es, dass bei einem Brand weder Akten noch Kasse zu retten seien. Daher suchte man nach einem Standort in beziehungsweise außerhalb der Stadt. Dieser wurde neben dem Bezirksamt gefunden. Gebaut wurde das neue Gebäude zu 80 Prozent von Pressather Firmen.

Installiert wurde dort auch das erste WC in Eschenbach, obwohl das Wasser noch hochgepumpt werden musste, da die Wasserleitung für die Stadt erst ab 1903 gebaut wurde. In der Ausschreibung heißt es: „Bei (..) der Aborteinrichtung ist jedenfalls auf Anbringung der freistehenden sogenannten Unitels mit poliertem Klappdeckel bedacht zu sein, die zugleich als Pissoir benutzt werden können.“

Das Finanzamt Eschenbach kam 1928 nach Weiden und 1930 nach Kemnath. Zum Ausgleich erhielt die frühere Kreisstadt den „Messungsamtsbezirk“ Kemnath. Bei der Verwaltungsreform 2004 ordnete man die Behörde dem Vermessungsamt Weiden zu, das inzwischen Amt für Digitalisierung und Vermessung heißt.

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