In einem ersten „Reisebericht“ gibt Hans Rupprecht die Eindrücke wieder, die die ersten drei Wochen seines Aufenthalts im nordöstlichsten Teil des indischen Subkontinentes prägen. Darin freut er sich, dass er nach eineinhalb Tagen Flugreise, mit Zwischenlandungen in Dubai und Kalkutta, am Flughafen Dimapur „auch die Hürde bezüglich der nicht ganz offiziell eingeführten Mitbringsel“ nehmen konnte. Statt eines Sicherheitsbeamten für Ausländer, dem er bereits bekannt ist, stand Rupprecht nun drei Kontrolleuren mit einem Fragenkatalog, einschließlich zur Referenzperson, gegenüber.
Zur Strecke nach Zubza, von der keine fünf Kilometer noch als Straße erkennbar sind, schreibt Rupprecht: „Überall hat der Monsun ganze Arbeit geleistet. Erdrutsche über Erdrutsche, nur noch Matsch. Wir benötigen dreieinhalb Stunden.“ Zur Begrüßung durch die Patres, Brothers und Internatskinder gibt es Gitarrenmusik, Gesang, Handschläge und viel „Welcome back Sir“. Der erste „Arbeitstag“ ist ausgefüllt mit Bepflanzen: Feigen-, Oliven-, Ahorn- und Walnussbäume, aber auch Weinreben, Aroniabüsche und Lavendel müssen in Blumentöpfe beziehungsweise an die dafür bestimmten Stellen gepflanzt werden. Die Abende beschreibt Rupprecht als „stockfinster, nur der Sternenhimmel erhellt leicht die Konturen der Umgebung."
Für die nächsten Tage ist vor allem Bestandsaufnahme zur Weiterführung seiner Aufbauhilfe im landwirtschaftlichen Bereich angesagt.
Seine geplanten Außenarbeiten in der Don-Bosco-Station werden ständig durch anhaltende Regenfälle unterbrochen. Er nutzt die Zeit, den vor zwei Jahren neu gestalteten Kindergartenraum aufzufrischen. Zerschlagen haben sich zunächst seine Hoffnungen, dass wenigstens der zuständige Pater der Don-Bosco-Werkstatt aus Dimapur „hoch nach Zubza“ kommt, mit dem er Detailabsprachen zum gesponserten Kinderkarussell und zu weiteren Arbeiten im Children’s Park Eschenbach treffen will. Doch wie die meisten Patres ist auch dieser in die Vorbereitungen zum Besuch des „Rector Majors“ (Spanier), des höchsten Vorgesetzten der Patres, eingebunden.
Was Rupprecht besonders beklagt, sind die ständigen Stromausfälle, die bis zu zwei Tage anhalten. Als segenreich erweise sich in solchen Situationen ein Generator, der im vergangenen Jahr durch das Projekt „Hand in Hand fürs Nagaland“ angeschafft wurde.
Einem Erlebnisbericht gleicht die Schilderung einer Fahrt mit 43 Männern aus Zubza ins 45 Kilometer entfernte Dzueleke, dem ältesten Ort im Nagaland, wo noch 13 Familien vom Stamm der Angami leben. „Viele Ahnen der Leute aus Zubza kommen von hier“, weiß Rupprecht und nennt als Grund der Fahrt die Einladung der dortigen Gemeinde zum bevorstehenden 50-jährigen Kirchenjubiläum in Zubza. Zum Grund eines plötzlichen Halts während der dreistündigen Fahrt schreibt der Dschungelreisende: „Einige Einheimische haben vor kurzem ein Mithun erlegt. Es ist ein Urwaldbüffel, der sich von Gras und frischem Laub ernährt und halbwegs zutraulich ist. Kommen diesen Büffeln die Nagas auf die Spur, legen sie Salzbahnen an, um die Tiere aus dem Dschungel zu locken. Diese Praxis wurde auch diesem Büffel zum Verhängnis. Er wird vor Ort zerlegt und vermarktet. Viele unserer Männer kaufen sich einige Fleischbrocken, die vom Geschmack an junges Kalbfleisch erinnern.“
Elf Förderer des Zubza-Projekts aus Eschenbach und Umgebung pflegen Patenschaften mit Internatskindern. Die Verteilung der Briefe der Pateneltern erwarten die Kinder mit Spannung, „wohlwissend, dass sich in den Briefen der eine oder andere Euro befindet“. An vielen Abenden besucht Rupprecht die Internatskinder zu einem „Good-Night-Talk“, um Fragen über Deutschland und auch Europa zu beantworten. Er begründet ihre Neugier: „So wie wir doch recht wenig über Indien und auch noch speziell übers Nagaland wissen, wissen die Jugendlichen noch weniger über unser Land.“
Als bei einem Aktionstag die Schüler über die Notwendigkeit des Händewaschens informiert werden, schließt sich Rupprecht mit einer „Zahnputzaktion“ an. Er räumt ein, dass die Nagas von Haus aus sehr reinlich sind, auch hinsichtlich der Mundhygiene. Aus Kostengründen besitzen jedoch nur wenige von ihnen eine Zahnbürste. Hier müssen dann faserige Hölzer herhalten. Er hatte jedoch in seinem Reisegepäck altersgerechte Zahnbürsten mitgebracht und schreibt: „Als ich dann im Anschluss auch noch für Nursery, Kindergarten und 1. Klasse Zahnbürsten ausgebe, sind die Kinder total aus dem Häuschen und werden von den Lehrerinnen gar zu einigen Liedchen angehalten.“ Was folgt, bezeichnet er als etwas, „was man bei uns kaum noch kennt“: „Bevor die Kinder den Klassenraum verlassen, kommt jedes Kind, selbst die Kleinsten aus der Nursery, zu mir und bedankt sich mit ‚Thank you Sir‘“.
Auch Hans Rupprecht bedankt sich bei allen in der Heimat, von denen er Geld- und Sachspenden für das Zubza-Projekt erhalten hat, und schließt mit den Worten: „Egal, wie viel es war. Der Glanz in den Gesichtern und Augen der Kinder zeigt, dass jeder Cent richtig angelegt ist.“















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.