19.05.2020 - 10:42 Uhr
EschenbachOberpfalz

Eschenbach wird vor 475 Jahren evangelisch

Es dauert eine Zeit, bis ein ganzer Ort die Konfession wechselt – auch wenn dieser nur etwa 500 Einwohner hat. So war es auch in der Rußweiherstadt.

Die Eschenbacher Kirche – hier als Skizze dargestellt – spielte früher eine wichtige Rolle im Leben der Bürger. Vor über 450 Jahren wird die Rußweiherstadt evangelisch.
von Externer BeitragProfil

Am 9. September 1546 bekam Pfarrer Ulrich Juhenetl, definitiv ein Lutheraner, die Pfarrei Eschenbach übertragen, aber „evangelische Umtriebe“ gab es schon mindestens schon zwanzig Jahre früher. Schon 1526 beschwerte sich der Abt von Speinshart, Johann von Eglofstein, beim Kurfürsten über die dortige Bürgerschaft. Der Chorherr Sebastian Rabensteiner habe die Pfarrei etwa 22 Jahre versehen, wie sich gebührt. Obwohl er inzwischen krank sei, habe er immer seine Pflicht getan. Viele Bürger sind durch die neuen Lehren „erweckht“ worden und hätten Rabensteiners Ablösung gefordert. Es gab tumultartige Unruhen in der Stadt.

Als Begründung nannten sie, dass er das Evangelium nicht predigen könne. Dabei sei er doch einer seiner gebildetsten Kanoniker. Am 11. November 1526 gab es ein Gespräch zwischen Abt und den Bürgern, wo er zusagte, dass man „einen frumen gelehrten priesster“ suche. Damit rettete sich Speinshart vorläufig aus einer schwierigen Situation, denn der Kurfürst zu Heidelberg erlaubte noch nicht, dass ein evangelischer Geistlicher, weder ein Lutheraner noch Calviner, in einer Pfarrei der Pfalz tätig werde. Die Eschenbacher aber waren halsstarrig. Rabensteiner zog sich nach Speinshart zurück. Auch die beiden Kapläne, die das Pfarrhaus und Kirche hüten sollten, mussten bald die Stadt verlassen. Die Eschenbacher setzten selbst einen Pfarrer ein. Den Namen kennt man nicht, wahrscheinlich gehörte er eher den Schwärmern an. Er wurde nach Regensburg zitiert, da der Bischof wissen wollte, was er glaube. Die Regierung in Amberg aber verbot ihm, zu reisen.

Noch konnte der Abt Johann Gries sich in der Pfarrei durchsetzen, die seit 1285 zum Stift gehörte. Er befahl dem aus Eschenbach stammenden Priester Johann Thurnauer, die Pfarrei zu versehen. Dies tat er bis 1541. Ein Datum, das sich in die Stadtgeschichte eingeprägt hat, da in diesem Jahr der Kirchturm fertig gestellt wurde, wie man dort deutlich lesen kann. Er war damals freilich deutlich niedriger. Der Schlussteil mit der Uhr fehlte noch. Dieser wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert ergänzt.

Erneut kam ein Konventuale aus Speinshart: Johann von Bernklau. Magistrat und Bürgermeister von Eschenbach charakterisieren ihn so. Er pflegte ein züchtiges, zurückgezogenes, priesterliches Leben, erfüllte fleißig seine Pflichten. Er predigte das Wort Gottes ohne Zusatz, ist ein sehr gelehrter und belesener Mann. Er hielt an der lateinischen Messe fest, hielt auch die Vespern, übliche Metten, die Messen für die Verstorbenen und betete täglich das „Salve Regina“. Er habe vorgeschlagen, die Kommunion unter beiden Gestalten zu reichen, was die Gemeinde aber nicht gewollt habe. 1543 folgt ihm der promovierte Johann von Bernklau, in dessen Bestallungsurkunde es allgemein heißt, dass er das Wort Gottes „rain und lauter“ zu predigen habe, wie er es Gott und der weltlichen Obrigkeit gegenüber verantworten kann. Eine kirchliche Obrigkeit wird nicht erwähnt. Manche Historiker meinen daher, er sei bereits eindeutig lutherisch gewesen. Aber diese Lehre entwickelte sich ja auch erst in diesen Jahren und evangelisch-lutherisch, aber auch katholisch damals und heute unterscheiden sich doch in einigen Punkten. Nach etwa 80 Jahren (1626) kehrte die Stadt gezwungenermaßen zum römisch-katholischen Glauben zurück.

Luthers Katechismus.

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